Arbeiten mit der Familie

Urgroßvater, Opa, Vater, Sohn: Der Steinmetz-Betrieb Knorr Grabdenkmale hat eine lange Familientradition. Obwohl sich die Branchenumstände wandeln, denkt Junior Alexander über eine Übernahme nach. Dass es etwas Besonderes und auch anders ist, mit einem Angehörigen zu arbeiten, ist ihm bewusst.

Wenn Papa auch im Betrieb der Chef ist

Mit dem eigenen Vater als Chef gibt es eine Schnittmenge zwischen Firma und Familie. Während seiner Ausbildung im familieneigenen Steinmetz-Betrieb lebte Alexander Knorr bei seinen Eltern – damit auch bei seinem Vorgesetzten. „Hatte ich auf der Arbeit Stress, hatte ich den auch zuhause. Dass Beruf und Privatleben ineinandergreifen, lässt sich nicht vermeiden. Wenn mal was nicht läuft, kann man sich das nicht so schnell aus dem Kopf schaffen“, schildert der inzwischen 24-Jährige. Als negativ empfindet der Junior, im siebten Jahr in der väterlichen Firma tätig, diesen Aspekt nicht: „Das ist normal.“ Für vorteilhaft halte er wiederum die enge Beziehung zum Arbeitgeber: „Als Sohn kann ich mich dem Chef persönlicher mitteilen. Er weiß, wie es in mir aussieht.“ Weniger arbeiten müsse er dadurch nicht, sagt er: „Ich erfahre dieselbe Kontrolle wie alle anderen auch. Mit meinem eigenen Sohn würde ich das genauso machen. Eine gewisse Strenge sollte vorhanden sein.“


Verständnis fördert die Arbeitsatmosphäre
Sein eigener Vater sei damals als Vorgesetzter weniger wohlwollend gewesen, erzählt Dieter Knorr, aktueller Firmeninhaber und Vater von Alexander. „Früher flog auch mal der Hammer durch die Werkstatt.“ Er selbst sei viel offener, entspannter, habe von seinem Sohn gelernt, wie die nächste Generation denkt. „Das ist wichtig für den Betriebsablauf und damit man einander versteht. Die Dinge ändern sich, man kann nicht stehen bleiben.“ Während der heute 58-Jährige seinerzeit grundlegende Änderungen im Produktionsprozess vornahm, setzt sein Sohn heute immer mal wieder technische Neuerungen um, etwa eine moderne Website. Dieter Knorr trat noch automatisch in die Fußstapfen seines Vaters, Alexander Knorr traf die Entscheidung, Steinmetz zu werden, auch aus Leidenschaft. „Ich bin von klein auf zwischen Steinen herumgeturnt. Nach der Ausbildung wusste ich: Mit der Hand etwas zu schaffen, ist mein Ding“, sagt der 24-Jährige.

 

Das ist der Kind-Bonus.

Der Junior hat freie Hand
Das Interesse und der Einsatz des Juniors machen Dieter Knorr stolz. „Trotzdem lasse ich ihm freie Hand.“ Man könne sein Kind nicht zwingen – und das familiäre Band habe man eben stets im Hinterkopf, das sei menschlich. Daher drücke man eher auch mal ein Auge zu. „Das ist der Kind-Bonus.“ Diese besondere Konstellation führt jedoch nicht notwendigerweise in eine weitere innerfamiliäre Betriebsübernahme, wie er hervorhebt. „Wenn es geht, soll Alexander weitermachen. Aber die Entscheidung überlasse ich ihm.“ Fest stehe, dass Knorr Grabdenkmale so oder so vermutlich einer der letzten Steinmetz-Betriebe seiner Art sein werde: „Die neue Generation hat keinen Bezug mehr zur bisherigen Grab- und Friedhofskultur.“ Menschen wollen heute eine leichte und günstige Grabpflege, bevorzugen anonyme und Feuerbestattungen, darin sind sich die Steinmetze einig. Und merken dies auch am schwindenden Umsatz. Firmen-Junior Alexander macht das jedoch nicht zum einzigen Kriterium: Er hält es weiterhin für möglich, den väterlichen Betrieb zu übernehmen. „Meinen Beruf kann nicht jeder machen, das ist reizvoll. Es ist einer der ältesten Berufe überhaupt. Da noch Fuß zu fassen und davon zu leben, ist cool.“

 

Familienunternehmen – Zahlen, Daten, Fakten

Laut Stiftung Familienunternehmen gelten 91 Prozent der Betriebe hierzulande als Familienunternehmen. Wirtschaftlich gesehen stellen diese den größten Arbeitgeber, sind vertrauenswürdig, da Risiko, Haftung und Kontrolle direkt beim Eigner liegen. Langfristige Planung rüstet sie im Vergleich zu Kapitalgesellschaften im Streubesitz für Krisenzeiten überwiegend besser. Standorttreue sichert Arbeitsplätze. Nachwuchskräfte schätzen unter anderem das meist charakteristisch gute Betriebsklima und den internen Teamgeist. Familienbetriebe übernehmen besonders oft gesellschaftliche Verantwortung und leisten einen hohen steuerlichen Beitrag.

Fördermöglichkeiten

Es gibt Fördermöglichkeiten für Familienbetriebe. Einen generellen Überblick über Programme und Hilfen auf unterschiedlichen Ebenen bietet die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums. In Bayern wird der Generationswechsel in Familienunternehmen besonders gefördert.


Beratung und Infos gibt es unter anderem bei der INTES Akademie, der Stiftung Familienunternehmen, beim Bundesfamilienministerium, Wittener Institut für Familienunternehmen und bei den zuständigen Handwerkskammern.

Drei Fragen an …

Susanne Dahncke, Coach für Familienunternehmen

Susanne Dahncke, Coach für Familienunternehmen

© privat

Chancen und Herausforderungen im Familienbetrieb: profil sprach darüber mit Susanne Dahncke. Die in Hamburg ansässige Expertin arbeitete zehn Jahre lang im väterlichen Familienbetrieb, bevor sie als Coach und systemische Beraterin tätig wurde. Seit 2006 begleitet sie sowohl Familienunternehmen als auch Unternehmerfamilien.


Frau Dahncke, was zeichnet einen Familienbetrieb positiv aus?
Eine große Stärke ist, dass Familienbetriebe oft sehr strategisch ausgerichtet sind. Bestand ist ihnen wichtiger als Profit-Optimierung, daher denken und handeln sie eher über mehrere Generationen und nicht mit Blick auf Quartalszahlen. Die Unternehmenslenkung und -führung basiert auch darauf, gemeinsam etwas Sinnvolles zu schaffen, statt auf reiner Leistungsoptimierung und Gewinnmaximierung. Mitarbeiter haben überwiegend den Vorteil einer stabileren beruflichen Existenz, Unternehmenswerte wie Zusammenhalt und Solidität bieten Sicherheit – letztere sowie Unabhängigkeit sind Familienunternehmern wichtig. Sie wollen ihr Geschäft grundsätzlich aus eigener Kraft stemmen, bevor sie etwa Hilfe von Banken annehmen. Gelingt es Familienunternehmern, eine positive Identifikation der Angehörigen mit dem Unternehmen auf das Leistungsangebot und die Kundenbeziehungen zu übertragen, haben sie beste Erfolgsvoraussetzungen.


Wo liegen Herausforderungen für Familienbetriebe?
Schwelende Konflikte innerhalb der Familie können die größten Wertevernichter für den Betrieb sein. Oft gelten Konflikte als etwas Schlimmes, die Auseinandersetzung damit wird vermieden. Konflikte sind aus meiner Sicht eine Chance, sich weiterzuentwickeln und einander neu zu begegnen. Auch wenn man die Konsequenzen fürchtet: Schwierige Situationen sollten angegangen werden – etwa die Nachfolge. Der Senior sollte sich frühzeitig damit beschäftigen und auch seine Familie einbeziehen, idealerweise mit Mitte 50. Sollte sich kein Angehöriger als Nachfolger finden, hat der Senior genug Zeit für Alternativlösungen. Grundsätzlich braucht es, wie in jedem Unternehmen, Ziele, Werte, Dialog- und Fehlerkultur, um den Betrieb erfolgreich zu führen. Schwierig ist manchmal der Umgang von Familienmitgliedern im Unternehmen miteinander, daher sollten Grenzen und Kontext stets gewahrt bleiben. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen – Angestellte sind keine Familienangehörigen und wollen nicht in Familienthemen hineingezogen werden.


Was gibt es beim Generationswechsel zu beachten?
Das Thema ist stark geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Der Nachwuchs sollte nicht das Gefühl bekommen, eine Bürde auf sich zu nehmen – denn die Unternehmensnachfolge kann eine große Chance sein. Die tendenzielle Angst des Nachfolgers, alles wie der Vorgänger machen zu müssen, ist meist unbegründet. Die Welt verändert sich schnell. Der Junior sollte ausreichend Mut und Kreativität sowie Ideen, was er aus dem Betrieb machen kann, haben. Traut er sich nicht, selbst zu gestalten, ist er vielleicht doch kein Unternehmertyp. Der Senior sollte so gelassen sein, neue Ideen wertzuschätzen und zu unterstützen, und der Junior tut gut daran, das Know-how des Seniors zu nutzen. Mit dem Senior als Berater und wohlwollendem Befürworter ist die Situation für den Nachfolger ideal.

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Bildnachweis Headergrafik: © Knorr Grabdenkmale


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