Gesund wachsen

Wachstum ist nicht gleich Wachstum. Betriebe, die sich vergrößern wollen, sollten bestimmte Regeln befolgen. Nur wer gesund wächst, garantiert eine nachhaltige Steigerung des Gewinns.

Wachsen? Ja, aber gesund!

Spätestens, wenn die Nachfrage steigt und die Aufträge merklich mehr werden, stellt sich für Betriebsinhaber die Frage: „Wollen wir wachsen?“ Die Entscheidung ist nicht leicht – denn wer sich vergrößert, muss nicht nur die eigenen Zahlen, sondern auch Zukunftstrends und Ziele fest im Blick haben.

Den Betrieb vergrößern – bevor sich Inhaber mit der Umsetzung dieses Ziels befassen, muss die Frage geklärt werden: Was bedeutet eigentlich „Wachstum“? „Es gibt mehrere Möglichkeiten“, erklärt Expertin Claudia Schulte, die bei der Handwerkskammer Düsseldorf die Betriebswirtschaftliche Unternehmensberatung leitet. „Wachstum kann, muss aber nicht zwingend die Vergrößerung der Belegschaft bedeuten. Nachfrage- und Umsatzwachstum allein ist auch noch kein Zeichen von Erfolg. Die Rendite muss dem folgen. Wachstum kann genauso durch eine Ausweitung der Produkt- oder Dienstleistungspalette entstehen wie durch Optimierung oder Spezialisierung.“

Manche Betriebe wachsen bewusst und planvoll, um sich eine bestimmte Marktposition zu erarbeiten.

Egal, welches Szenario: Vorgaben, wann oder für welche Art oder Größe eines Betriebes Wachstum angemessen oder gar vorgeschrieben wäre, gibt es nicht. „Manche Betriebe wachsen bewusst und planvoll, um sich eine bestimmte Marktposition zu erarbeiten.“ Wachstum im Handwerk sei aber auch oft eine Reaktion auf steigende Nachfrage – stetig oder plötzlich, etwa dank eines Großauftrags als Initialzündung. „Wenn man dann merkt, wie die personellen, technischen und räumlichen Kapazitäten an Grenzen stoßen, kommt automatisch die Frage: wachsen oder nicht? Man will ja den Qualitätsanspruch halten.“

Wachstumsbranche Handwerk
Das Abc des Wachsens

Betriebswachstum kann einfach sein, wenn Unternehmer bestimmte Regeln befolgen. Hier sind die besten Tipps auf einen Blick ...

© Gary Waters/Getty Images

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Unternehmerische Strukturen anpassen

Gerade wenn unverhofftes Wachstum den Betrieb zu überrollen droht. Aber auch bei geplantem Wachstum sei es wichtig, die unternehmerischen Strukturen anzupassen, schildert Schulte. „Das bezieht sich unter anderem auf die Organisation der Abläufe in der Firma, das Controlling, die verfügbaren Fachkräfte sowie die technische und die räumliche Ausstattung.“

Besonders wichtig seien klar geregelte Aufgaben und Prozesse sowie eine effiziente Führungsstruktur in allen Bereichen der Unternehmensführung. Nicht zu vergessen: Wer wachsen will, braucht Kapital, mehr Umsatz fordert meist einen größeren Vorfinanzierungsspielraum (siehe Kasten).

Entwickelt sich der Umsatz in anderen Dimensionen, empfiehlt sich externer Rat.

Doch wie soll ein Betrieb das alles stemmen, zusätzlich zur Bedienung der hohen Auftragslage? „Entwickelt sich der Umsatz in anderen Dimensionen, empfiehlt sich externer Rat“, sagt Schulte. Allein dass sich Betriebsinhaber Freiraum schaffen, um Ausgangslage, Ziele und mögliche Maßnahmen zu betrachten, sei schon hilfreich – zusätzlich zur Tatsache, dass jemand mit geschultem Blick die Pläne hinterfrage. „Nichts anderes machen Gründer mit ihrem Businessplan.“ Die Belegschaft einzubinden, sei ebenso ratsam. „Die Mitarbeiter in unseren Handwerksbetrieben sind in der Regel nah am Kunden, kennen die täglichen Abläufe und haben tolle Optimierungsideen“, sagt Schulte. „Das wird nicht immer so genutzt, ist aber nicht zu unterschätzen.“

 

Viele warten zu lange, bis sie Hilfe holen 

Nach Erfahrung der Handwerkskammer Düsseldorf, die als ein möglicher externer Partner Betriebsinhabern mit Wachstumsplänen zur Seite steht, warten viele Firmen zu lange, bevor sie sich einen Berater ins Haus holen. „Wir werden oft erst gerufen, wenn sich der Betrieb in finanzieller Schieflage befindet, trotz voller Auftragsbücher. Mangelnde Strukturen kosten sehr viel Geld. Am besten rechnet man einmal anhand der eigenen Gewinnquote hoch, wie viel Mehrumsatz abzuwickeln ist, um nur einen verlorenen Euro Gewinn aufzuholen.“ Mit oder ohne Unterstützung von außen – gesundes Unternehmenswachstum braucht Zeit für strategische Planung.

WachstumsWerkstatt

Um das Jahr 2000 rief die Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf die WachstumsWerkstatt ins Leben, die später dank Förderung des Landes überregional ausgeweitet wurde. Dabei betreut die HWK eine Gruppe von 10 bis 14 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen ein Jahr lang theoretisch und praktisch in den Kernfeldern der Unternehmensführung (Unternehmerpersönlichkeit, Controlling, Strategie, Marketing, Personal). Neben ein- bis zweitägigen Workshops gibt es Umsetzungsbegleitung vor Ort sowie Erfahrungsaustausch unter den Betrieben. Abzüglich der Zuschüsse kostet ein Jahr WachstumsWerkstatt mindestens 3.000 Euro. Derzeit pausiert die Initiative, ein Antrag zur Weiterführung läuft.

Wer wächst, hat Pflichten

Möchten Arbeitgeber ihren Betrieb erweitern, müssen sie zahlreiche Regelungen einhalten. Was Sie rechtlich wissen müssen, wenn Ihr Betrieb wächst, erfahren Sie in der folgenden Bildergalerie. Klicken Sie sich durch Ihre Wachstumspflichten:

Noch mehr Infos

Mehr zum Thema Pflichten bei Betriebswachstum erfahren Sie hier

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