Interview: Richtige Berufsbekleidung

Gute Kleidung ist bei der Imagebildung das A und O. Im Interview spricht Henning Strauss, Geschäftsführer der engelbert strauss GmbH & Co. KG, über Wandel und Tradition. 

„Der einheitliche Auftritt spielt eine entscheidende Rolle”

Einer, der sich bestens in der Bekleidungswelt der Handwerker auskennt, ist Henning Strauss, Geschäftsführer der engelbert strauss GmbH & Co. KG. Für die profil nimmt er Stellung zu Stil- und Trendfragen.

Herr Strauss, angemessene Bekleidung" im Handwerk ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wie würden Sie solch einen Kleidungsstil beschreiben?

Der Kleidungsstil sollte der Branche und der Kultur des Unternehmens entsprechen. Ein förmliches Restaurant wird demnach einen anderen Auftritt wählen als ein hippes Lifestyle-Café. Eines sollte der Auftritt dabei aber immer vermitteln: Professionalität.

 

Was liegt heute innerhalb der Handwerksbranche im Trend?

Generell alle Materialen und Farben, die Modernität ausdrücken. Vor allem elastische Materialien mit sportlichem Schnitt. Allerdings ist der Schnitt auch immer vom Träger abhängig. Der eine mag es figurbetonter, der andere eher lässig.

Alle Bekleidungsstücke können modern präsentiert sein.

Man spricht in diesem Zusammenhang oft von guter Passform. Was heißt das für den Träger?

Dass er die Auswahl hat zwischen unterschiedlichen Größen und Funktionen der Produkte.

 

Können sich Handwerker in Sachen Kleidung vergreifen? Gibt es modisch veraltete Stücke?

Grundsätzlich können heute alle Bekleidungsstücke modern präsentiert sein. Man kann nicht pauschal sagen, dass etwas nicht mehr tragbar ist.

Welche Gewerke achten nach Ihrer Erfahrung am meisten auf einheitliche Kleidung, welche am wenigsten? Und wo ist die modische Einheit ein absolutes Muss?

Wir beobachten, dass der einheitliche Auftritt zunehmend in allen Branchen und Gewerken eine entscheidende Rolle spielt. Jedes Unternehmen sollte auf ein professionelles Auftreten achten. Nichts transportiert das Firmenimage besser als gut und einheitlich gekleidete Mitarbeiter.

 

Gute Kleidung braucht gute Pflege für ein langes Leben. Wie geht das?

Es gibt Anbieter, die Arbeitskleidung nach den Vorgaben des Herstellers reinigen. Man kann dies aber mit speziellen Pflegemitteln auch selbst zu Hause machen. Für unsere Produkte, die eine besondere Pflege brauchen, haben wir immer die passenden Mittel.

Die Offenheit gegenüber Lifestyle-Produkten im Handwerk nimmt weiter zu.

Was sind die hauptsächlichen Ansprüche Ihrer Kunden an die passende Kleidung?

Die Produkte müssen zum Einsatzbereich der Kunden passen. Ein Fliesenleger braucht flexible Hosen, auf denen er gut knien kann. Anders dagegen ein Kunde, der auf dem Bau arbeitet. Er wird eher nach Kleidung mit robusten Stoffen suchen.

 

 

Ein Blick in die Glaskugel: Inwiefern wird sich die Auffassung von Gut-Gekleidet-Sein noch ändern?

Die Offenheit gegenüber Lifestyle-Produkten im Handwerk nimmt immer weiter zu. Ein professionelles und hochwertiges Erscheinungsbild wird auch künftig von großer Bedeutung sein.

Wie die Kleidung, so die Wirkung

Den Eindruck nachhaltig positiv gestalten ist einfach – wenn man strategisch und nachhaltig vorgeht. profil hat hilfreiche Expertentipps zusammengetragen. 

Der Imagefaktor mit Blick auf die Berufskleidung ist nicht zu unterschätzen. Unverzichtbar ist, rundum gepflegt aufzutreten. Verschmutzte Kleidung ist ebenso unangemessen wie abgetragene oder kaputte. In den beiden letzten Fällen ist zudem gegebenenfalls auch die Schutzfunktion des Stücks nicht mehr gewährleistet, weil die Oberfläche durchlässig wird oder an Farbe verliert oder sich Reißverschlüsse und damit zum Beispiel Westentaschen nicht mehr verschließen lassen. Leiern Gummizüge aus, können Kleidungsstücke verrutschen. Auch das kann die Sicherheit des Trägers gefährden - und sieht zudem nachlässig aus.

Mit Einheitlichkeit in Farbe und Form zeigen Kollegen, dass sie zum selben Team gehören. Beliebt sind branchentypische Farben, etwa schwarz bei Schornsteinfegern oder blau bei Baustellenpersonal. Wer sich von den Wettbewerbern abheben möchte, bedient sich meist firmeneigener Farben, passend zum Firmenlogo. Ein durchdachtes Corporate Design schafft einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil und steigert den professionellen Eindruck. Manche Handwerksunternehmen spielen auch mit der Psychologie von Farben, wählen etwa weiß, um besondere Hygiene zu symbolisieren oder eine kontrastreiche Kombination, die für Vielfältigkeit stehen kann. Manche richten die Farbwahl nach rein praktischen Gründen. Wird die Kleidung durch die Arbeit schnell dreckig, bieten sich dunklere Töne an.

Ganz klar, im Malerhandwerk ist die Berufskleidung anderen Bedingungen ausgesetzt als beim Schweiß- oder Bäckerhandwerk. Wichtig ist, im Vorfeld die Funktionalität festzulegen: Soll die Kleidung wasserabweisend, winddicht oder besonders reißfest sein? Soll sie Staub abhalten oder Platz für Utensilien wie Werkzeug bieten? Wie viel Bewegungsfreiheit braucht der Träger? Idealerweise macht die Kleidung durch das passende Material seine Bewegungen wie eine zweite Haut mit. Wie lang und weit dürfen die Kleidungsstücke sein, ohne die Sicherheit des Trägers zu gefährden, etwa, indem er damit hängen bleibt? Wie lange soll die Kleidung halten? 

An der Qualität der Kleidung sollten Betriebsinhaber nicht sparen, wenn sie lange halten und auch langfristig ihre sämtlichen Zwecke erfüllen soll. Neben den Kosten für die Erstanschaffung sollten auch solche für Reparatur oder Wartung einkalkuliert werden. Statt zu kaufen ist auch das Mieten von Berufsbekleidung möglich, etwa, wenn ein hoher Wartungsaufwand besteht oder das Team sehr klein ist. Solche Dienstleister kümmern sich meist auch um kleine Ausbesserungsarbeiten wie das Einsetzen eines neuen Gummizuges.

Die durchdachteste Kombination an Kleidungsstücken für den Arbeitsalltag ist verschwendet, wenn sich die Mitarbeiter darin nicht wohl fühlen. Idealerweise darf die Belegschaft Empfehlungen, Wünsche oder schlicht Erfahrungen aus ihrem Arbeitsplatz äußern, die sich am Ende im Konzept wiederfinden. Die Kleidung sollte nicht nur optisch, sondern auch vom Tragekomfort her akzeptiert werden.

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