Die Dreifach-Bildung

Ausbildung, Studienabschluss und noch den Meister in der Tasche – diesen Dreifach-Erfolg ermöglicht ein triales Studium. Wie das im Alltag aussieht und welche Chancen es birgt – darüber berichtet der 19-jährige Sören Eisenach, der darauf hinarbeitet, eines Tages das elterliche Dentallabor zu leiten.

Ausbildung mal drei

Sören Eisenach hat sich für ein triales Studium eingeschrieben.

Sören Eisenach hat sich für ein triales Studium eingeschrieben.

© Thomas Steinebach c/o di-base

Er machte von Beginn an Nägel mit Köpfen: 2016, mit 17 Jahren, erwarb Sören Eisenach sein Abitur. Sein nächstes Ziel hatte er bereits vor Augen, wie er im Rückblick schildert: „Ich wollte studieren. Jura. Aber während der Orientierungsveranstaltungen habe ich gemerkt, dass das Fach nicht zu mir passt.“ Stattdessen gefiel dem heute 19-Jährigen der Gedanke, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Die beiden Zahntechnikermeister leiten ein Dentallabor in Remscheid. „Wir leben fast im Labor, sind montags bis donnerstags von 7 bis 20 und freitags bis 18 Uhr dort. Zahnersatz fertigen wir bei Bedarf auch am Wochenende“, beschreibt Mutter Frauke Eisenach den Arbeitsalltag des Familienbetriebs, der in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen feiert.

Studium und Karriere im Handwerk?

Trotz seines Respekts vor der vielen Arbeit überzeugten Sören die Eindrücke vor Ort und auf Fortbildungen. Doch wie sollte er die notwendige Ausbildung und seinen Studienwunsch vereinen – und sich dabei Karrierechancen in Handwerk und Industrie offenhalten? Die Antwort: per trialem Studium (siehe Kasten unten). „Darauf hat mich die Handwerkskammer Düsseldorf gebracht“, sagt Sören. „Es gab die Möglichkeit, Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Handwerksmanagement zu studieren. Damit war für mich alles klar.“ Er schrieb sich an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach ein, entschied sich parallel für einen Kaarster Ausbildungsbetrieb. „Ich könnte Zahntechnik auch bei meinen Eltern lernen, aber ich will möglichst viele Erfahrungen sammeln“, sagt der Student, einer der jüngsten in seinem Studiengang. Dieser läuft aktuell im zweiten Jahrgang und wird nicht nur von trialen, sondern auch von dualen und klassischen BWL-Studenten besucht.

Wir haben Sören Eisenach begleitet.

Sohn Sören Eisenach, Moderator Ranga Yogeshwar sowie die Betriebsinhaber Frauke und Dirk Eisenach (v. l. ) bei der Preisverleihung des Top-100-Awards für Deutschlands innovativste Mittelständler.

Im Juni 2017 bekam der elterliche Betrieb Eisenach Dental-Technik als einziges Dentallabor in Deutschland den Top-100-Award für die bundesweit innovativsten Mittelständler - schon zum zweiten Mal. Von links: Sören Eisenach, Moderator Ranga Yogeshwar, Frauke und Dirk Eisenach.

© Veranstalter

Abiturienten strömen fast immer an die Hochschulen.

Fachpersonal dringend gesucht

„Für uns Zahntechniker ist es sehr schwer, Mitarbeiter zu bekommen. Abiturienten strömen fast immer an die Hochschulen, die ihnen theoretisches Wissen vermitteln“, schildert Frauke Eisenach. „Die Technisierung in unserem Labor erfordert aber handwerklich qualifiziertes Fachpersonal. Deswegen bin ich froh über die Chance, über das triale Studium Fachkräfte zu erreichen, die wir später sogar in der Führungsebene einsetzen können.“ Der Weg ist für Sören arbeitsintensiv: Montags bis mittwochs arbeitet er je acht Stunden als Lehrling im Ausbildungsbetrieb. Donnerstags besucht er die Berufsschule in Düsseldorf, freitags und samstags die Uni. In der verbleibenden Zeit lernt er für Klausuren – und eignet sich in einem Steuerbüro-Praktikum Buchführungskenntnisse an. „Die meisten anderen Studenten haben die schon. Der Dozent setzt das voraus. Da muss ich mich also selber reinarbeiten.“ Auch im elterlichen Betrieb arbeitet Sören mit, wenn es sein enger Zeitplan zulässt.

Konzept motiviert junge Leute

Etwa 280 Euro pro Semester kostet Sörens triales Studium, die übliche Studiengebühr vor Ort. Für sein WG-Zimmer zahlt er monatlich 220 Euro, erhält die übliche Azubi-Vergütung. Vier Studienjahre hat er noch vor sich – und bleibt angesichts des Lernpensums gelassen. „Ich habe die Abläufe noch gut aus der Schulzeit drin. Deswegen ist es gut, so früh mit dem trialen Studium anzufangen.“ Zudem zahle es sich für später aus. „Das Konzept ist eine tolle Variante, um junge Leute zu motivieren – auch mit Hauptschulabschluss“, ergänzt Frauke Eisenach, die als Mitglied bei den Unternehmerfrauen des Handwerks auch jenseits des eigenen Labors aktiv um Fachkräfte wirbt.

Triales Studium

Das triale Studium, entweder an einer staatlichen oder einer privaten (Fach-)Hochschule, kombiniert akademische und handwerkliche Ausbildung inklusive Meisterfortbildung. Letzteres unterscheidet es von einem dualen Studium. Abiturienten oder Fach-Abiturienten machen drei Abschlüsse, die sie nicht nur für den Handwerksberuf, sondern auch für Führungsaufgaben und Unternehmensgründung qualifizieren. Der Gesellenbrief im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung wird nach zweieinhalb statt, wie üblich, dreieinhalb Jahren erworben; im Anschluss folgt die Fortbildung zum Meister. Das betriebswirtschaftliche Bachelorstudium läuft parallel. Diese drei Bausteine nacheinander zu absolvieren, würde rund neun Jahre dauern. Derzeit bietet die Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach als deutschlandweit einzige staatliche Bildungseinrichtung ein triales Studium für Handwerksberufe an (reguläre Studienzeit: fünf Jahre). Die private, staatlich anerkannte Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ermöglicht das triale Studium an ihren beiden Standorten Hannover und Köln. Das Studium dauert zwischen fünf und sechseinhalb Jahren und kostet monatlich rund 550 Euro. Beratung bieten die zuständigen regionalen Handwerkskammern sowie die Partnerhochschulen (www.hs-niederrhein.de, www.fh-mittelstand.de). Weitere Infos unter www.trial-genial.de.

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