Väter, vernetzt euch!

Mehr Zeit für die Familie zu haben, das wollen nicht nur Mütter. Deswegen wird es für Arbeitgeber immer wichtiger, auch für ihre männlichen Mitarbeiter passende Teil- und Elternzeitmodelle anzubieten. Väternetzwerke können Wünsche transparenter und Maßnahmen effektiver machen.

„Väternetzwerke sind für Unternehmen wertvoll“

Wenn von Teilzeit oder Elternzeit die Rede ist, denken die meisten Betriebsinhaber an Maßnahmen für Mütter. Doch auch immer mehr Väter wünschen sich flexible Arbeitsmöglichkeiten und mehr Zeit für die Familie. Volker Baisch ist selbst Vater von zwei Töchtern und kennt die Wünsche der neuen Vatergeneration aus seinem Arbeitsalltag. Er hat vor sieben Jahren die „Väter gGmbH“ gegründet, die Firmen dabei begleitet, Väternetzwerke für die eigenen Mitarbeiter ins Leben zu rufen. Im Interview erzählt er, was ein solches Netzwerk ausmacht, wie man eine Gruppe im Betrieb aufstellt und was das Ganze dem Arbeitgeber bringt.

 

Warum sind Väternetzwerke wichtig?
Volker Baisch: Männer haben immer noch oft den Eindruck, mit Angeboten zur Arbeitszeitflexibilisierung nicht wirklich gemeint zu sein. Die Väternetzwerke bieten einen geeigneten Rahmen, sich dazu auszutauschen und nach guten Lösungen zu suchen, die auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sind. Denn Väter haben ganz klar den Wunsch, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Das sind nicht nur Zoobesuche, sondern es ist der Alltag, sprich Erziehung. Mütter vernetzen sich schneller und tiefer untereinander und haben mehr Erfahrung in der Erziehung von Kindern. Deswegen sind Väternetzwerke in Unternehmen wichtig und wertvoll.

 

Was sind in der Regel die zentralen Themen für die Teilnehmer?
Volker Baisch: Homeoffice-Lösungen für Väter, Führung in vollzeitnaher Teilzeit und längere Elternzeiten für Väter als nur zwei Monate. Um diese Themen ins Unternehmen zu bringen, müssen Kinderbetreuung und Kindererziehung sowie Vereinbarkeit und Flexibilisierung angegangen werden. Dazu ist es sinnvoll, Experten in den Betrieb einzuladen, die Tipps geben und die Themen verständlich erklären.

 

Unternehmen profitieren von geringerer Fluktuation.

Was bringt das Netzwerk dem Arbeitgeber?
Volker Baisch: Das Netzwerk kann Einblicke bieten, wie Väter denken und ticken, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie Väter gerne angesprochen werden möchten. Wie viele Studien bewiesen haben, profitieren Unternehmen direkt von einer niedrigeren Fluktuations- und einer niedrigeren Fehlzeitenquote. Denn Väter fühlen sich in dem Augenblick, in dem sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden, dem Unternehmen wesentlich verbundener, sind loyaler. Unternehmen sind deshalb sehr gut beraten, in väterfreundliche Maßnahmen zu investieren.

 

Wie profitiert der Arbeitnehmer konkret von solchen Maßnahmen?

Volker Baisch: Der Arbeitnehmer wird nicht nur in seiner Vaterrolle gestärkt und fühlt sich wertgeschätzt, sondern er hat auch den Kopf frei, um sich voll auf seine Arbeit zu konzentrieren. Auch weil er weiß, dass er bei Fragen zum Thema Familie gute Ansprechpartner und Berater hat. Bei unserer aktuellsten Untersuchung zum Väternetzwerk, die wir gerade in NRW vorgestellt haben, sind 75 Prozent der befragten Teilnehmer überzeugt, dass ein aktives Väternetzwerk im Unternehmen den Prozess zur Veränderung hin zu einer väterorientierteren Personalpolitik voranbringen kann.


Warum sind Väternetzwerke gerade auch für kleinere und mittelständische Unternehmen eine gute Option?

Volker Baisch: Kleine und mittelständische Unternehmen spüren den Fachkräftemangel besonders – vor allem in den ländlichen Regionen. Mit einer guten und glaubhaften Vereinbarkeitspolitik, die auch Väter miteinschließt, kann man sich als Handwerksbetrieb oder mittelständisches Unternehmen von den großen Unternehmen absetzen. Junge Väter wollen heute nicht mehr den klassischen Weg der Karriere gehen, bei dem kaum Zeit für Kinder und Partnerschaft bleibt – das belegen zahlreiche aktuelle Studien und Forschungen. Diese Entwicklung hat sicherlich auch damit zu tun, dass Frauen heute wirtschaftlich unabhängiger sein und früher in den Beruf einsteigen möchten.

Welche Themen interessieren sie?

Wie installieren Arbeitgeber ein solches Netzwerk in ihrer Firma? Worauf müssen sie achten?
Volker Baisch: Es ist immer gut, einen Mitarbeiter im Unternehmen als „prominenten Schirmherrn oder Botschafter“ für das Thema zu finden. Am glaubwürdigsten ist es natürlich, wenn der Chef sich selbst als solcher installiert. Mit einfachen Maßnahmen kann das Netzwerk dann aufgebaut werden. Wie man das am besten macht, zeigt unsere Erfahrung. Wir bilden nach dem ersten Treffen im Betrieb eine Kerngruppe aus etwa drei engagierten Vätern, die Verantwortung übernehmen. Sie organisieren Expertenvorträge, bei denen es um konkrete Vereinbarkeitsstrategien und die Elternzeitausgestaltung von Vätern geht, aber auch um Erziehungsfragen und darum, wie man als Paar im alltäglichen „Wahnsinn“ noch Zeit füreinander findet. Im Umfeld dieser Veranstaltungen kann auch gleich eine kleine Befragung der Väter stattfinden, um mehr über die Zielgruppe und deren Bedürfnisse zu erfahren. Fragen dabei können sein: Welche Themen interessieren sie? Wie und auf welche Weise können sie sich einbringen?

 

Wie kann dann ein erstes Netzwerktreffen aussehen?
Volker Baisch: Beim ersten Treffen sollten die Väter durch gegenseitige Kurzinterviews in Erfahrung bringen, welche Ziele die Kollegen mit dem Väternetzwerk konkret verfolgen und welchen Mehrwert sie sich versprechen. Das ist eine gute Voraussetzung, um gemeinsam ein Leitbild und eine klare Struktur zu entwickeln. Wichtig ist außerdem, das Netzwerk – sollte es von der Personalabteilung angeschoben worden sein – nach zwei bis drei moderierten Treffen in die Selbstständigkeit zu überführen. Väternetzwerke sind also keine teuren Maßnahmen, sondern eine gute Möglichkeit, die männlichen Mitarbeiter in ihrer Rolle gleichermaßen wertzuschätzen.

 

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