Alles für die Familie

Familienfreundlichkeit im Betrieb hat viele Facetten – denn ebenso viele Gesichter hat das Privatleben, das Mitarbeiter mit ihrem Beruf vereinbaren möchten. Arbeitgebern stehen daher zahlreiche Optionen offen, ihren Angestellten entgegenzukommen. Die wichtigste Basis für passende Maßnahmen ist der offene Dialog.

Ein Ziel, viele Möglichkeiten

Laut dem Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ befassen sich Handwerksunternehmen im Schnitt seit fast 13 Jahren mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In den meist kleineren Betrieben ist dem Arbeitgeber die familiäre Situation der einzelnen Mitarbeiter bekannt, sodass sich entsprechende Angebote effektiv umsetzen lassen. Doch wie geht man dabei am besten vor? Hilfestellung bietet beispielsweise das „audit berufundfamilie“, 1998 auf Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet.

Ein Weg zu passgenauen Angeboten

„Jeder Arbeitgeber hat eigene Bedarfe und Lösungspotenziale“, sagt Silke Güttler von der Frankfurter berufundfamilie Service GmbH. Familienbewusstsein könne nicht ausschließlich an der Anzahl der Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gemessen werden. Ebenso wenig könne man bestimmte Maßnahmen vorgeben. Das Audit, ein strategisches Managementinstrument, berücksichtige daher die individuelle Situation im Betrieb. Güttler: „Es gibt acht Handlungsfelder – etwa gehören Arbeitszeit, -ort und Service für Familien dazu –, die Arbeitgebern den Rahmen für familienbewusste Aktivitäten bieten.“ Innerhalb derer würden gemeinsam passgenaue, familien- und lebensphasenbewusste Maßnahmen erarbeitet. Auch Dagmar Terbeznik unterstützt den Weg, die Situation im betroffenen Betrieb zu analysieren. Dazu gehörten vorab einige wichtige Fragen, sagt die Berlinerin, die unter anderem als Karriere- und Vereinbarkeits-Coach arbeitet, beispielsweise: Wie wichtig ist die Anzahl der Arbeitsstunden im Vergleich zum erzielten Ergebnis? Welche Wertigkeit hat persönliche Anwesenheit im Betrieb? Was steht guter Produktivität im Weg? Die Antworten lieferten wichtige Angaben, welche Maßnahmen in Frage kommen könnten. Terbeznik: „Man muss da strukturell ran – sich aber auch den einzelnen Menschen ansehen.“

Arbeiten von zuhause aus erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. <p><span class="picinfo">&copy; Westend61/Getty Images</span></p>

Arbeiten von zuhause aus erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

© Westend61/Getty Images

Man muss den Blick auf die Vorteile richten.

In Möglichkeiten denken
Unter welcher Bedingung eine Maßnahme umgesetzt werden kann, ist laut Terbeznik die bessere Perspektive als die, dass man diese Maßnahme noch nie eingesetzt hat. „Man muss den Blick auf die Vorteile richten, wenn man dem Mitarbeiter entgegenkommt. In dem Fall gibt er dem Arbeitgeber eine Menge Loyalität, Einsatz, Arbeitsbereitschaft und Motivation zurück.“ Das sei besonders bei Teilzeitkräften zu beobachten. Ein weiteres Beispiel für die Wichtigkeit des Standpunkts seien Mitarbeiter mit kleinen Kindern, ergänzt der Coach: „Das ist eine zeitlich begrenzte Phase, durch die der Arbeitgeber die Eltern begleiten und später von den Ergebnissen profitieren kann.“ Während der Elternzeit erlernte und gefestigte Kompetenzen wie Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen seien wie eine kostenlose Weiterbildung – ein dickes Plus für den Arbeitgeber.

 

Erfolgreicher mit Familienfreundlichkeit
Familienfreundlichkeit sei ein Erfolgsfaktor für das Handwerk, fasst Dr. Frank Wackers, Hauptgeschäftsführer im Unternehmerverband Handwerk NRW e.V., zusammen. „Handwerk ist arbeitszeitintensiv. Auch in Zukunft wird die menschliche Arbeit das prägende Charakteristikum des Handwerks bleiben.“ Mangelnde Arbeitsleistung, Unzufriedenheit oder Mitarbeiterfluktuation hätten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ungleich größere Folgen als für einen Großbetrieb. „Erfolgsentscheidend ist die Belegschaft deshalb sowohl im Außenverhältnis, wo Kundennähe und Kundenorientierung an jeden Beschäftigten hohe Anforderungen stellen, als auch im Innenverhältnis, wo aufgrund von eher kleinen Betriebsgrößen eine hohe Verantwortung auf dem Einzelnen lastet.“

Beispiel aus der Praxis

Die Markus Temming GmbH, ein 70 Mitarbeiter starker Betrieb aus Gütersloh und bekannt für seine eigens kreierten, in eigener Manufaktur hergestellten Brillenfassungen, ist ein Beispiel für familienfreundliche Arbeitszeiteinteilung: Die Montage führen die Beschäftigten nicht ausschließlich vor Ort aus, sondern nehmen Werkzeug und Produktionsteile auch schon einmal mit heim. Vor allem Mütter und Rückkehrer aus der Elternzeit profitieren von der Möglichkeit, durch mobiles Arbeiten und Teilzeitmodelle Arbeitsort und -zeit nach ihren Bedürfnissen zu organisieren. In der profil-Ausgabe 2/2016 lesen Sie mehr dazu.

 

Schritt für Schritt zur betrieblichen Kinderbetreuung

Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten eine Kinderbetreuung ermöglichen möchten, können sich an einen einfachen Leitfaden halten. Die ersten Schritte finden Sie unten, die weiteren können Sie beim Bundesfamilienministerium nachlesen.

Per Mitarbeiterumfrage ermitteln Arbeitgeber die benötigte Anzahl von Plätzen, die Betreuungszeiten und das Alter der Kinder. Der Förderlotse des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erleichtert die Analyse.

Die Servicestelle „Betriebliche Kinderbetreuung“ unterstützt kostenfrei (Telefon 0800 0000 945, E-Mail kinderbetreuung@erfolgsfaktor-familie.de). Auch Jugendämter und weitere Einrichtungsträger klären Fragen und Schritte mit Blick auf betriebliche Kinderbetreuung.

Betreuungsplätze in einer Kindertageseinrichtung? Eigener Betriebskindergarten? Kleine und mittlere Betriebe profitieren eventuell von der Option, sich mit weiteren Arbeitgebern zusammenzuschließen.

Wichtig ist, den finanziellen Unternehmensanteil für die betriebliche Kinderbetreuung zu ermitteln. Stehen zudem Elternbeiträge, sonstige private oder öffentliche Mittel zur Verfügung?

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