Nahrungsergänzung bei Handwerkern

Handwerker müssen häufig körperlich schwer arbeiten – brauchen sie deshalb spezielle Nahrungsergänzungsmittel, z. B. Proteine zum Muskelaufbau?

Nahrungsergänzung bei Handwerkern

Wie wichtig sind Nahrungsergänzungsmittel für körperlich teils schwer arbeitende Handwerker? Wir haben einen Mann gefragt, der es wissen muss: Dr. Matthias Riedl aus Hamburg gehört zu den besten deutschen Ernährungsmedizinern. In seinem aktuellen Buch „Iss dich gesund“ führt er aus, wie gesunde, vollwertige Ernährung gelingen kann und dass eine solche Ernährung viele Krankheiten vermeiden hilft.


Herr Dr. Riedl, brauchen körperlich arbeitende Handwerker Nahrungsergänzungsmittel?
Dr. Matthias Riedl: „Grundsätzlich benötigt diese Gruppe keine Nahrungsergänzungsmittel; wenn wenig Zeit ist, kann eine Mahlzeit auch einmal durch einen Protein-Shake ersetzt werden. Ansonsten reicht eine optimierte Mischkost aus, d. h., der Körper muss eine ausreichende Eiweißversorgung haben. Der Vorteil von Eiweiß: Es macht satt, idealerweise isst man es mit magendehnendem Gemüse und trinkt pro Tag 0,03 Liter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht. Zu viel zu essen macht hingegen dick und fördert Diabetes, andauerndes Snacking ist Gift für den Körper und die Figur. Leider müssen Handwerker vielen Snack-Versuchungen widerstehen, da sie oft an Kiosken und Imbissen Nahrung kaufen. Mein Tipp: Man sollte immer eine Handvoll Nüsse wie Mandeln oder Kürbiskerne im Auto haben, die sind gesund und ein wertvoller Eiweißlieferant. Auch ein Müsliriegel ist okay, man sollte allerdings auf den Zuckergehalt achten.“


Was ist die Kernaussage Ihres Buches „Iss dich gesund“?
Dr. Riedl: „Die Kernaussage ist, dass man sich mit gesunder Ernährung viele Krankheiten vom Leib halten kann. Falsches Essen, ständiges Essen und übermäßiges Essen hingegen sind für viele Krankheiten verantwortlich – Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetes, Gelenkprobleme und vieles mehr. Leider neigen viele Menschen zum ständigen Snacking, sie essen den ganzen Tag irgendetwas – und werden dadurch dick. Wir wissen heute: Auf lange Sicht, also 20–30 Jahre, macht Übergewicht fast hundertprozentig krank. Und das passiert so: Immer dann, wenn wir etwas zu uns nehmen, ruft dies das Immunsystem auf den Plan. Es ist durch ständiges Essen also immer in Alarmbereitschaft. Dadurch entstehen Entzündungen, z. B. an Gelenken oder im Darm. Auch das Demenzrisiko steigt; so sind ständige Entzündungen auch an der Entstehung von Parkinson beteiligt.“


Wie sieht aus Ihrer Sicht eine tägliche gesunde Ernährung für Handwerker aus?
Dr. Riedl: „Man sollte entzündungsfördernde Nahrungsmittel meiden; also die Menge an Wurst, rotem Fleisch und säurefördernde Ernährung reduzieren. Stattdessen sollten viel Gemüse, gute Fette wie Leinöl oder aus Nüssen und fettarmes Eiweiß aus beispielsweise Pute oder Hühnchen auf dem Speiseplan stehen. Käse ist besser als Wurst, so hat ein Harzer Käse beispielsweise viel Eiweiß.“


Wie kann das dann ganz praktisch im Alltag aussehen?
Dr. Riedl:
„Mein Tipp: Gewöhnen Sie sich an, Äpfel, Biomöhren, Radieschen und anderes Gemüse in die Butterbrotdose zu legen. 500 Gramm Gemüse sind das Optimum. Denn Gemüse stärkt die Kraft, es hat ausreichend Kohlenhydrate und Vitamine. Beim Brot gilt: Weizenbrötchen sind tabu, besser zu Vollkornbrötchen greifen. Süße Cola mit viel Zucker belastet den Körper immens; sie sollte komplett gestrichen werden. Wenn man Smoothies mag, sollten diese einen hohen Gemüseanteil haben, auf jeden Fall muss dieser höher sein als der Fruchtanteil. Denn Fructose kann auch dick machen und die Leber stark belasten.“


Benötigen Handwerker verstärkt Eiweiß?
Dr. Riedl: „Generell kann man sagen, dass Handwerker mehr Eiweiß benötigen als Schreibtisch-Arbeiter. Daher ist eine Handvoll Nüsse pro Tag ratsam – sie gelten als echte Medizin, es müssen aber unbehandelte aus dem Bioladen sein. Fazit: Wenn man sich so ausgewogen wie beschrieben ernährt, braucht man keine Nahrungsergänzungsmittel. Es sei denn, man lebt vegan, dann muss man dauerhaft das Vitamin B12 und auch Vitamin D in Tablettenform zu sich nehmen.“

 

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