Kolumne

Es gibt Chefs, die gerne den Ton angeben – am besten immer und oft lautstark. profil-Kolumnistin Bianca Fuhrmann vergleicht diese „Chef-Exemplare“ mit Leitwölfen, die ihr Rudel stets im Griff haben wollen. Das funktioniert allerdings nicht immer ...

Leitwölfe, die heulen, beißen nicht

Oft komme ich in Betriebe und weiß nach ein paar Sekunden, wer der Chef ist. Er ist nicht zu überhören: Befehle hallen durch die Flure und Werkstätten.

Diese Chefs selbst nennen solch ein Verhalten meist schlicht „delegieren“. Doch im Grunde sind sie Leitwölfe, die ungern die Führung ab-, dafür aber umso lieber den (zu lauten) Ton angeben. Manchmal fehlt die Erfahrung – beispielsweise wenn der Sohn das Ruder vom Vater übernimmt. Mit Lautstärke und Befehlston versuchen die Jungspunde sich Respekt zu verschaffen. Der ältere Leitwolf mit leicht angegrautem Fell strahlt dagegen eine natürliche Autorität aus.

 

Die Mitarbeiter wissen, woran sie sind 

Aber ist der autoritäre Führungsstil, ganz gleich ob von Jung oder Alt, noch zeitgemäß? Pauschal verteufeln kann man ihn nicht, bringt er doch einige Vorteile für den Betrieb. Die Mitarbeiter wissen, woran sie sind. Leitwölfe machen oft unmissverständliche Ansagen und geben eindeutig die Richtung vor. Sie sind der Fels in der Brandung. Und wenn die Zahlen stimmen, verzeihen Mitarbeiter ihnen auch ihre Ruppigkeit. Die Entscheidung wird auf jeden Fall getroffen, keine langen Diskussionen, kein Wegducken – ob jeder mit dem Beschluss leben kann, ist dann eine andere Frage.

Das ist die Kehrseite der Führungsmedaille: Viele Leitwölfe sind im Grunde Alleingänger. Sie verlassen sich nur auf sich selbst und den eigenen Wissensstand. In so einem Klima fällt es Mitarbeitern schwer, sich zu entfalten und eigene Ideen einzubringen. Sie lassen ihren Leitwolf machen, identifizieren sich aber oft nicht mit seinen Entscheidungen. Die Gefahr, dass sie das Rudel – und damit das Unternehmen – wechseln, ist groß. So schließt sich der Kreis: Wenn der autoritäre Betriebsführer keine Mitarbeiter mehr hat, auf die er vertrauen und bauen kann, zieht er sich weiter in seine eigene Entscheidungswelt zurück.

Leitwolf kann Leitwolf bleiben, auch wenn er sich mit seinem Rudel abspricht. Erste Hilfe für Chefs, die ihre Führung mit dem Team teilen möchten:

Ein erster Schritt für Chefs, die gewohnt sind, allein zu entscheiden, könnte sein, den Mitarbeitern Gründe für ihr Handeln zu nennen. Und vielleicht auch zu fragen: Wie hätte das Team entschieden?

Bei Entscheidungen, die nicht kriegsentscheidend sind, probeweise das Team einbinden. Dabei ruhig klein anfangen.

Nicht jeder Mitarbeiter ist vielleicht der richtige Entscheidungsträger für jede Entscheidung. Deshalb sollten Chefs schauen, wo die individuellen Stärken der Teammitglieder liegen. Jemand, der täglich mit einem Werkzeug arbeitet, kann sicher bei einer geplanten Neuanschaffung in dem Bereich am besten mitreden.

Es geht nicht darum, einen Wolf im Schafspelz zu züchten, sondern Schritt für Schritt im Sinne des Unternehmens und des Wachstums eine echte Veränderung zu erwirken.

Wenn autoritäre Führungskräfte lernen, dass das Team schlauer als der Einzelne ist, dann zapfen sie regelmäßig das Wissen an. Wichtig dabei ist, dass die Mitarbeiter für ihr Engagement auch Wertschätzung erfahren. Das bedeutet nicht in erster Linie Geld. Denn ein ernst gemeintes Dankeschön öffnet meist schneller Türen, als man sich vorstellen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Team.

Bianca Fuhrmann

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