Die Unruheständler: Seniorenhandwerker im Porträt

Senioren sind heute so aktiv wie nie – das gilt insbesondere für das Handwerk. So unterstützen viele ehemalige ältere Handwerker andere Senioren bei Reparaturarbeiten im Haus und Garten.

Fleißige „Unruheständler“

 

Mit einem fröhlich geschmetterten „Guten Morgen, wo steht denn das gute Stück?“ tritt Dieter Reitmeyer, 77, Seniorenhandwerker vom Rentnerservice „alteprofis“ aus Stralsund, in die Wohnung der 83-jährigen Bertha Schneider. Ihr Fernseher funktioniert nicht und sie selbst kann die Ursache nicht finden. Nach rund 15 Minuten ist der Seniorenhandwerker mit seiner Arbeit fertig, der Wackelkontakt beseitigt und Bertha Schneider zufrieden. „Wie schön, jetzt kann ich wieder meine Lieblingssendungen schauen.“ Dieter Reitmeyer war als Ingenieur der Nachrichtentechnik tätig und arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich. „Ich bin gern unter Menschen, mache mich gern nützlich“, sagt er. „Es ist mir immer eine große Freude, wenn ich helfen kann.“

Vertrauen in unseren Service ist hoch

 

Birgit Wacks, 72, betreibt das Portal „alteprofis“ seit mehr als acht Jahren. „Meine Idee ist, Handwerker im Ruhestand mit Menschen, die Hilfe im Haushalt oder im Garten benötigen, zusammenzuführen. Unsere Seniorenhandwerker bei alteprofis verfügen über ein großes Fachwissen und Zeitreserven.“ Viele professionelle Firmen nehmen kleinere Handwerkerdienste oft gar nicht an, weil es für sie nicht lukrativ ist. Birgit Wacks: „Die alten Profis können von jedermann gebucht werden, das Honorar liegt im Durchschnitt bei um die zehn bis zwölf Euro. Die Kunden freuen sich, dass ihnen schnell und unbürokratisch geholfen wird. Das Vertrauen in unseren Service ist hoch, die Zufriedenheit auch.“

Die Dienstleistungen sind dabei sehr vielfältig. „Es wird fast alles nachgefragt, sowohl Arbeiten im Haus, an der Technik als auch im Garten“, so Wacks. „Die Handwerker sind durch die Bank glücklich, Menschen helfen und ihr handwerkliches Können auch nach dem aktiven Berufsleben unter Beweis stellen zu können.“

Eine Kundin, die die Dienste der alten Profis oft nutzt, ist Kerstin Houdelet, 56. „Wenn wir kleine Reparaturen im Haus haben, sind diese Handwerker für mich die erste Wahl. Egal, ob sie in unserem Garten die Hecke schneiden oder die Trittsteine säubern – ich war bisher immer sehr zufrieden. Bei unserem Dachausbau hat ‚unser‘ Profi auch noch kleine Restarbeiten getätigt, nachdem der komplette Ausbau natürlich von einer Fachfirma ausgeführt wurde.“

Der kommunale Seniorenservice in Hannover hat ebenfalls ein Herz für Senioren, die Unterstützung benötigen, wenn beispielsweise der Abfluss verstopft ist, der Wasserhahn tropft, Betten abgebaut, Schränke aufgebaut oder die Gardinen aufgehängt werden müssen.

Melanie Siemroth, 37 Jahre, kennt diese kleinen und größeren Probleme der Senioren in Hannover. „Ältere Menschen ab 60 Jahren können diesen Service bei uns buchen, und zwar gegen einen geringen Kostenbeitrag von sechs Euro pro Einsatz, wobei jeder Einsatz auf zwei Stunden begrenzt ist. Das Interesse und die Nachfrage sind riesig, allein in 2017 wurden rund 620 Aufträge durchgeführt.“

Hilfe auch bei Technik

Der Handwerkerdienst für Senioren erfreut sich wachsender Beliebtheit. Innerhalb einer Woche nach einer Anfrage kommt ein fleißiger „Unruheständler“ vorbei, bringt Ersatzteile und Werkzeuge mit.

„Unsere Seniorenhandwerker kommen auch für kleinste Arbeiten, wie zum Aufbauen von Regalen oder Austauschen von Glühbirnen. Dafür würde ein regulärer Handwerksbetrieb gar nicht ausrücken“, weiß Melanie Siemroth. „Damit bieten wir den Seniorinnen und Senioren unserer Stadt eine enorme Unterstützung im Alltag. Denn Angehörige wohnen häufig zu weit weg und selbst kann man meist nicht mehr alles selbst erledigten. Wer stellt sich denn im hohen Alter noch gern auf die Leiter? Vielen älteren Menschen fällt es auch schwer, sich zu bücken, oder es fehlt jemand, der beim Aufstellen einer Kommode oder eines Schrankes mit anpackt.“

Hartmut Hoffmann ist eine solche willkommene Hand – der 66-Jährige war Elektrotechniker bei den Stadtwerken Hannover. „Ich arbeite im ganzen Stadtgebiet, wechsle Glühbirnen aus, hänge Lampen auf oder repariere wackelnde Schubladen. Viele unserer Kunden benötigen auch Hilfe bei der Technik, denn diese wird immer komplizierter. Analoge Fernseher gibt es nicht mehr, viele ältere Menschen brauchen Unterstützung bei der Sendereinstellung oder beim Verstehen der Fernbedienung. Für mich ist das eine sinnvolle Beschäftigung, ich koordiniere auch die anderen Kollegen vom Seniorenservice.“

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