Erfolgreicher Existenzgründer

Erst war es eine Leidenschaft, dann ein Zwei-Mann-Unternehmen. Heute leitet Heinz Tretter ein global aktives Unternehmen mit fast 40 Mitarbeitern.

Hoch hinaus

Vor vielen Jahren konzipierte Heinz Tretter aus dem bayerischen Lenggries einen Hochseilgarten für den Eigengebrauch. Heute betreibt er ein Unternehmen mit fast 40 Mitarbeitern. Seine einzigartigen Kletteranlagen liefert er in die ganze Welt.

 

 

Kurz zusammengefasst: Seine Leidenschaft fürs Skifahren brachte Heinz Tretter zu seinem heutigen weltweiten Erfolg. Spätestens als er seinerzeit ein Bauprojekt für einen Lift in einem Skiclub in seinem Wohnort begleitete, sprang der Funke über. Aber von vorn: Mit 27 Jahren gründete der 1974 geborene Zimmereimeister aus dem bayerischen Lenggries sein erstes eigenes Unternehmen. Neben seiner „Zimmerei Isarwinkel“ öffnete er 2001 ungefähr zur selben Zeit und in derselben Region gemeinsam mit einem Partner eine Skischule. „Die Zimmerei habe ich im Sommer betrieben, die Skischule im Winter“, berichtet der 44 Jahre alte Unternehmer. Für den ortsansässigen Skiclub begleitete er den Bau eines Sessellifts. In der Folge plante er eine eigene Hochseilanlage mit Kapazitäten für bis zu 120 Personen. Schon damals spürte der technische Betriebswirt also den Wunsch, hoch hinauszustreben. „2007 habe ich als neues Gewerbe einen Hochseilgarten in Isarwinkel in Eigenleistung gebaut“, sagt Tretter, der damit offensichtlich eine Marktlücke bediente: Aus dem Hochseilgarten wurde eine Attraktion, die schon im ersten Jahr rund 10.000 Besucher hatte.

Das Unternehmen aus Lenggries erstellt unter anderem Hochseilanlagen auf der ganzen Welt.

Heinz Tretter baut „Kristalltürme“.

© KristallTurm

​​

Mehr Erfolg, die nächste Gründung

Doch nicht nur für die Nutzung, sondern auch für den Bau von Hochseilkletteranlagen stieg der Bedarf, wie Tretter berichtet. „Wir hatten immer mehr Erfolg und konnten den Hochseilgarten schließlich im Sommer und Winter betreiben. Darauf sind Kunden aufmerksam geworden – und wollten dann auch einen Hochseilgarten haben.“ Also wagte der Zimmereimeister einen weiteren Schritt und meldete 2009 ein Gewerbe an, das er KristallTurm nannte. Der Name deutet nicht nur auf die ungewöhnliche sechseckige Bauweise der Anlagen hin, die inzwischen auf der ganzen Welt stehen und deren konzeptionelle Einzigartigkeit sich Tretter hat patentieren lassen. Er erinnert außerdem daran, dass die ebenso geformten Schnee- und Eiskristalle dem Unternehmer einst die Idee zum Erfolg brachten.

Video: "Kristalltürme" in der ganzen Welt

Ich habe mich
schlaugemacht.

Einzigartiges Konzept

„Ich habe mich damals bei der Industrie- und Handelskammer und auch bei der Handwerkskammer schlaugemacht, als mein Plan konkret wurde“, erinnert sich Tretter an die Anfänge. „Ich habe Infoveranstaltungen besucht, mich über Förderprogramme informiert und mein Netzwerk erweitert.“ Schon früh entwickelte er die ersten Marketingmaßnahmen und bemühte sich um Kunden – so erfolgreich, dass bereits ein Jahr nach der Gründung die ersten Auslandsaufträge eingingen. „Vieles hat sich auch herumgesprochen. Immerhin habe ich ein Nischenprodukt angeboten“, schildert der Inhaber. Auch heute noch ist sein Konzept einzigartig, wie er beschreibt, und damit etwas Besonderes auf dem Markt.

Unternehmen bietet Rundumdienstleistung

„Inzwischen bauen wir nicht mehr nur Hochseilgartenanlagen mit Mottokletterstationen, sondern auch Kletter- und Boulderwände, Spielplätze und Fitnessparcours“, sagt der erfolgreiche Gründer. Die von KristallTurm-Konstrukteuren geplanten Grundgerüste entstehen in der unternehmenseigenen Schlosserei, die hölzernen Elemente in der Zimmerei. Neben Planung und Bau bietet das Unternehmen zusätzlich unter anderem Erweiterungsoptionen, Beratung, Inspektion und Wartung an. „Dazu kommen Trainings, damit das Personal die Anlage richtig bedienen und die Gäste richtig betreuen kann.“ Und sogar bei einem Marketing- und Betriebskonzept steht das KristallTurm-Team seinen weltweit verstreuten Gewerbekunden auf Wunsch zur Seite.

Zu Beginn war der Respekt groß

„Eine der größten inhaltlichen Herausforderungen war für uns die Planung des Baukastensystems, das wir etablieren wollten“, erinnert sich Tretter an die Anfänge der Gründung von KristallTurm. Auch vor den bevorstehenden Ausgaben hatte er größten Respekt. „Alles in allem hat mich der Start gute 100.000 Euro gekostet, die ich in der Gründungszeit auch nicht durch Arbeit woanders verdienen konnte. Und von Marketing hatte ich damals ebenfalls keine Ahnung.“ Doch mit Zuschüssen – unter anderem mit einem Innovationsgutschein –, Seminaren und nicht zuletzt dank eigener, positiver Erfahrungen mit ihren Kunden sind Tretter und sein Team acht Jahre nach Unternehmensgründung längst mehrfach ausgezeichnete Profis.

Als Zwei-Mann-Firma gestartet

Die Expertise deckt auch die Vertriebspartnersuche und die Arbeitsrichtlinien im globalen Ausland ab. „Wir hatten das Glück, dass durch unser Nischenprodukt die Kunden fast von allein kamen. Zusätzlich haben wir uns auf Messen vorgestellt.“ KristallTurm beschäftigt derzeit 37 feste Mitarbeiter, hinzu kommen Subunternehmer und Zulieferer. „Gestartet sind wir 2010 als Zwei-Mann-Unternehmen“, sagt Tretter, dessen Erfahrungen auch mit der Erweiterung seines Unternehmens stetig wuchsen.

Das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Einsatz statt Stillstand

2017 baute Tretters Team die erste Hochseilanlage in Australien, aktuell entstehen zwei weitere, die in Shanghai und in Tel Aviv aufgebaut werden. „Dass wir unsere Anlagen auf der ganzen Welt bauen würden, hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt der Unternehmer. „Aber wenn man sich ein bisschen einsetzt, dann bleibt man auch nicht stehen.“ Bereut hat der Zimmereimeister seine Entscheidung nicht – auch, wenn er sehr viel zu tun hat und eine hohe Verantwortung trägt. Außerdem ist er rund um die Uhr verfügbar, denn seine Kunden leben in verschiedenen Zeitzonen. „Die Herangehensweise für das jeweilige Projekt ist immer anders und immer interessant.“

Verantwortung abzugeben muss man lernen

Und welchen Rat würde Tretter potenziellen Existenzgründern heute geben? „Auf alle Fälle einen Businessplan erstellen und alles vernünftig durchrechnen. Für die Termine bei der Bank und dem Steuerberater muss man gut vorbereitet sein. Und man muss sich klarmachen, dass man selbst und ständig arbeitet. Das wird besser, je mehr Mitarbeiter man einstellt – aber zu denen muss man Vertrauen haben und sie ihren Job machen lassen. Denn man kann nicht überall gleichzeitig sein und sollte auch nicht überall mitmischen. Verantwortung abzugeben ist als Inhaber sehr wichtig.“ Darüber hinaus empfiehlt Tretter, sich Experten hinzuzuholen, um korrekt und umfassend beraten zu werden. „Mir haben die Ansprechpartner bei der Handwerkskammer sehr geholfen. Hätte ich die ganzen Informationen über Anwälte und andere Dienstleister in Erfahrung bringen müssen, wäre das teuer geworden.“

So sehen die Anlagen aus

Passende Artikel
Handwerk
Ernährung
Fleischeslust mal anders

... im Fleischerhandwerk

Service
Führung
Arbeitsschutz - was ist das?

Alles rund um sichere Arbeitsbedingungen für Angestellte

Bildnachweis Header: © KristallTurm


Nächster Artikel

Von der Bank aufs Dach – Inga Hebborn bewies Mut.

mehr
Schornsteinfeger