Betriebe im Stresstest

Nicht nur die körperliche Ausdauer ist in Handwerksbetrieben gefragt. Auch psychisch stoßen Betriebsinhaber und Mitarbeiter regelmäßig an ihre Grenzen. BGM-Expertin Katja Keller-Landvogt erklärt im Interview, warum die psychische Gesundheit im Arbeitsleben so wichtig ist.

Betriebe im Stresstest

Ein Experteninterview mit Katja Keller-Landvogt

2015 lag die Durchschnittsdauer psychisch bedingter Krankheitsfälle im Handwerk bei 29 Abwesenheitstagen, 13 sind eigentlich die Norm. Im Auftrag des Projektes „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (psyGA) hat die IKK classic deshalb die Handlungshilfe „Kein Stress mit dem Stress“ speziell für Handwerksbetriebe konzipiert. Katja Keller-Landvogt, Fachberaterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement der IKK classic, erklärt, was dahintersteckt.

 
Frau Keller-Landvogt, was verbirgt sich hinter „psyGA“?
 
Die Abkürzung psyGA steht für „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“, ein Projekt, das durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördert wird: Es bietet Handlungshilfen und Praxisinstrumente, für Führungskräfte und Beschäftigte, um gezielt die psychische Gesundheit im Betrieb zu fördern.
In Sachen Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein guter Begleiter gerade für Handwerksbetriebe wichtig.
An wen richtet sich das Projekt?
 
psyGA richtet sich an Unternehmen und Organisationen aller Branchen und Größen. Aktuell wurden vier neue Medien speziell für klein- und mittelständische Unternehmen entwickelt und eine Webseite für Kleinbetriebe (www.psyga.info/kleinbetriebe). Eine dieser neuen Handlungshilfen richtet sich direkt an Handwerksbetriebe. Und das ist sehr gut so: Handwerksbetriebe sind oft klein, haben nicht so viele personelle Ressourcen wie Großunternehmen und der Chef oder die Chefin sind entsprechend auf sich zurückgeworfen – in Sachen Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein guter Begleiter gerade für Handwerksbetriebe wichtig! Die IKK classic als Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung im Handwerk war mit der Entwicklung dieser Handlungshilfe beauftragt.
 
Was bringt die Handlungshilfe den Betrieben?
 
Interessierte können sich in der neuen psyGA-Handlungshilfe „Kein Stress mit dem Stress – Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe“ mit sieben Themen Hilfe zur Selbsthilfe holen: Tipps für eine strategische Betriebsführung, für eine durchdachte Arbeitsorganisation und für gute Zusammenarbeit und Konfliktlösungen im Team. Wir informieren außerdem darüber, wie man Veränderungen meistert, wie gesunde Führung und praktische Gesundheitsförderung im Betrieb aussehen kann und geben eine Anleitung zur effektiven und praktikablen Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Dadurch können psychische Belastungen im Betrieb identifiziert und gezielt reduziert werden. Die IKK classic unterstützt die Betriebe aber auch praktisch vor Ort beim Finden von betriebsspezifischen Lösungen, um die Gesundheit zu fördern und psychische Belastungen zu reduzieren.
Jährlich betreuen wir etwa 1.000 Betriebe.

Und wie sieht Ihre praktische Hilfe aus?

Die IKK classic hat ein Team aus rund 40 Gesundheitsmanagern, die Handwerksbetriebe bei Bedarf bundesweit vor Ort bei der Durchführung der betrieblichen Gesundheitsförderung beraten und begleiten. Jährlich betreuen wir etwa 1.000 Betriebe. Alle Betriebe, die in der Handlungshilfe mit Beispielen guter Praxis vorgestellt werden, haben ihre Lösungen zur Reduzierung psychischer Belastungen mit Unterstützung unserer Gesundheitsmanager erarbeitet.

 

Können Sie ein Beispiel aus der Praxis erzählen?

Sehr gerne! Unter den von uns betreuten Betrieben war zum Beispiel eine Schreinerei aus Freiburg. Jeden Morgen gab es Stress, weil Verbrauchsmaterial wie z.B. Silikon-Kartuschen fehlte, das mit zur Baustelle genommen werden sollte. Das Fehlen verursachte unnötigen Zeitdruck, Unzufriedenheit beim Kunden durch Terminverzögerungen und eine gereizte Stimmung am Morgen. Wir haben uns mit dem Chef und seinem Team zusammengesetzt und sie dabei begleitet, das Grundproblem erst einmal überhaupt zu erkennen. Dann wurde gemeinsam ein System ausgearbeitet, um das Problem zu beheben. Die Schreinerei hat hierzu das Regal mit den Verbrauchsmaterialien vom Keller zum Eingang der Werkstatt verlagert, wo alle das Regal im Blick haben, so dass sofort auffällt, wenn ein Fach leer ist. Außerdem wurde ein gut durchdachtes Lagersystem eingeführt (Näheres dazu auf S. 32 der Handlungshilfe). Seitdem ist der Stress durch fehlendes Material am Morgen weg.

 

Auf der Suche nach konkreten Lösungen?

Die umfangreiche Handlungshilfe gibt's hier direkt zum Download:
Kein Stress mit dem Stress. Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe (PDF)

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