Start in ein gesundes Arbeitsleben

Früh übt sich, wer ein Meister werden will – gerade in puncto Gesundheit, findet Frank Klingler, Leiter des Referats „Betriebliche Gesundheitsförderung“ bei der IKK classic. Trainer gehen daher in Berufsschulen und Betriebe, um Azubis für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren.

Start in ein gesundes Arbeitsleben

Herr Klingler, als Gesundheitsmanager bei der IKK classic sind Sie der richtige Ansprechpartner für diese Frage: Wie steht es um die Gesundheit von Auszubildenden?

Frank Klingler: Deutschlands Azubis sind recht fit und gesund. Der durchschnittliche Krankenstand von jungen Erwachsenen unter 20 Jahren, die bei der IKK classic versichert sind, liegt bei 2,3 Prozent – und ist damit knapp halb so hoch wie der Krankenstand aller Versicherten mit fünf Prozent. Fakt ist, dass wir trotzdem mehr Krankmeldungen von jungen Menschen bekommen: In unseren Erhebungen haben wir festgestellt, dass jüngere Versicherte häufiger krank sind als ältere Menschen, aber dafür schneller gesund werden.


Woran liegt das?

Klingler: Manch ein Chef vermutet ja gern mal, dass der Azubi zu lange gefeiert hat. Aber das ist reine Spekulation. Schaut man sich die Zahlen genauer an, stellt man fest, dass die meisten Fehltage von Azubis durch Erkrankungen der Atemwege wie Erkältungen oder grippale Infekte entstehen, sie machen rund 25 Prozent der Fehlzeiten aus. Das sind Krankheiten, die häufig auftreten – insbesondere dann, wenn das Immunsystem noch nicht gefestigt ist –, aber auch schnell überwunden sind. Ältere Versicherte leiden vor allem unter Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems wie Rückenbeschwerden und benötigen hierfür eine längere Regenerationszeit.

Chefs können bei jungen Menschen das Fundament für ein gesundes, langes (Arbeits-) Leben legen.

Von welchen Beschwerden sind Azubis noch betroffen?

Klingler: An zweiter Stelle nach den Atemwegserkrankungen stehen Verletzungen und Vergiftungen. Wir wissen aber, dass es sich dabei in der Regel um Sport- und Freizeitverletzungen handelt – nicht um Betriebsunfälle. Letztere gibt es natürlich auch; der Anteil an Sport- und Freizeitunfällen ist aber deutlich größer.


Sie haben festgestellt, dass Azubis vergleichsweise fit sind. Warum ist es dennoch wichtig, gerade diese Zielgruppe für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren?

Klingler: Früher sind Betriebsinhaber davon ausgegangen, dass Azubis noch jung und unverbraucht sind und deshalb keine Gesundheitsförderung brauchen. Doch das Denken ändert sich in vielen Betrieben allmählich: Den Chefs wird klar, dass man gerade bei jungen Menschen das Fundament für ein gesundes, langes (Arbeits-)Leben legen kann, da viele Verhaltensmuster noch nicht so eingeschliffen sind wie bei älteren Menschen. Beispiel Rückengesundheit: Wenn Azubis früh einen guten Umgang mit ihrem Rücken lernen, etwa durch die richtige Sitzhaltung am Schreibtisch, beugen sie späteren Rückenschmerzen vor. Wenn wir dazu auch noch zu den Themen Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung schulen, können wir die Leistungsfähigkeit bis weit ins Rentenalter erhalten.

Schutz für Azubis

Die meisten Jugendlichen, die eine Lehre beginnen, sind noch unter 18 Jahre alt und dürfen daher nur in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden. Einen Überblick über die Rechte und Pflichten von Azubis bietet die Broschüre „Ausbildung & Beruf“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zum Download geht es hier!

Welche Trainings bietet die IKK classic an und an wen richten sich diese?

Klingler: Wir gehen in Berufsschulen und überbetriebliche Ausbildungsstätten, auf Wunsch aber auch in große Betriebe, um Trainings durchzuführen. Diese bieten wir zu den Themen Ernährung, Stressbewältigung, Prüfungsvorbereitung, Gesundheit, Bewegung und Sozialkompetenz an. Die Workshops dauern mindestens zwei Schulstunden. Neben diesen einzelnen Einheiten ist es aber auch möglich, dass unsere Trainer ein größeres Projekt einer Klasse begleiten. So haben wir bereits mit einer Tischler-Klasse ein Jahr lang ein betriebliches Gesundheitsmanagement entwickelt. Wichtig ist uns, dass die Programme lange nachwirken.

Das Motiv zeigt eine Grafik zum Thema Krankschreibungen

Infografik: © Klaus Niesen

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Bildnachweis Header: © Tetra Images/Getty Images

 


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