Arbeitsunfähig: wann Arbeitgeber zahlen müssen

Fällt ein Mitarbeiter krankheitsbedingt für längere Zeit aus, kann dies gerade für kleine Betriebe zur Belastungsprobe werden. Denn nicht nur die Arbeitskraft fehlt, sondern auch das Gehalt muss zunächst weitergezahlt werden. Doch welche Rechte und Pflichten haben eigentlich Arbeitgeber?

Arbeitsunfähigkeit: wann Arbeitgeber zahlen müssen

„Der gesetzliche Anspruch auf Entgeltfortzahlung beträgt sechs Wochen. Eine längere Entgeltfortzahlung kann im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag geregelt werden“, erklärt Daniela Kofferath, Leiterin Referat Geldleistungen bei der IKK classic.

Anspruch haben grundsätzlich alle Arbeitnehmer und Auszubildenden, die länger als vier Wochen in einem Unternehmen angestellt sind. „Auch während medizinisch notwendiger Vorsorge- und Reha-Maßnahmen besteht ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung“, sagt Kofferath.

Kein Anspruch besteht, wenn die Arbeitsunfähigkeit selbstverschuldet ist – also infolge leichtfertigen, grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Verhaltens. „Wann ein Selbstverschulden vorliegt, muss im Einzelfall geprüft werden“, sagt Kofferath. „Keinen Anspruch auf Krankengeld haben zudem Arbeitnehmer, die einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgehen. Auch bei befristeten Beschäftigungen unter zehn Wochen besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Krankengeld.“

Das Krankengeld soll das Einkommen ersetzen.

Etwas komplizierter wird es, wenn der Arbeitnehmer wiederholt arbeitsunfähig wird. Hier muss unterschieden werden, ob die erneute Arbeitsunfähigkeit auf derselben Krankheitsursache beruht oder eine neue Erkrankung vorliegt. Kofferath erklärt: „Wenn zwischen der aktuellen Erkrankung und den früheren Arbeitsunfähigkeitszeiten kein Zusammenhang besteht, ergibt sich ein neuer Anspruch auf sechs Wochen Entgeltfortzahlung.“

Bei wiederholter Arbeitsunfähigkeit aufgrund derselben Erkrankung ist innerhalb eines Zeitjahres (Zwölf-Monats-Frist) grundsätzlich nur für insgesamt sechs Wochen (42 Kalendertage) Entgeltfortzahlung zu leisten. „Falls der Beschäftigte allerdings vor Beginn der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig war, besteht ein neuer Anspruch auf sechs Wochen Entgeltfortzahlung (Sechs-Monats-Frist)“, sagt Kofferath.

Die Prüfung, ob die erneute Arbeitsunfähigkeit auf derselben Ursache beruht, übernimmt die IKK classic für ihre Arbeitgeber. Liegen mehrere, potenziell anrechenbare Arbeitsunfähigkeitszeiten vor, können die Betriebe im Datenaustauschverfahren Vorerkrankungsanfragen an die IKK classic richten. Voraussetzung für die Anfrage im Datenaustauschverfahren ist, dass die Dauer der anzufragenden Vorerkrankungen insgesamt mindestens 30 Tage beträgt und zwischen den einzelnen Zeiten nicht mehr als sechs Monate liegen.

Bescheinigt der Arzt nach Ablauf der sechs Wochen weiterhin Arbeitsunfähigkeit, springt die Krankenversicherung ein. „Das Krankengeld soll das Einkommen ersetzen, das aufgrund der Arbeitsunfähigkeit verloren geht. Es beträgt in der Regel 70 Prozent des letzten Bruttogehalts, jedoch nicht mehr als 90 Prozent des Nettogehalts. Generell gilt ein täglicher Höchstbetrag“, erklärt Kofferath.

Noch mehr Informationen zum Thema Arbeitsunfähigkeit!

Hier erfahren Sie mehr zu den Themen Entgeltfortzahlung und Umlageverfahren! Mehr zum Thema „Betriebliches Eingliederungsmanagement“ gibt es auf dieser Unterseite der IKK classic und in diesem Bericht einer früheren profil-Ausgabe ! Und hier können Sie einen Bericht über das AU-Fallmanagement im Gesundheitsmagazin aktiv+gesund der IKK classic lesen!

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