Gesundes Führen lernen

Ob Mitarbeiter leidenschaftlich gern ihre Aufgaben erfüllen oder nur widerwillig zur Arbeit erscheinen Sie haben es in der Hand. Um seine Belegschaft mit der richtigen Laune "anzustecken", sollten Inhaber einige Tipps befolgen.

Mehr Lob für ein prima Klima

Chefs haben bei ihren Mitarbeitern oft einen schweren Stand. Sind sie zu nett, besteht die Gefahr, dass ihre Angestellten das lockere Arbeitsklima ausnutzen und auf Sparflamme arbeiten. Zeigen sie zu viel Strenge, kann die Atmosphäre ebenfalls umschlagen: Die Mitarbeiter kommen mit Bauchschmerzen ins Büro oder auf die Baustelle. Auf lange Sicht zerstören beide Verhaltensmuster das Klima im Betrieb.

Damit es nicht so weit kommt, sollten Betriebsinhaber einige Regeln befolgen. Wie „gesundes Führen“ geht, erklärt Katja Keller-Landvogt im Interview. Sie ist Fachberaterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der IKK classic und leitet regelmäßig Seminare zum Thema „gesundes Führen“ (siehe links).

Wie wichtig ist die Rolle der Führungskraft für das Arbeitsklima?

Sie spielt sogar die Hauptrolle. Denn das Verhalten des Chefs wirkt sich im Positiven wie auch im Negativen direkt auf die Stimmung der Belegschaft aus. Es ist wichtig, dass er eine wertschätzende Haltung gegenüber seinem Team hat. Er sollte sich fragen, was wäre ich eigentlich ohne meine Mitarbeiter. Nicht zuletzt muss er diese Haltung aber auch sich selbst gegenüber haben. Sitzt der Chef zu lange im Büro, gönnt sich keine Pausen, ist schlecht drauf und ständig unter Druck, überträgt sich das auf seine Mitarbeiter. Die Stimmung der Führungskraft ist ansteckend.

 

Aber niemand ist immer gut drauf.

Das muss auch der Chef nicht sein. Denn Gefühle lassen sich schlecht verbieten und man sollte seinem Team nichts vorspielen müssen. Wichtig ist nur wie man mit Belastung und Druck umgeht. Sich selbst gute Strategien überlegt, wie man dagegen vorgeht. Das kann Sport oder auch das Gespräch sein. Chefs sollten sich immer auch um sich selbst kümmern.

Die IKK classic unterstützt Betriebsinhaber

Nachfragen bei Problemen und aktiv in Gespräch gehen.

Welche Rolle spielt dabei eine gute Kommunikation?

Information ist das A und O. Mitarbeiter sollten sich nicht ausgeschlossen fühlen. Es ist wichtig, dass sie wissen, was im Betrieb passiert. Sonst kommt schnell das Gefühl einer mangelnden Wertschätzung auf. In Mitarbeitergesprächen sollte man Meinungen einholen und ernstnehmen. Es ist eine große Chance, diese Synergie Effekte einer Gruppe zu nutzen und nicht das Potenzial seiner Experten brach liegen zu lassen. Dort lassen sich verborgene Schätze im Mitarbeiter ausgraben.

 

Oftmals bekommt der Chef nichts vom schlechten Arbeitsklima mit. Was kann er tun, um ein Gespür dafür zu entwickeln?

In Kontakt mit seinen Mitarbeitern bleiben. Sich einfach mal bei der morgendlichen Kaffeerunde dazustellen und einen Kaffee mittrinken und schauen wie Stimmung ist. Nachfragen und bei Problemen aktiv ins Gespräch gehen. Wichtig ist, echtes Interesse zu zeigen. Kritik vielleicht nicht gleich am Morgen anbringen, so dass alle mit einem positiven Gefühl in den Tag starten. Denn die Stimmung im Betrieb kriegt am Ende auch der Kunde ab.

Und wie bringt der Chef Kritik konstruktiv an?

Sehr wichtig ist es dabei, dass man das konkrete Verhalten beschreibt und nicht pauschaliert. Nicht die Person bewerten, sondern das Verhalten benennen und die negativen Auswirkungen für das Unternehmen erklären. Vergessen sollte er dabei nicht, den Raum für eine Erklärung zu lassen. Gemeinsam muss eine Lösung gefunden und vereinbart werden. In einem weiteren Termin wird überprüft, ob das geklappt hat und wenn nicht, sollten sich Konsequenzen überlegt werden.

 

Wie viel Lob ist genug. Wie viel zu viel?

Lob muss sein. Gelobt werden sollte jedoch nur, was auch als besondere Leistung empfunden wird. Ansonsten wirkt es nicht glaubwürdig. Außerdem muss die Balance zwischen Lob und konstruktiver Kritik stimmen. Viel hilft nicht unbedingt viel. Wer nur lobt, wird nicht mehr ernstgenommen. Wer nur kritisiert erzeugt Abwehr.

 

Wie sollten Geschäftsführer reagieren, wenn es Spannungen im Team gibt?  

Unbedingt nachfragen und die Mitarbeiter in der Konfliktlösung unterstützen. Denn ungelöste Konflikte wirken sich auf die Leistung direkt aus. Oft sind es nur kleine Stellschrauben die hier nachgezogen werden müssen. Beispielsweise kann die richtige Teamzusammensetzung viele Konflikte lösen. Der Chef sollte sich Feedback einholen, wer zusammenpasst.

 

Wie wichtig ist der soziale Kontakt zu den Mitarbeitern?

Auch private Probleme sollten mit Mitgefühl behandelt werden. Da hilft aktives Nachfragen und echtes Interesse. Haben Sie ein offenes Ohr. Das signalisiert: Ich schätze Sie auch als Mensch. Sich auch mal nach der Familie erkundigen. Studien belegen, dass Verständnis dazu führt, dass Stress von den Angestellten als weniger belastend empfunden wird.

Es hilft, auch einmal über sich selbst zu reden.

Sollte ein Chef Nähe erzeugen oder ist eine gewisse Distanz besser?

Eine gute Führungskraft sollte durchschaubar und greifbar sein. Die Mitarbeiter wollen wissen, woran sie sind. Es hilft, auch einfach mal über sich selbst zu reden und zwar bewusst zu allen und nicht nur zu denjenigen im Team, die man sowieso mag. Über private Gespräche erlebt man auch zunächst schwierige Charaktere oft von einer positiveren Seite. Natürlich bedeutet das nicht, dass man einen Seelenstriptease hinlegen muss.

 

Muss der Chef immer präsent sein, damit es im Betrieb läuft?

Die Präsenz des Chefs ist wichtiger, als viele glauben! Bei einem Familienbetrieb habe ich das selbst erlebt. Das Unternehmen hatte sich stark vergrößert, doch trotz erhöhter Auftragslage wurde nichts an der Struktur verändert. Die Folge: Der Chef steckte bis zum Hals in Arbeit und verschanzte sich im Büro. Die Mitarbeiter bekamen ihn nicht mehr zu Gesicht. Der Krankenstand wuchs. Nach unserer Analyse kam heraus, dass sich die Angestellten wünschten, ihren Chef mehr zu Gesicht zu bekommen. Der reagierte und die Krankmeldungen gingen wieder zurück.

 

Warum profitiert das Unternehmen von einem guten Arbeitsklima?

Studien zeigen, dass Mitarbeiter die sich fair behandelt fühlen, nicht nur mehr Motivation zeigen und effektiver arbeiten, sondern es auch zu weniger Krankmeldungen kommt. Und: Wer sich am Arbeitsplatz wohlfühlt, hat keinen Grund, sich nach einem neuen Job umzuschauen.

Fünf Tipps für Führungskräfte

Mit diesen Ratschlägen schafft sich ein positives Arbeitsklima fast wie von selbst. 

Wünsche und Sorgen der Mitarbeiter ernstnehmen und aktiv nachfragen.

Schließen Sie ihr Team nicht aus und kommunizieren sie Veränderungen frühzeitig. Transparenz schafft Vertrauen. 

Mitarbeiter, die sich nicht wertgeschätzt fühlen, werden unzufrieden und verlieren ihre Motivation. Sie haben das Gefühl, dass es egal ist, welche Leistung sie erbringen.

Das Verhalten der Führungskraft bestimmt das Verhalten des Teams. Sie müssen selbst leben, was sie verlangen.

Kritik ist für niemanden leicht. Deshalb sollte sie direkt und auf das Verhalten bezogen ausgesprochen werden. Wichtig: nicht die Person angreifen und immer unter vier Augen reden. 

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