Betriebliches Gesundheitsmanagement zur Ernährung

Sabine Lacour, Diplom-Ökotrophologin und Ernährungsberaterin aus Köln, führt im Auftrag der IKK classic betriebliches Gesundheitsmanagement zum Thema Ernährung in Handwerksbetrieben durch. In profil verrät sie, wie sie praktisch dabei vorgeht.

„Ich will niemandem die Wurst vom Brot nehmen“

Chefs von Handwerksbetrieben im Auftrag der IKK classic dabei zu helfen, ihren Mitarbeitern ausgewogene Ernährung näherzubringen, ist ihr täglich Brot: Die Kölner Ernährungsberaterin Sabine Lacour verrät im Interview, wie sie praktisch dabei vorgeht.


Frau Lacour, wie sieht Ihr betriebliches Gesundheitsmanagement zur Ernährung praktisch aus, wenn Sie in die Betriebe gehen? Was machen Sie konkret vor Ort?
Sabine Lacour: „Zuerst überlegen die Teilnehmer, was genau sie an Ernährung interessiert. Sie schreiben auch auf, was sie gestern gegessen haben. Dann bespreche ich mit ihnen die sogenannte Ernährungspyramide, die alle essentiellen Nährstoffe im richtigen Verhältnis veranschaulicht, die man täglich zu sich nehmen sollte. Nachdem wir die Ernährungspyramide besprochen haben, versuchen die Teilnehmer, ihr Essen vom Vortag in die Pyramide einzutragen. Wir überlegen weiter, was außerdem zum Essen noch dazugehört. So ‚antiquierte‘ Dinge wie langsam essen, gut kauen, beim Essen sein (ohne Handy heute, früher ohne Zeitung, ohne TV), Ruhe gehört dazu, Gesellschaft, ein schön gedeckter Tisch und so weiter. Als ,Hausaufgabe‘ sollen die Teilnehmer ihr Ernährungsverhalten eine Zeitlang beobachten.“


Wie geht es dann weiter?
Lacour: „In der zweiten Einheit besprechen wir die Beobachtungen und versuchen, daraus konkrete Änderungswünsche abzuleiten. Jeder Teilnehmer nimmt sich ein Vorhaben als ,Veränderungswunsch‘ mit. Zusätzlich wird ein kleines Buffet für die letzte Stunde geplant. Nachdem in der letzten Stunde die Erfolge besprochen wurden, wird überlegt, wie der Betrieb bei einer Ernährungsumstellung behilflich sein kann. Das Buffet wird zum Abschluss gemeinsam verzehrt. Zusätzlich versuche ich alle Fragen, die die Teilnehmer haben, zu beantworten. Von Interesse sind da z. B. Ernährung und Sport (Muskelaufbau), Zusatzstoffe in Fertigprodukten, schnelle Küche, Nachhaltigkeit.“


Wie begeistert man bodenständige Handwerker, die ungerne von ihrer Currywurst lassen wollen, für gesunde Mahlzeiten?
Lacour: „Es ist wie immer, die Betriebe, die sich melden, haben bereits Interesse. Es ist nicht rein eine Initiative des Chefs, sondern mit den Mitarbeitern abgeklärt, ob das Interesse da ist. Und, ehrlich gesagt, wir wollen niemandem die Wurst vom Brot nehmen. Es geht darum, ein Bewusstsein zu entwickeln und seine Ernährung schrittweise zu verbessern. Eine Currywurst lässt niemanden tot vom Stuhl fallen. Die Menge macht das Gift.“


Wie begegnet man Ihnen in den Betrieben – sind Sie als Ernährungsberaterin vor Ort ein gern gesehener Gast?
Lacour:
„Selten ist es anders. Die Mitarbeiter kommen freiwillig zum Ernährungstraining. Ich bin oft erstaunt, wie viel die Teilnehmer wissen und auch bereits umgesetzt haben. Vor allem, wenn Menschen Eltern werden, interessiert sie das Thema Ernährung (und Nachhaltigkeit) besonders. Sie sind bereit, sich auf etwas Neues einzulassen, da sie die besten Bedingungen für ihre Kinder schaffen wollen. Das ist beim Trockenbauer nicht anders als beim Optiker.“

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