BGM – das Plus zum Arbeitsschutz

Die Gefährdungsbeurteilung ist eine wichtige Säule des Arbeitsschutzes und Pflicht für den Arbeitgeber. Im Vorteil ist, wer betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) betreibt: Ergebnisse daraus können unter Umständen auch für die Analyse belastender Arbeitsbedingungen relevant sein.

BGM – das Plus zum Arbeitsschutz

Welche Arbeitsbedingungen herrschen im Betrieb vor – und welche davon stellen ein Unfall- oder Gesundheitsrisiko für die Beschäftigten dar? Auf diese Fragestellung hin muss jeder Arbeitgeber sein Unternehmen unter die Lupe nehmen. Potenzielle Gefährdungen variieren nach Gewerk und Betrieb.

In einer Schlosserei etwa könnte unter anderem Maschinenlärm auf Dauer zu Schwerhörigkeit führen, herunterfallende Teile könnten Fußverletzungen hervorrufen, eine ungünstige Körperhaltung könnte die Wirbelsäule schädigen. Maßnahmen zur Eindämmung des Lärmpegels wären zum Beispiel Gehörschutz sowie Veränderungen an Maschinen oder der Raumakustik.

Moderierte Verfahren wie den Gesundheitszirkel nutzen.

„Eine umfassende Gefährdungsbeurteilung beugt der Arbeitgeberhaftung bei Unfällen oder Berufskrankheiten der Mitarbeiter vor“, sagt Stefan Ammel, Leiter des Referats „Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren“ bei der IKK classic. „Für den Arbeitgeber ist erst einmal die juristische Sicherheit wichtig. Gleichzeitig bietet die durchgeführte Gefährdungsbeurteilung viele Ansatzpunkte zur Implementierung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Denn Gesundheit und Produktivität der Beschäftigten können mit BGM-Aktivitäten deutlich gesteigert werden.“

Neben technischen, räumlichen, akustischen, optischen und klimatischen Bedingungen sind psychische Belastungen Teil der Gefährdungsbeurteilung. Hier geht es nicht um die psychische Verfassung einzelner Beschäftigter, sondern um mögliche Auswirkungen von konkreten Arbeitsbedingungen auf die Belegschaft. Da komme BGM ins Spiel, wie Ammel schildert: „Wer ein BGM durchführt, kann Ergebnisse daraus für die Gefährdungsbeurteilung nutzen.“

Denn das ganzheitliche Vorgehen beim BGM umfasse auch psychische Belastungen, allen voran Stressfaktoren im Betrieb – und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen. „Um Aspekte der psychischen Belastung zu bestimmen, nutzen unsere erfahrenen Trainer zum Beispiel moderierte Verfahren wie die Arbeitssituationsanalyse oder den Gesundheitszirkel.“

Druckauslöser ermitteln

Mit gezielten Fragen zur Einschätzung von Arbeitssituation und Verbesserungswünschen ermittele man relevante Drucksituationen: etwa Ungenauigkeiten bei der Arbeitsorganisation, fehlende Kommunikation unter Kollegen, Unzufriedenheit mit der Verteilung der Urlaubstage im Team oder Demotivation durch Feedback des Chefs, das vermeintlich wie Kritik klingt.

Bei der Beurteilung solcher Situationen seien stets zwei Fragen relevant, sagt Ammel. Erstens: Sind Arbeitsbedingungen organisatorisch-technisch so zu ändern, dass sich Stress reduziert? Zweitens: Lassen sich eigene Fähigkeiten im Umgang mit Druck und Stress verbessern, etwa durch optimiertes Zeitmanagement oder Entspannungstechniken? „Wir als Krankenkasse können nicht beurteilen, ob die Belegschaft am Arbeitsplatz die richtigen Schuhe trägt oder das Licht optimal eingestellt ist“, hebt Ammel hervor. „Unsere Kompetenz liegt in der Ausgestaltung der Schnittstelle von BGM und Arbeitsschutz. Dahingehend können wir kompetent beraten.“

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Schritt für Schritt im Überblick

Quelle: GDA Arbeitsprogramm Psyche, Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, 3. überarbeitete Auflage, Nov. 2017. Download hier! Weitere Info hier!

Bedingungen schaffen – Akteure sensibilisieren, Basiswissen aneignen, interne oder externe Experten mit Fachkenntnissen einbeziehen (zum Beispiel eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, den Betriebsarzt, den zuständigen Unfallversicherungsträger, die staatliche Aufsichtsbehörde), Methoden festlegen und gegebenenfalls ausprobieren, Beschäftigte involvieren

Tätigkeiten und Bereiche im Betrieb festlegen, die beurteilt werden sollen (zum Beispiel Schlosserei – schweißen, fräsen; Verwaltung – Kundenberatung; Lager – Disposition)

Psychische Belastung infolge der Arbeiten ermitteln (nach Bestandsaufnahme, zum Beispiel durch Mitarbeiterbefragungen, moderierte Workshops)

Psychische Belastung infolge der Arbeiten beurteilen

Gegen-, Eindämmungs- und Verhinderungsmaßnahmen entwickeln und umsetzen

Wirksamkeit der Maßnahmen kontrollieren

Ermittlung, Beurteilung und Maßnahmen stets aktualisieren (zum Beispiel bei Änderungen der Gegebenheiten oder neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen) beziehungsweise fortschreiben

Alle zuvor genannten Schritte dokumentieren und Datum der Zusammenstellung festhalten. Form (Papier, digital) und Umfang sind nicht vorgeschrieben.

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