So führen Frauen: Dachdeckermeisterin Jana Schade im Porträt

Kreativ und familiär – so führt Jana Schade seit mehr als 20 Jahren erfolgreich ihr Dachdeckerunternehmen in Eisenach. Ein Porträt.

Die Dachdeckermeisterin mit den 1.000 Ideen

 

Als Dachdeckermeisterin liebt Jana Schade es, zu gestalten und ihren Kunden neue Wege aufzuzeigen. „Es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, ein Dach zu bauen. Und auch mit vielen unterschiedlichen Materialien, die zudem ökologisch und nachhaltig sind“, erklärt sie. In Eisenach führt die 46-Jährige erfolgreich ihr Unternehmen mit insgesamt 8 Mitarbeitern. Doch in den mehr als 20 Jahren, in denen die verheiratete Frau mit einem Sohn in der Dachbaubranche tätig ist, hat sich viel getan.

Wir werden zusammen alt

 

Denn die Anfänge waren alles andere als einfach. Aufgezogen hatte sie den Betrieb 1997 mit ihrem damaligen Lebensgefährten. Doch die Beziehung hielt nicht und Jana Schade musste den Laden plötzlich alleine schmeißen. „Aufgeben war für mich keine Alternative. Ich hatte Verantwortung für unsere Mitarbeiter, und ich liebte die Selbstständigkeit“, erklärt sie. So nutzte die gelernte Bauzeichnerin die Chance, parallel zur Leitung des Betriebs ihren Dachdeckermeister zu machen. Dass sie bei 23 Meisteranwärtern neben sich nur eine weitere Frau hatte, war ihr egal. Auch ihren Kundenstamm konnte sie von ihren Kompetenzen überzeugen: „Wenn ich heute ans Telefon gehe, denkt keiner mehr, dass ich die Sekretärin bin.“


Mit ihrer Beharrlichkeit schaffte sie es, sich einen Namen zu machen. „Sicher, rückblickend würde ich einiges anders machen. Aber das ist bei männlichen Betriebsleitern nicht anders“, betont Schade. Auch schaffte sie es, ein treues Team aufzubauen: „Die, die mit der Führung einer Frau Probleme hatten, sind früh gegangen. Die anderen sind geblieben. Und wir werden zusammen alt. Wie in einer Familie.“ Diesen Gemeinschaftsgedanken fördert die Unternehmerin aktiv, etwa indem sie ihrem Team auch mal ein Coaching bietet oder ein großes Foto mit allen Mitarbeitern den Firmenwagen ziert. Denn Jana Schade ist bewusst: „Ein Dach könnte ich nicht alleine decken.“

Rückenwind bei Seminaren


War sie anfangs selbst noch oft draußen auf den Baustellen, konzentriert sie sich inzwischen auf Beratung und Konzeption. Zudem muss sie viel Administratives bewerkstelligen: „Die Vorgaben für Unternehmer sind leider immens.“ Sie selbst holt sich Rückenwind bei Seminaren im Handwerk, knüpft Kontakte bei der Dachdecker-Innung Gotha-Eisenach sowie den Soroptimisten Eisenach.

Doch als ob das alles nicht schon genug wäre, geht Jana Schade mit der Umgestaltung eines alten Adelssitzes zum Seminar- und Wellnesshaus als Unternehmerin noch zusätzlich neue Wege. „Es treiben mich einfach so viele Ideen um, die ich dann auch angehen muss“, erklärt sie. Und davon sollten sich auch junge Frauen nicht abhalten lassen: „Es sind gute Zeiten, sich im Handwerk selbstständig zu machen. Egal, ob als Mann oder Frau.“

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