Kampf dem Fachkräftemangel!

Azubis zu gewinnen, ist vor allem für kleinere Handwerksbetriebe häufig ein Problem. Nicht so für Glasermeister Sven Sterz: Er drehte ein Video, mit dem er nicht nur einen Internet-Hit landete, sondern im Handumdrehen auch einen großen Stapel Bewerbungen auf dem Tisch hatte.

Glasermeister Sterz: über Nacht zum Social-Media-Star!

 

Der Inhalt des Videos ist schnell erzählt: Glasermeister Sven Sterz lässt eine große Glasscheibe fallen – und erklärt im Anschluss, was er von seinen Azubis erwartet. Herkunft oder Schulbildung seien egal, aber: „Aufgeben oder Abbrechen ist keine Option“, so bringt es der Norddeutsche auf den Punkt. Als er im Frühjahr dieses Filmchen auf seiner Facebook-Seite postet, konnte er noch nicht ahnen, was er damit auslösen würde. Denn über Nacht wurde das Bewerber-Video zum Internet-Hit. „Am nächsten Morgen war schon alles anders“, berichtet Sterz. „Das Telefon stand nicht mehr still.“ Bereits in den ersten drei Tagen hatten sich eine Million Menschen sein Video angeschaut. 

Um 8 Uhr stand der erste Bewerber auf der Matte

Aber nicht nur die Medien – von Bild bis Böhmermann – machten aus ihm den wohl berühmtesten Glaser Deutschlands. Auch die erhofften Bewerber kamen endlich. „Gleich um 8 Uhr morgens stand der erste bei uns auf der Matte“, sagt Sterz, der in Debstedt im Landkreis Cuxhaven seinen Betrieb hat. Am Ende konnte er zwischen 35 Bewerbern wählen, was eine äußerst komfortable Ausgangslage ist. Denn einige Wochen vor dem Videodreh hatten andere Bemühungen keinen Erfolg, sprich keinen einzigen Bewerber, gebracht.

Aber die schwierige Lage mit Azubis und Fachkräften sei nicht neu in der Branche. Erst kürzlich habe der 49-jährige Selbstständige einen guten Mitarbeiter auf besonders bittere Weise verloren: „Er hatte bei uns mit 16 als Azubi angefangen und damals sozusagen noch die Eierschale dran.“ Als er sich zum zuverlässigen Mitarbeiter entwickelt hatte und im besten Alter war, lockte ihn dann jedoch die Industrie mit einem Angebot weg von Sterz’ Betrieb.

Über vier Millionen Zuschauer

Einfallsreichtum sei daher gefragt. Die Idee für den Film kam Sterz spontan in einer Kaffeepause: „Damals stand gerade eine alte Türscheibe bei uns im Hof.“ Der Bruch der Scheibe gepaart mit der trockenen, direkten Art des Meisters traf den Nerv der User im Netz. „Für den Hype kann ich nichts. Aber klar ist: Durch Teilen, Kommentieren, Liken habe ich meine Azubis 2018 gefunden.“ Und um die kümmert er sich seit dem 1. August rührend. So lud der Meister erst kürzlich seine zwei aktuellen Schützlinge, die 17-jährige Laura aus Sellstedt und den 16-jährigen Fynn aus Geestland (alle drei sind auf unserem Foto zu sehen), nach der bestandenen Probezeit zum Grillen ein.

Inzwischen haben mehr als vier Millionen Menschen das Glaser-Video gesehen, 33.000 Mal wurde es geteilt, insgesamt 83.000 Reaktionen sowie 11.000 Kommentare kann Sven Sterz aktuell verzeichnen. Das sind Zahlen, die jeden Youtuber neidisch machen. Auch nach dem Aufruf hielt Sterz seine Zuschauer über seine Unternehmensseite bei Facebook mit weiteren Videos über den Bewerbungsprozess auf dem Laufenden. Seine neu gewonnenen Azubis stellte er dort ebenfalls direkt in einem kurzen Film vor. Das Interessante: Sven Sterz bezeichnet sich selbst als Dinosaurier. Denn bis 2014 konnte er keinen Computer bedienen, bis vor zwei Jahren keine E-Mail verschicken. Doch irgendwann wurde ihm klar: „Wenn ich meine Azubis und Fachkräfte erreichen will, dann muss ich eben selbst im Internet rumturnen.“

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