Frauen im Handwerk: Zahlen, Daten, Fakten

Noch immer halten sich viele Klischees über typische Frauen- und Männerberufe in den Köpfen, doch es tut sich etwas: Auch im Handwerk wird Frauenpower gefördert und weiterentwickelt. Ein Überblick über den Status quo.

Von wegen Männerberuf: Frauen stark im Handwerk

 

„Das Handwerk ist längst keine Männerdomäne mehr“, sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). So sei den Statistiken zufolge fast jeder vierte neue Ausbildungsvertrag im Handwerk mit einer Frau geschlossen worden, der Anteil an Handwerkerinnen betrage 23,2 Prozent – ein Zuwachs im Vergleich zu den vergangenen Jahren, Tendenz steigend.


Und auch nach der Lehre bleiben laut ZDH-Angaben zahlreiche Handwerkerinnen ihrem Metier treu: Mehr als jede sechste erfolgreiche Meisterprüfung wurde 2017 von einer Frau absolviert (16,8 Prozent). Auch in Bezug auf das eigene Handwerksunternehmen ist der weibliche Part stark vertreten: Fast ein Viertel aller Betriebsinhaber in Deutschland sind Frauen (24 Prozent).


Zu den bei Frauen besonders beliebten Handwerksberufen zählen dem ZDH zufolge Maßschneider (81,9 Prozent Frauen), Goldschmied (79,1 Prozent), Friseur (78,6 Prozent) und Augenoptiker (68,9 Prozent). „Die Berufsbilder unterliegen dabei einem Wandel der Zeit“, sagt Schwannecke. War etwa der Beruf des Konditors früher eindeutig etwas für Männer, gehöre er heute zu den beliebtesten Berufen bei weiblichen Azubis (81,0 Prozent). Generell ergriffen Frauen gern kaufmännische Berufe wie Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk oder Kauffrau für Büromanagement. 73,8 Prozent aller kaufmännischen Azubis seien Frauen. „Aber auch einzelne technische Berufe sind bei Frauen beliebt. Der Zahntechnikerberuf etwa hat einen Frauenanteil von 55,1 Prozent.“ Es gibt aber auch Arbeiten, die Frauen lieber dem anderen Geschlecht überlassen, wie der folgende Infokasten zeigt:

Nein, danke!

Diese Berufe sind bei Frauen am unbeliebtesten (Quelle: ZDH): 

Platz 4: Fleischer (Frauenanteil bei den Auszubildenden: 6,4 %)

Platz 3: Klempner (4,2 %)

Platz 2: Maurer (1,1 %)

Platz 1: Gerüstbauer (0,3 %)

Die Zahlen zeigen: Frauen sind im Handwerk am Zug. Und der technologische Wandel ebnet ihnen den Weg. Zwar ist körperliche Arbeit aus vielen Handwerken vorerst nicht wegzudenken. Durch die um sich greifende Digitalisierung hätten sich die körperlichen Belastungen jedoch spürbar verringert. Etliche Prozesse würden inzwischen digital gesteuert oder technisch gelöst.


Zusätzliche und innovative Tools seien im Handwerk Standard: „Aus einer Umfrage mit dem Bitkom-Verband wissen wir, dass fast 60 Prozent der Handwerksbetriebe auf Softwarelösungen setzen, um ihre betrieblichen Abläufe zu steuern. Jeder vierte Betrieb nutzt die moderne Technologie für die Produktion. Selbst Bäcker und Metzger produzieren heute mit digital gesteuerten Maschinen. Tischler planen Tische mit CAD-Programmen oder konfigurieren sie online, die Platten dafür werden in kooperativer Auslastungsoptimierung und von Robotern gesägt“, sagt Schwannecke.

Dass Frauen Berufe ergreifen, die in der öffentlichen Wahrnehmung als solche für Männer gelten, zeigt die Vielfalt an Perspektiven, die das Handwerk Frauen bietet – denjenigen, die praktisch arbeiten und sich verwirklichen wollen. Unabhängig vom Geschlecht bietet es all denen beste Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten, die motiviert und leistungsstark arbeiten können und bereit sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Gender Pay Gap

Zwar nähern sich Frauen und Männer in puncto Berufswahl immer weiter an. Dennoch gibt es noch deutliche Unterschiede bei den Stundenlöhnen. Laut Statistischem Bundesamt* lag der Verdienstabstand zwischen beschäftigten Männern und Frauen (Gender Pay Gap) in Deutschland 2017 bei rund 21 Prozent. Vergleicht man die Bruttomonatsverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer inklusive Sonderzahlungen in Betrieben mit Handwerkseigenschaft, verdienen Frauen mit durchschnittlich 16,59 Euro brutto je Stunde spürbar weniger als Männer (21 Euro). Die Bundesregierung will diesen Verdienstabstand gemäß ihrer Nachhaltigkeitsstrategie bis zum Jahr 2020 auf 10 Prozent reduzieren.**

* Statistisches Bundesamt, Broschüre „Arbeitsmarkt auf einen Blick – Deutschland und Europa“.
** Statistisches Bundesamt, zitiert in der Studie „Lohnstrukturen im Handwerk“, Katarzyna Haverkamp und Katja Fredriksen (380. Band der Reihe „Study“ der Hans-Böckler-Stiftung, März 2018).


Und wie steht es um die Gesundheit von Frauen im Handwerk?

Im Vergleich zu den Männern gar nicht so schlecht, wie die Auswertung der Arbeitsunfähigkeitstage der IKK classic in 2017 belegt:
 

Hauptkrankheitsarten nach Geschlecht 2017

Bildnachweis Header: © Alys Tomlinson/Getty Images


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