Gesundheitsexperten

Wie bauen Betriebsinhaber nachhaltig Vertrauen auf? Vor allem, indem sie ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter haben und sich Zeit für sie nehmen. Das ist dieses Mal Thema bei den profil-Gesundheitsexperten.

Die Gesundheitsexperten

Sie haben abgestimmt – unsere Gesundheitsexperten antworten. Dieses Mal haben sich die profil-Leser für folgende Frage entschieden: Was kann ich als Betriebsinhaber konkret tun, um Vertrauen im Betrieb aufzubauen? Unser Experte, Walter Müller, Team „Operative Prävention“ der IKK classic, hält Seminare und Webinare für Arbeitgeber – unter anderem zum Thema „Gesundes Führen“. Er weiß genau, wie Chefs das Vertrauen ihrer Mitarbeiter gewinnen. Hier seine Tipps:

 

Auf Augenhöhe kommunizieren
Um Vertrauen im Betrieb aufzubauen, muss die Geschäftsführung ein Vorbild für ihre Mitarbeiter sein. Beispielsweise sollten sich Führungskräfte uneingeschränkt an Absprachen halten und eine klare Struktur im Unternehmen vorgeben: so, dass alle Beteiligten sämtliche Arbeitsschritte, Vorgehensweisen und Prozesse einhalten. Das nach außen repräsentierte Firmenleitbild muss intern gelebt werden. Darüber hinaus entsteht Vertrauen, indem Führungskräfte ihren Mitarbeitern auch mal einen Vertrauensvorschuss einräumen, ungeachtet des Risikos, eventuell enttäuscht zu werden.

Fokus auf das Positive
Statt, wie weit verbreitet, erst die Arbeitsweise der Mitarbeiter zu beurteilen und auf dieser Basis zu entscheiden, ob Vertrauen gerechtfertigt ist, sollte die Führungskraft sie zunächst eigenständig arbeiten lassen. Mitarbeiter wollen gesehen, nicht überwacht werden. Im Anschluss ist es ratsam, das Positive an ihrer Arbeitsleistung zu kommunizieren. Sie merken dann, dass sie das Vertrauen, das von Beginn an da war, auch verdient haben – eine Win-win-Situation. Nachfragen beziehungsweise das Controlling sollte erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Gefühl der Wertschätzung steigern
Auch die Art, wie Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern sprechen, baut Vertrauen auf. Wer auf derselben Ebene, in sogenannter symmetrischer Redekonstellation, zu seinem Gegenüber spricht, zeigt Wertschätzung. So geäußerte Kritik wird vom Mitarbeiter eher angenommen. Empfehlenswert ist, als Führungskraft die Mitarbeiter in ihrer jeweiligen Rolle als Experten auf dem eigenen Gebiet zu bestärken und hier und da Detailfragen zu stellen oder ihre Meinung einzuholen. Das erhöht das Gefühl der Wertschätzung um ein Vielfaches.

Zeichen für mangelndes Vertrauen
Fehlt Vertrauen im Betrieb, gibt es für die Führungskraft einige Hinweise darauf. Ein sehr deutliches Zeichen für ein gestörtes Vertrauensverhältnis ist eine E-Mail-Kommunikation, in welcher der Mitarbeiter verstärkt Weiterleitungen und Adressaten in Kopie nutzt – um sich damit ein Stück weit darauf auszuruhen, alle Beteiligten über sein Vorgehen informiert zu haben. Echtes Vertrauen ist jedoch nur dann da, wenn ein Mitarbeiter Entscheidungen selbstbewusst treffen kann und sein Vorgesetzter diese auch akzeptiert. Auch häufiges Nachfragen seitens des Mitarbeiters bei der Führungskraft zeigt einen Mangel an Vertrauen. Wer sich immer wieder versichert, wie er Dinge am besten machen sollte, hat vermutlich schon einmal negative Erfahrungen damit gemacht, dazu eine eigene Entscheidung zu treffen. Genau das muss der Mitarbeiter aber tun: Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Das zeugt von Vertrauen. 

Zuversicht zurückholen
Um ein gestörtes Vertrauensverhältnis wieder ins Gleichgewicht zu bringen, helfen die oben genannten Tipps. Tief sitzendes Misstrauen im Betrieb können Führungskräfte allerdings meist nur mit einem klärenden Gespräch beiseiteschaffen. Da kann es notwendig werden, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen und dem Mitarbeiter beispielsweise mitzuteilen: „Wir müssen miteinander reden. Ich habe das Gefühl, dass unser Vertrauensverhältnis gestört ist.“ Dabei ist wichtig, dem Mitarbeiter auch auf emotionaler Ebene zu begegnen, sodass er sich bestärkt fühlt, dem Chef seine aktuelle Lebenssituation zu schildern. Solch ein Gespräch ermöglicht es, wieder auf einen gemeinsamen Kommunikationsweg zu gelangen.

Professionelle Unterstützung
Im Seminar „Gesundes Führen“, das die IKK classic regelmäßig anbietet (siehe Kasten), erarbeiten Führungskräfte in kleinen Übungen, wie gesundes Vertrauen in ihrem Betrieb Schritt für Schritt aufgebaut werden kann. Unter anderem lernen Teilnehmer anhand einer Formel für wertschätzendes Feedback, was bestimmte Verhaltensweisen beim Mitarbeiter auslösen. Ein Beispiel: Ein angestellter Schreiner hat Überstunden gemacht, um eine Kommode rechtzeitig fertigzustellen. Sein Chef teilt ihm mit, dass dank seines Einsatzes der zugesagte Liefertermin eingehalten wurde. Indem die Führungskraft also nicht unspezifisch lobt, sondern konkret schildert, was der Mitarbeiter im Kleinen zum großen Ganzen beigetragen hat, motiviert er ihn, beim nächsten Mal wieder beherzten Einsatz zu zeigen, weil er über die Dimension seines Handelns informiert wurde und in sein Handeln vertraut. Davon können beide Seiten profitieren.

Zuwendung ist das A und O
Zu den weiteren Seminarinhalten gehört etwa das Thema „aktives Zuhören“ – ein sehr wichtiger Beitrag, um Vertrauen zu schaffen. Dem Mitarbeiter ist im Idealfall bewusst, dass er mit einem möglichen Problem zu seinem Chef kommen kann. Dieser sollte sich dann von seiner aktuellen Beschäftigung ab- und dem Mitarbeiter zuwenden. Mit Kopfnicken und zustimmenden Lauten demonstriert er seine volle Aufmerksamkeit. Emotionales Spiegeln wie „Ich sehe, es bewegt Sie, dass ich Ihnen an Ihrem Wunschtermin keinen Urlaub geben kann“ oder Nachfragen wie „Verstehe ich Sie richtig, dass Sie gerade aus folgenden Gründen bedrückt sind?“ können zusätzlich Vertrauen schaffen. Wichtig ist darüber hinaus, zielgerichtet nachzuhaken: „Wie kann ich Ihnen bei Ihrem Problem helfen? Wie können wir diese Herausforderung angehen?“ Auch oder gerade in offenkundig schwierigen Lebenssituationen empfiehlt es sich, den Mitarbeiter anzusprechen. Dabei könnte sich herausstellen, dass er in letzter Zeit so müde oder unkonzentriert ist, weil es beispielsweise einen Pflegefall in der Familie gibt. Mitarbeiter, die ihrem Vorgesetzten vertrauen, teilen ihm mit, wenn sie privat etwas beschäftigt, das die Arbeitswelt tangiert.

Fünf Tipps für gesundes Führen

  • Vorbild sein und auf die eigene Gesundheit achten
  • Offen kommunizieren
  • Präsent sein und zuhören
  • Mitarbeiter einbinden und Verantwortung abgeben
  • Wertschätzendes Feedback geben

Webinar „Gesundes Führen“

In 90-minütigen, kostenfreien Einheiten vor dem Bildschirm im Büro oder Arbeitszimmer erhalten Teilnehmer der IKK-Webinare einen schnellen, aktuellen und interaktiven Überblick über aktuelle Fragen, beispielsweise zur Sozialversicherung, zu betrieblichem Gesundheitsmanagement oder Arbeitgeber-Marketing. Neue Termine finden Sie regelmäßig auf unserer Homepage.

Das nächste Webinar zum Thema „Gesundes Führen“ findet statt am Donnerstag, 11. Mai 2017, von 15 bis 16.30 Uhr. 

Anmelden können Sie sich ganz einfach online. Weitere Infos erhalten Sie auch per E-Mail.
 

Seminare vor Ort 

Neben Online-Seminaren können Sie auch an Vor-Ort-Seminaren der IKK classic teilnehmen. Das nächste Seminar zum Thema „Gesundes Führen“ findet am Mittwoch, 24. Mai 2017, um 13 Uhr in den Räumen der IKK classic in Aalen statt (Curfeßstraße 4 – 6).

Melden Sie sich bis zum 22. Mai hier an. 
 

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