Ein Betrieb voller Frauen: Tischlerei Dehner im Interview

Frauen und Tischlern, passt das zusammen? Und ob, sagt Christoph Dehner: Der Tischler aus Hamburg beschäftigt fünf Frauen in seinem Betrieb – für den Fachmann eine Selbstverständlichkeit.

Tische von weiblicher Hand

 

Weibliche Tischler gibt es schon seit vielen Jahrzehnten, mit langsam steigender Tendenz. Waren es in 2010 noch 622 Tischlerinnen, die ihre Gesellinnenprüfung bestanden haben, lag die Anzahl angehender Tischlerinnen 2017 bei 791. Demgegenüber nimmt die Zahl der männlichen Tischler kontinuierlich ab, von 8.204 im Jahre 2010 auf 5.741 im Jahre 2017.

Christoph Dehner, Inhaber der Tischlerei Dehner in Hamburg, beschäftigt fünf Frauen in seinem Betrieb – die Gesellin Elke Peters, zwei Auszubildende, eine kaufmännische Angestellte und seine Frau als in Teilzeit mitarbeitende Fachkraft. Es ist für ihn seit vielen Jahren selbstverständlich, Frauen einzustellen.

 

Frau Peters, bauen Frauen Möbel anders? Gehen Sie als Tischlerin anders an die Sache heran als ein Mann?
Elke Peters: „Nein, ich gehe Aufträge vielleicht anders an als einige männliche Kollegen, aber das liegt an der Routine, die ich über die Zeit gefunden habe. Einige Kollegen haben Dinge von mir übernommen, ich habe auch vieles gelernt. Teamarbeit. Man muss immer bereit sein, neue Dinge anzunehmen und zu lernen, vielleicht fällt Frauen das ein wenig leichter als Männern (lacht), das kann schon sein.“


Herr Dehner, warum ist der Stellenwert von Frauen im Handwerk immer noch recht gering? Woran liegt das?
Christoph Dehner:
„Ich persönlich verstehe nicht, warum es überhaupt noch so ein Thema ist, Frauen in Handwerksbetrieben einzustellen. Für uns war es das noch nie. Meist wird von Skeptikern als Erstes die körperliche Belastung angeführt; das lasse ich jedoch nicht gelten. Bereits bei den Bewerbungsgesprächen mit Praktikantinnen weisen wir darauf hin. Zwar spürt man den Job manchmal stark körperlich, aber das ist völlig normal. Mittlerweile, im Zeitalter der computerbasierten Systeme, rücken die körperlichen Tätigkeiten aber mehr und mehr in den Hintergrund.“
Elke Peters: „Die Frage impliziert ja, dass Frauen einen geringeren Stellenwert haben. Dem ist aber nicht so – in der heutigen Welt ist es doch eine charakter- und leistungsabhängige Frage, welchen Stellenwert jemand im Beruf hat. Und nicht, welches Geschlecht.“

Das Foto zeigt Elke Peters und Christoph Dehner von der Tischlerei Dehner aus Hamburg

Wünschen sich mehr Selbstverständnis für Frauen im Handwerk: Elke Peters und Christoph Dehner von der Tischlerei Dehner aus Hamburg

© Johannes Berger

Warum bereichern Frauen das Handwerk allgemein und inwiefern bereichern die Mitarbeiterinnen Ihren Betrieb?
Christoph Dehner: „Unser Betriebsklima hat sich mit Frauen positiv verändert, denn der Ton ist netter und freundlicher geworden. Das spüren auch unsere Kunden.“
Elke Peters: „Frauen sind meist offener und kommunikativer, außerdem zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe bereit. Aber grundsätzlich würde ich sagen, dass diese Attribute auch auf Männer zutreffen können, es ist also eher eine Typfrage.“


Wie reagieren Ihre Kunden, wenn Sie sehen, dass ihre Aufträge von Frauen bearbeitet werden?
Elke Peters: „Die allermeisten sind positiv, erst recht, wenn das Ergebnis für sich spricht. Einige wenige – gerade Männer älteren Jahrgangs – sind anfangs manchmal skeptisch.“ (Lacht.)
Christoph Dehner: „Der Eindruck unserer Kunden ist durchweg positiv. Selbst wenn es bei dem einen oder anderen am Anfang ein wenig Skepsis geben sollte, wird diese sehr schnell zerstreut.“


Eignet sich der Beruf des Tischlers für Frauen besonders gut?
Christoph Dehner: „Ach, ich würde gar nicht sagen, dass Frauen besonders gut geeignet sind. Vielleicht legen sie mehr Gefühl in feine, filigrane Arbeiten, vielleicht sind sie kreativ begabt. Aber das sind Männer ehrlich gesagt auch.“
Elke Peters: „Bestimmt nicht für alle Frauen. Aber wenn man Spaß am handwerklichen Schaffen hat, ist der Job klasse. Ich habe mir das Tischlern ausgesucht, weil mir die Arbeit enorm viel Spaß macht! Der Beruf ist abwechslungsreich und sehr befriedigend – am Ende des Tages sieht man, was man geschafft hat.“

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