Mit Arbeitsunfällen richtig umgehen

Trotz aller Vorsicht lassen sich Unfälle bei der Arbeit oft nicht vermeiden. Was im Ernstfall zu tun ist und was Arbeitgeber zusätzlich für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter tun können, erklärt Eberhard Ziegler von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Mit Arbeitsunfällen richtig umgehen

Herr Ziegler, bei einem Arbeitsunfall besteht Versicherungsschutz. Doch wann ist ein Unfall ein Arbeitsunfall?
Eberhard Ziegler: Ein Arbeitsunfall ist dadurch definiert, dass der Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit passiert ist und die oder der Betroffene zum Kreis der versicherten Personen gehört. Das sind zum Beispiel Beschäftigte, Kita-Kinder, Studierende und viele ehrenamtlich Tätige.


Was sind klassische Beispiele für Fallstricke bei der Interpretation?
Ziegler: Klassische Beispiele für eine Abgrenzung, die oft nicht beachtet wird, sind die Pausen. So steht die Raucherpause nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Bei der Mittagspause ist der Weg in die Kantine versichert, das Essen selbst aber nicht. Das gilt als sogenannte „eigenwirtschaftliche Tätigkeit“.


Was ist mit Unfällen auf dem Weg zur Arbeit?
Ziegler: Der Weg zur Arbeit und wieder zurück nach Hause ist versichert. Das gilt auch für Fahrgemeinschaften. Der Versicherungsschutz gilt allerdings nicht, wenn Sie vom Weg abweichen, um noch rasch einzukaufen.

Wichtig: Gefährdungs- beurteilung!

Warum ist der Durchgangsarzt nach einem Arbeitsunfall Pflicht?
Ziegler: Die gesetzliche Unfallversicherung verfügt über ein eigenes Heilverfahren. Es dient dazu, eine möglichst effektive Behandlung und Rehabilitation nach einem Arbeitsunfall sicherzustellen. Die Durchgangsärzte – in der Regel ausgebildete Unfallmediziner – haben eine Art Lotsenfunktion. Sie entscheiden, welcher Behandlungsweg eingeschlagen werden soll.


Gibt es Schmerzensgeld beim Arbeitsunfall?
Ziegler: Grundsätzlich sind alle Ansprüche, die Beschäftigte aufgrund von Arbeitsunfällen gegenüber dem Arbeitgeber oder gegenüber Kolleginnen und Kollegen geltend machen könnten, durch die Leistungen der Unfallversicherung abgedeckt. Dafür spielt im Gegenzug auch die Verschuldensfrage keine Rolle. Zudem zahlt allein der Arbeitgeber die Beiträge zur Unfallversicherung. Ausnahme: Bei Wegeunfällen können Versicherte, die durch andere Verkehrsteilnehmer geschädigt worden sind, diese auf Schmerzensgeld verklagen, ohne dass dies ihre Ansprüche gegenüber der Unfallversicherung mindert.


Welche Leistungen erbringt die gesetzliche Unfallversicherung?
Ziegler: Die gesetzliche Unfallversicherung erbringt alle Leistungen aus einer Hand. Das reicht von der medizinischen Akutbehandlung über die Rehabilitation bis zur beruflichen und sozialen Wiedereingliederung. Zu den finanziellen Leistungen zählen zum Beispiel das Verletztengeld, Rentenzahlungen, aber auch die Kosten für einen Fahrzeug- oder Wohnungsumbau, wenn dies nach einer schweren Verletzung mit bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen nötig werden sollte.


Wie lassen sich Arbeitsunfälle vermeiden?
Ziegler: Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu gewährleisten. Ein zentrales Instrument dazu ist die Gefährdungsbeurteilung, die der Arbeitgeber für jeden Arbeitsplatz erstellen muss. So lässt sich feststellen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich sind. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beraten und unterstützen den Arbeitgeber dabei mit allen geeigneten Mitteln.

Arbeitsunfall – was nun?

Das richtige Vorgehen, wenn es passiert ist

Nachdem der Verletzte versorgt wurde, muss zuerst der Arbeitgeber aktiv werden und den Unfall der zuständigen Berufsgenossenschaft melden. Und das innerhalb von drei Tagen. Dafür gibt es das Formular „Unfallanzeige“ der Berufsgenossenschaft. Werden Unfallverletzte mit dem Rettungsdienst in ein Krankenhaus transportiert, dann muss auch der Rettungsdienst darüber informiert werden, dass die Verletzungen bei einem Arbeitsunfall entstanden sind. Tipp: Viele Berufsgenossenschaften bieten die Möglichkeit, Unfälle auch online auf ihrer Homepage anzuzeigen.

Ist kein Krankenhausaufenthalt notwendig, müssen Unfallverletzte nach einem Arbeitsunfall von einem sogenannten Durchgangsarzt behandelt werden. Durchgangsärzte sind Fachärzte, die zusätzlich eine unfallmedizinische Ausbildung absolviert haben. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Verletzung zu einer Arbeitsunfähigkeit führt oder die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert.

Auch wenn sich herausstellt, dass die Unfallfolgen weniger schwer sind als befürchtet, muss das Ereignis dokumentiert werden und ins Verbandbuch oder „Pflasterbuch“ eintragen werden. Das ist wichtig, damit Ihr Mitarbeiter einen Nachweis hat, falls sich später doch noch Unfallfolgen einstellen. Denn nur wenn der Unfall dokumentiert ist, besteht für Arbeitgeber und Betroffene ein Anspruch auf Leistungen. Deshalb sollten Sie das Verbandbuch auch lange – vorgeschrieben sind mindestens fünf Jahre – aufbewahren.

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