Stagnieren statt wachsen?

Der Betrieb von Philipp Klais ist Weltmarktführer. Dennoch hält der Orgelbauer nichts von einem weiteren Wachstum. Er stagniert lieber und ist damit erfolgreich.

Es geht auch ohne Wachstum

Erfolgreich stagnieren? Das beherrscht die Klais Orgelbau GmbH & Co. KG in Perfektion. Seit mehr als 130 Jahren zählt der Bonner Handwerksbetrieb nicht mehr als 70 Mitarbeiter. Vier Orgeln – an mehr Projekten arbeiten die Teams niemals gleichzeitig. Immerhin geht es um ein ganz besonderes Produkt: Klang.

 

Weltmarktführer – auf diesen Titel gibt Philipp Klais nicht besonders viel. „Dazu habe ich viel zu großen Respekt vor meinen fantastischen Mitbewerbern beziehungsweise Kollegen“, sagt der Geschäftsführer des Orgelbauers. „So eine Bezeichnung wird einem nachgetragen, weil man vielleicht gerade der größte Betrieb ist oder die spannendsten Projekte hat. Aber für objektiv halte ich sie nicht.

Wir sind sehr handwerksorientiert und bauen die Orgeln ganz individuell.

Tatsächlich gilt die Bonner Orgelwerkstatt in der Branche als Vorbild. Spannende Projekte können die rund 60 Mitarbeiter – darunter 14 Auszubildende – der Bonner Orgelwerkstatt jede Menge vorweisen. Ob im Pekinger Nationalen Zentrum für Darstellende Künste, in der Royal Opera in Maskat im Sultanat Oman, im Kölner Dom, in der neuseeländischen Auckland Town Hall, im Konzertsaal innerhalb der Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur oder in der Victoria Theatre and Concert Hall in Singapur: Die jeweilige Orgel fertigte das Team von Klais Orgelbau. Auf seine ganz eigene Weise.

 

Projekte in Taiwan, New York und Budapest

„Unsere Werkstatt gibt es seit 1882 und wird seit jeher in Familientradition geführt. Seit 1896 arbeiten wir unverändert am Standort, nicht in modernen Produktionshallen, sondern in vielen Werkstatträumen, wo die Mitarbeiter um einen großen Hof herum im Team die Instrumente fertigen“, sagt Klais. Aktuell bauen die Experten eine Orgel für das National Kaohsiung Center for the Arts in Taiwan und eine für die St. James the Less Episcopal Church in Scarsdale, New York. Zwei weitere Projekte sind in Bergheim bei Salzburg und in Budapest lokalisiert.

„Wir sind sehr handwerksorientiert und bauen die Orgeln ganz individuell.“ Die Devise: nicht nur die Ohren eines kleinen, spezialisierten Kreises erfreuen, sondern einen großen Kreis an Menschen mit authentischem Klang erreichen und berühren, in jeder Kultur, in jedem Umfeld.

Wachstum an sich halten wir nicht für schlecht. Aber für unsere Werkstatt ist unsere Größe perfekt.

„Das bewegt uns und treibt uns an, wäre aber bei mehr als vier Projekten gleichzeitig nicht mehr umsetzbar. Schließlich gibt es nicht das optimale Instrument, das wir einmal entwickeln und dann an jeden Kunden liefern können“, schildert Klais. Und seinen Betrieb zum Zwecke einer höheren Auftragszahl auszuweiten, sei für ihn schlicht keine Option. „Wir bleiben konsequent. Wachstum an sich halten wir nicht für schlecht. Aber für unsere Werkstatt ist unsere Größe perfekt. Sie gibt uns die Chance, kleine, große und auch komplexe Projekte zu stemmen – auf der ganzen Welt.“

 

Kooperationen sichern die Auftragslage

Dass der Betrieb Kundenanfragen ablehnt, passiere selten. „Im Zweifel bewerben wir uns nicht auf eine Ausschreibung. Aber wenn wir an einem Wettbewerb teilnehmen, tun wir alles, um ihn zu gewinnen.“ Sollten die Kapazitäten nicht ausreichen, gebe es für diese Herausforderung Lösungen, schildert Klais. „Man kann das Instrument zum Beispiel in Etappen realisieren. Oder den Zeitpunkt der Fertigstellung verschieben. Wir hatten einmal so einen Fall. Verschieben wollte der Auftraggeber nicht, also haben wir mit einem Berliner Betrieb kooperiert. Solche Kooperationen sind allein wegen des Erfahrungsaustauschs für uns sehr wertvoll.“

Man müsse also nicht zwingend wachsen, um erfolgreich zu sein, auch wenn dies in Lehrbüchern als das Ideal gelte. „Wir wollen kein Konzern werden, sondern weiterhin in familiärem Miteinander arbeiten. Vor diesem individuellen Hintergrund bedeutet Wachstum für unsere Werkstatt keinen erstrebenswerten Fortschritt.“

 

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