Sucht: Zahlen und Fakten

Häufigere Fehlzeiten, gesunkene Arbeitsleistung und starke Stimmungsschwankungen – Ursache für diese Symptome können unter anderem auch Suchtmittel sein. Während eine Alkoholfahne einen recht eindeutigen Hinweis gibt, ist es schwieriger, bei Mitarbeitern den Missbrauch von Medikamenten, illegalen Drogen, Spielsucht oder andere Abhängigkeiten zu erkennen.

Das Schlückchen in Ehren besser verwehren

 

Arbeitgeber wissen oft nicht, wie sie mit auffälligen Mitarbeitern umgehen sollen und wie sie ihnen helfen können. Vorbeugen und konsequentes Handeln sind der Lösungsweg.

Studien zeigen, dass der Missbrauch oder die Abhängigkeit von Suchtmitteln keine Probleme von Randgruppen sind. Suchtkranke kommen aus ganz normalen Familien. Persönliche Probleme und berufliche Belastungen wie Leistungsdruck können Auslöser für einen problematischen Suchtmittelkonsum sein, der ohne Hilfsangebote häufig in die Abhängigkeit führt. Dabei gibt es Branchen, die anscheinend anfälliger für Suchterkrankungen machen, etwa die Gastronomie, das Seefahrt- und das Dienstleistungsgewerbe.

20 Prozent der Arbeitsunfälle unter Alkoholeinfluss

Eine bestimmte Droge spielt dabei für die Berufswelt eine ganz zentrale Rolle: Alkohol. Insgesamt, so meldet es die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), entstehen in Deutschland für die Arbeitswelt jährlich 26,7 Milliarden Euro alkoholbezogene Kosten. Davon entstehen 16,7 Milliarden Euro durch alkoholbedingte Produktivitätsverluste und 10 Milliarden Euro durch alkoholbedingte
direkte Kosten.

In den direkten Kosten enthalten ist beispielsweise
1 Milliarde Euro durch Arbeitsunfälle mit Sachschäden, die durch Alkoholeinfluss zustande kommen. Mindestens 20 Prozent der Arbeitsunfälle geschehen unter Alkoholeinfluss, rechnet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Und die DHS geht davon aus, dass fünf bis zehn Prozent aller Arbeitnehmer alkoholgefährdet oder alkoholkrank sind.

Erwerbstätige, bei denen Hinweise auf eine Alkoholsucht vorliegen, fehlen im Schnitt 40 Tage im Jahr mehr als Erwerbstätige ohne entsprechenden Verdacht, so die DHS; Alkoholabhängige fehlen über einen Zeitraum von drei Jahren im Durchschnitt an 189 Tagen. Die höchste Zahl der Alkoholabhängigen findet sich in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen, mehr als 22 Prozent der Arbeitnehmer mit einem Alkoholproblem werden vorzeitig pensioniert oder scheiden durch Entlassung aus dem Unternehmen aus.

Sucht und Arbeit
Betroffen ist nicht nur der Mitarbeiter und seine Gesundheit, sondern auch das Unternehmen: Sucht wirkt sich negativ auf die Qualität der Arbeit aus, führt zu Problemen mit Kollegen, erhöht die Unfallquote, verursacht Kosten durch Ausfall und Fehlzeiten und kann dem Image des Betriebes schaden.

Gerade in kleinen Betrieben ist die Hemmschwelle hoch, einen Mitarbeiter darauf anzusprechen, ob Alkohol, Medikamente oder illegale Drogen ursächlich für Fehler, Unkonzentriertheit oder das häufige Entfernen vom Arbeitsplatz sind. Wegen der Unsicherheit im Umgang mit dem betroffenen Mitarbeiter und aus Angst vor einem möglicherweise vorschnell geäußerten Verdacht wird das Thema oftmals gar nicht angesprochen. Doch die Situation zu dulden oder zu ignorieren kann für den Chef fatale Folgen haben.

Denn die Wirkung von Suchtmitteln ist keine Privatsache: Gemäß der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (DGUV Vorschrift 1) dürfen Mitarbeiter nicht mit einer Arbeit beschäftigt werden, wenn sie erkennbar nicht in der Lage sind, diese Tätigkeit ohne Gefahr für sich und andere auszuüben. Stellt der Arbeitgeber zum Beispiel körperliche Ausfallerscheinungen fest, muss er den Beschäftigten vom Arbeitsplatz entfernen. Dabei muss ein Suchtmittelkonsum nicht nachgewiesen werden, es genügt der subjektive Eindruck. Je nach Zustand ist der Mitarbeiter in ärztliche Behandlung zu geben, beaufsichtigt unterzubringen oder für ihn der sichere Heimweg zu organisieren. Eine Weiterbeschäftigung trotz deutlicher Hinweise verstößt gegen das Arbeitsschutzgesetz.

Beschäftigte dürfen auch in ihrer Freizeit keine berauschenden Mittel konsumieren, wenn sich die Folgen bis in die Arbeitszeit hinein auswirken und eine Gefahr darstellen können. Passiert ein Arbeitsunfall zum Beispiel unter Alkoholeinfluss, kann der Mitarbeiter die Lohnfortzahlung und den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz verlieren und für Schäden haftbar gemacht werden.

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Umgang mit Suchtmitteln im Betrieb

Im Rahmen seines Direktionsrechts kann der Arbeitgeber ein generelles Suchtmittelverbot im Betrieb aussprechen oder individuelle Verbote im Arbeitsvertrag regeln. Sinnvoll ist dies vor allem bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten, wie dem Bedienen von Maschinen, dem Umgang mit Gefahrstoffen und dem Bewegen von Fahrzeugen. Eine Betriebsvereinbarung schafft einen Rahmen für den Umgang mit Suchtmitteln im Betrieb und mit betroffenen Mitarbeitern.

Bei Verstößen gegen Verbote sollten Arbeitgeber zunächst ermahnen und bei Wiederholung mit einer Abmahnung reagieren. In letzter Konsequenz kann eine verhaltensbedingte Kündigung ausgesprochen werden. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur möglich, wenn ein suchtkranker Mitarbeiter die Teilnahme an einer Entziehungskur verweigert oder eine Therapie ohne Erfolg bleibt und auch die Prognose über den Krankheitsverlauf negativ ist.

Zehn praktische Tipps für Führungskräfte

Verfügbarkeit von Suchtmitteln im Betrieb einschränken oder abstellen

Alle Mitarbeiter über das Thema „Sucht am Arbeitsplatz“ informieren

Bei Auffälligkeiten sich selbst ein Bild machen und Fakten sammeln

Diese möglichen suchtmittelbedingten Auffälligkeiten frühzeitig ansprechen

Beim Gespräch „Ich-Botschaften“ und die eigene Sorge zum Ausdruck bringen

Die festgestellten Auffälligkeiten in den Zusammenhang mit einem beobachteten oder vermuteten Suchtmittelkonsum bringen Klares und konsequentes Vorgehen des Betriebes bei weiteren Auffälligkeiten deutlich machen

Mögliche Hilfsangebote aufzeigen Vereinbarungen mit dem Betroffenen treffen, wie das konkrete weitere Vorgehen aussieht

Sich als Führungskraft klarmachen, dass der Weg aus einer Sucht ein Prozess ist, der nicht mit einem Gespräch abgeschlossen sein wird

Und noch ein Tipp fürs Gespräch: Betroffene finden beim Fachverband Sucht eine Checkliste zur Einschätzung ihres Konsums, Hinweise zu Beratungs- und Behandlungsangeboten sowie Hinweise zur Zuzahlung bei Suchtbehandlungen.

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