Entsendung von Mitarbeitern

Vor allem in den Nachbarländern finden Handwerksbetriebe oft Potenzial für Aufträge. Also einfach einen Mitarbeiter für das Projekt über die Grenze schicken? Nicht zu schnell: Auf eine Entsendung sollten Arbeitgeber sich und ihre Beschäftigten gut vorbereiten. 

Regeln für andere Klimazonen

Planen Arbeitgeber, einen oder mehrere Mitarbeiter ins Ausland zu schicken, müssen sie wichtige Vorkehrungen treffen, damit die Angestellten auch jenseits ihres gewohnten Arbeitsumfeldes umfassend sozialversichert sind.

Deutsches Recht gilt grundsätzlich nur für Beschäftigte in Deutschland – Entsendungen sind ein Sonderfall. Aber wann spricht man von „Entsendung“? Nach § 4 des Vierten Sozialgesetzbuchs (SGB IV) handelt es sich um eine Entsendung, wenn sich der Arbeitnehmer auf Weisung des Arbeitgebers ins Ausland begibt. Der Aufenthalt im Ausland muss entweder zeitlich befristet sein, beispielsweise zwei Jahre, oder zum Zweck eines Projektes stattfinden, etwa ein Hausbau. Vor und nach der Entsendung muss der Mitarbeiter deutschem Recht unterliegen, also in Deutschland leben, entsprechend versichert sein und dies nach der Rückkehr weiterführen.

„Es muss klar sein, dass der Mitarbeiter zum Beispiel seinen alten Arbeitsplatz wiederaufnimmt und weiterhin Arbeitsentgelt vom deutschen Arbeitgeber erhält, das so ausgewiesen ist wie bei allen anderen Mitarbeitern seines Betriebs“, sagt Swenja Kaß aus dem Referat Beiträge/Systemprüfung der IKK classic in Lüdenscheid. Letzteres gelte auch, wenn die Summe vorübergehend auf ein ausländisches Konto überwiesen werde. Sind sämtliche Vorgaben der Entsendung erfüllt, gilt für den Mitarbeiter auch im Ausland deutsches Recht.

Wie beantragt man eine Entsendung?

Zur Entsendung von Mitarbeitern muss sich der Arbeitgeber mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen, die ihm einen Antrag in Fragebogen-Form zukommen lässt. Darin gibt er unter anderem den Zeitraum des Auslandsaufenthaltes, die ausländische Arbeits-Adresse und die dort geplante Tätigkeit des Mitarbeiters an. Zudem schildert er, ob sein Mitarbeiter wie gehabt bezahlt wird, weisungsgebunden ist und denselben Status hat wie die Kollegen in Deutschland. „Wir prüfen dann, ob es sich um eine Entsendung oder eine andere Tätigkeit im Ausland handelt“, sagt Kaß. Ist alles in Ordnung, erhalte der Arbeitgeber eine Entsendebescheinigung gemäß dem Land, in das der Mitarbeiter reisen soll. „Die Bestätigung ist für sämtliche Länder identisch aufgebaut“, sagt Kaß. „Der Entsendete trägt sie am ausländischen Arbeitsplatz bei sich, etwa auf der Baustelle.“

 

Welches Recht gilt vor Ort?

Je nach Reiseland unterscheiden sich die Parameter der Sozialversicherung. Sämtliche Staaten im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sowie die Schweiz haben sich auf dieselben Grundsätze geeinigt. Staaten wie Korea, USA, Kanada und Brasilien sind hingegen Abkommensstaaten. „Deren Abkommen gelten zum Teil nur für vereinzelte Versicherungszweige, zum Beispiel die Rentenversicherung“, erklärt Kaß. „Da muss der Arbeitgeber genau hinschauen, worum er sich im Rahmen seiner Fürsorgepflicht sonst noch kümmern muss.“

In Staaten ohne Abkommen gelten Kaß zufolge nach § 4 SGB IV deutsche Rechtsvorschriften weiter. „Je nach Land kann der Arbeitnehmer auch zusätzlich im Beschäftigungsstaat versicherungspflichtig werden. Der Arbeitgeber muss dann doppelt zahlen. Darüber sollte er sich auf jeden Fall vorher informieren.“

Welche private Versicherung Arbeitgeber im Zweifel für ihre Mitarbeiter abschließen sollten, welcher Leistungsumfang angemessen ist und ob sich eventuell Gruppenversicherungen für mehrere Mitarbeiter lohnen, müssen sie von Fall zu Fall mit den entsprechenden Ansprechpartnern der Dienstleister besprechen. Die Bearbeitungszeiten sind je nach Unternehmen unterschiedlich - daher sollten sich Arbeitgeber in jedem Fall schnellstmöglich über die notwendigen Schritte informieren, sobald das Thema Entsendung konkret ist.

Entsendung: Was sonst noch wichtig ist

Verträge, Steuern, Zulassung, Meldeverfahren, Vorschriften zu Denkmalschutz und Abwasserverordnung: Was Handwerksunternehmen bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland jenseits der Sozialversicherung beachten müssen, erfahren Interessierte bei mehr als 90 Außenwirtschaftsberatern der Handwerkskammern und Fachverbände. Neben individueller Beratung umfassen die regionsabhängigen Angebote unter anderem Ländersprechtage, Info-Veranstaltungen sowie aktuelle Informationen, etwa zu neuen Gesetzen. Wer sich in seinem Zielland einmal genauer umsehen, Kontakte knüpfen und Geschäfte anbahnen möchte, kann mitunter an Unternehmerreisen in Form von Gruppenreisen, Matchings und Unterstützung bei Messeauftritten, aber auch an vorbereitenden Sprachkursen teilnehmen, die auf die Bedürfnisse von Handwerkern zugeschnitten sind.

Hier gibt es eine Liste aller Außenwirtschaftsberater in der Handwerksorganisation zum Download.

Gut zu wissen

Auch für Handwerksbetriebe kann es lukrativ sein, sich Märkte im Ausland zu erschließen. Handwerksqualität aus Deutschland liegt gerade in den Nachbarländern wie den Niederlanden, Österreich und der Schweiz, aber auch darüber hinaus hoch im Trend. 

Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (www.zdh.de) verkaufen rund 50.000 Handwerksunternehmen ihre Leistungen ins Ausland. Die Exportquote verteilt sich jeweils zur Hälfte auf Produkte und Dienstleistungen und hat sich seit Beginn der 2000er-Jahre verdoppelt.

Den größten Auslandsumsatz machen Feinmechaniker und Metallbauer. Im Anschluss folgen Musikinstrumentemacher, Boots- und Schiffsbauer sowie Chirurgiemechaniker.

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