Kolumne: Stress, lass nach!

In der profil-Kolumne gibt Wirtschaftspsychologe Tobias Nitzschke dieses Mal Tipps, wie Inhaber und Mitarbeiter einen möglichst stressfreien Arbeitsalltag haben. Eine positive Einstellung kann da schon kriegsentscheidend sein.

Stress, lass nach!

An manchen Tagen ist es wie verhext, oder? Der Arbeitstag beginnt wie jeder andere, die To-do-Liste wartet auf die ersten Häkchen, der Kopf ist sortiert, es läuft geschmeidig an – und dann bricht das Chaos los. Ein Mitarbeiter meldet sich unerwartet krank, seine Arbeit wird von einem Kollegen zum anderen geschoben, schlechte Stimmung ist im Anmarsch. Ein ebenso kurzfristiger wie dringender Auftrag kommt rein. Ablehnen, vertrösten, verhandeln? Keine Option. Muss gemacht werden, noch mehr Arbeit, noch mehr Stress. Zu allem Überfluss fordert ein Kunde ohne Termin Beratung, ein anderer beschwert sich über die Abwicklung seines Auftrags.

 

Stress ist ein Stimmungskiller

Manchmal möchte man sich einfach nur noch in Luft auflösen, dem mühseligen Durcheinander am Arbeitsplatz entfliehen. Natürlich muss es nicht immer so unübersichtlich zugehen wie im oben geschilderten Szenario. Häufig reichen Kleinigkeiten, um in Stress zu verfallen. Funktioniert der Drucker nicht? Hat der Kollege schon wieder Werkzeuge liegen lassen, wo sie nicht hingehören? Ist das Kaffeepulver aus? Oder liegt schlicht etwas in der Luft, das sich vor die Motivation und die Gelassenheit schiebt wie eine dunkle Wolke vor die Sonne? Egal, ob kleine oder große Anlässe, begründet oder nicht: Stress am Arbeitsplatz ist ein Produktivitäts- und Stimmungs-Killer. Braucht keiner.

Konzentrieren Sie sich auf die positiven Dinge im Job.

Bevor sich dieser Störenfried dauerhaft bei Ihnen niederlässt und richtig schön in der Firma einnistet, beugen Sie vor. Klar, dass Sie ein zu hohes Auftragsaufkommen, Arbeitskräftemangel und enge Zeitfenster nicht immer voraussehen oder verhindern können. Klar, dass Stress aus äußeren Umständen heraus entstehen kann, auf die wir keinen Einfluss haben. Aber wir können uns innerlich wappnen, ja nachhaltig präparieren, um spürbar gelassener, vielleicht sogar tiefenentspannt zu werden. Zumindest aber positiver und resistenter gegen Anspannung. Dazu müssen Sie sich nicht auf der Yoga-Matte verrenken – auch, wenn das nachweislich förderlich ist für Körper und Seele.

 

Einfach mal ein Schwätzchen halten

Nein, worauf Sie sich zunächst ganz einfach konzentrieren könnten, sind die positiven Dinge in Ihrem Job: Haben Sie tolle Mitarbeiter und Kollegen, mit denen Sie gerne ein Schwätzchen halten und gemeinsam lachen? Toll! Zelebrieren und fördern Sie das, machen Sie zusammen Mittagspause, treffen Sie sich auf einen Kaffee zwischendurch in der Gemeinschaftsküche, tauschen Sie sich aus, beflügeln Sie sich gegenseitig mit der schlichten Zufriedenheit über den Augenblick. Hat Ihr Standort ein paar schöne Plätze zu bieten, an denen Sie mit kurzen Spaziergängen Ihren Akku wieder aufladen und die Gedanken kurz schweifen lassen können? Haben Sie im jüngsten Meeting einen produktiven Beitrag geleistet, hat Sie jemand gelobt, haben Sie jemandem für seine gute Arbeit auf die Schulter geklopft, einen Kunden glücklich gemacht? Mehr davon! Vielleicht hat auch einfach das Mittagessen geschmeckt, oder Sie freuen sich auf den süßen Snack oder das Kundentelefonat am Nachmittag.

Sehen Sie unübersichtliche Situationen als Herausforderung.

Schenken Sie all diesen schönen Momenten und Emotionen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Sie bereichern den Arbeitsalltag ungemein. Niemand möchte – und sollte! – auf Dauer seine Zeit in der Firma absitzen und dem Feierabend entgegenfiebern. Lassen Sie sich stattdessen auf sämtliche angenehmen Augenblicke, positiven Facetten, die nette Gesellschaft ein. Und lassen Sie sie nicht mehr los. So finden Sie auch in den aufreibendsten Situationen die nötige Kraft und Ausdauer, sie zu überstehen – und effizient zu meistern. Ohne dass Sie dauerhaft Ihre Balance verlieren.

Und was die äußeren Stressfaktoren angeht: Sehen Sie unübersichtliche, mit Druck belastete Situationen als Herausforderung. Gehen Sie die Aufgaben an, Schritt für Schritt. Mehr können Sie gar nicht tun. Wetten, dass Ihnen das mit Ihrer positiven Grundeinstellung großartig gelingen wird?

Passende Artikel
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Handwerk
Stress
Körperliche Belastung
Betriebe im Stresstest

Katja Keller-Landvogt über die psychische Gesundheit im Arbeitsleben.

Stress
Körperliche Belastung
Führung
Krank durch Stress? Nein danke!

Reinhard Lachner führt ein gesundes Unternehmen.

Gesundheit
Stress
Körperliche Belastung
So bieten Sie Stress die Stirn

In fünf Schritten zum entspannten Arbeitsalltag.

Bildnachweis Header: © absent84 - stock.adobe.com