So klappt der Betriebsverkauf

Viele Betriebsinhaber wollen ihren Ruhestand mit dem Betriebsverkauf finanzieren. Vorsicht, warnen die Handwerkskammern. Denn als alleinige Altersvorsorge reicht die Summe, die Nachfolger zahlen, meist nicht aus. Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie im Experteninterview.

„Wer erfolgreich ist, findet eher Käufer“

Viel Herzblut, Zeit und Energie stecken Betriebsinhaber in ihr Unternehmen. Steht der Verkauf des Lebenswerks an, erwarten einige Firmenbesitzer hohe Summen, die den Lebensabend finanzieren sollen. Eine Traumvorstellung, die leider häufig nichts mit der Realität zu tun hat, sagt Hubert Kersting.

Hubert Kersting berät für die Handwerkskammer Düsseldorf Handwerksunternehmen und weiß, worauf Unternehmer beim Betriebsverkauf achten sollten. Ganz wichtig: schon in jungen Jahren bei Betriebsentscheidungen an einen späteren Verkauf denken. Im Interview gibt der Experte Tipps:

Zahlreiche Betriebsinhaber haben vor, ihren Ruhestand mit dem Unternehmensverkauf zu finanzieren. Ist das realistisch?

Hubert Kersting: Das lässt sich nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten, sondern ist immer auf den Einzelfall bezogen. Was aber klar ist: Betriebsinhaber können nur im seltensten Fall ihren Ruhestand komplett aus einem Unternehmensverkauf finanzieren. Ich bin seit mehr als 30 Jahren bei der Handwerkskammer Düsseldorf als Betriebsberater tätig und habe zum Thema Unternehmensübergabe in den vergangenen zehn Jahren rund 1.500 Betriebe beraten. In den allerwenigsten Fällen war der Betrieb als alleinige Altersvorsorge denkbar. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass für ein Handwerksunternehmen keine utopischen Beträge gezahlt werden.

Für einen Handwerksbetrieb werden keine utopischen Beträge gezahlt.

Was verkauft denn ein Inhaber eigentlich genau, wenn er seinen Betrieb veräußert?

Hubert Kersting: Genau dort fängt die Problematik meist bereits an. Jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, muss sich zunächst fragen: Was ist eigentlich mein Betrieb, was macht ihn aus? Das Gebäude, in dem ich mich räumlich befinde, die Maschinen, Fahrzeuge und Betriebsausstattungen oder das theoretische, abstrakte Unternehmen? Besetze ich mit meinem Geschäftskonzept eine Nische, die mich von der Konkurrenz abhebt? Ganz gleich, zu welchem Schluss man kommt oder was einen Käufer interessieren könnte, am Ende müssen die Zahlen stimmen. Das haben Betriebsinhaber, die oft ihr ganzes Herzblut und ihre Zeit in das Unternehmen stecken, nicht immer im Blick.

 

Wie können Handwerksunternehmer objektiv den Wert ihres Betriebes schätzen?

Hubert Kersting: Am besten mit Unterstützung von Profis. Die Handwerkskammern beispielsweise unterhalten Betriebsberater wie mich, die durchaus in der Lage sind, die Situation eines Unternehmens in der Nachfolge abschätzen zu können. Mit dem Instrument der AWH-Bewertung (nähere Infos dazu im Kasten links) ermitteln wir die Ausgangsposition. Wir schauen uns die betriebswirtschaftliche Situation und die Zukunftsperspektiven an und analysieren die Lage anhand der Zahlen.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Analyse?

Hubert Kersting: Im Vorfeld von Nachfolgeüberlegungen seine Ausgangsposition zu kennen und mit 55 einen ungefähren Fahrplan zu haben, ist von Vorteil. Das Thema Unternehmensnachfolge stellt sich vor allem unter dem Aspekt Altersvorsorge bereits in jungen Jahren. Und der Status sollte von Zeit zu Zeit unbedingt überprüft werden. So alle vier, fünf Jahre.

 

Warum ist es wichtig, den Status regelmäßig zu überprüfen?

Hubert Kersting: Weil Einflüsse von außen die Situation des Betriebes jederzeit ändern können, eine Wirtschaftskrise beispielsweise. Auch in den Branchen gibt es Verschiebungen, die beachtet werden müssen. Änderungen im persönlichen Umfeld wie zum Beispiel bei einer Scheidung oder einem Schicksalsschlag machen es notwendig, sich neu zu orientieren.

 

Was können Betriebsinhaber machen, damit ihr Unternehmen möglichst attraktiv für Käufer ist?

Hubert Kersting: Die entscheidende Frage, die sich jeder Betriebsinhaber stellen sollte, ist: Habe ich ein Geschäftsmodell, das zukunftsfähig ist? Wenn ich mich bereits gedanklich zur Ruhe setze und aufhöre, ständig an dem Erfolg meines Unternehmens zu arbeiten, wird jeder potenzielle Übernehmer sagen: Dafür bin ich nicht bereit, viel zu zahlen. Die besten Chancen haben Betriebe, deren Konzept sich problemlos übernehmen lässt. Momentan ist es in den Nahrungsmittelhandwerken schwierig, Käufer zu finden. Bei den Gesundheitshandwerken sieht es da schon wieder anders aus. Dort können im Einzelfall attraktive Kaufpreise gezahlt werden. Die Lage kann sich aber auch dort schnell wieder ändern.

 

Welche steuerlichen Folgen sollten beim Betriebsverkauf beachtet werden?

Hubert Kersting: Ein Betriebsverkauf ist steuerlich begünstigt. Allerdings sollte auch hier im Einzelfall geprüft werden, welche Lösungen welche Steuerbelastungen mit sich bringen. Beispielsweise macht bei einem eigenen Betriebsgebäude eine Entzerrung zwischen Betrieb und betrieblicher Immobilie Sinn. Hier lauern im Nachfolgefall häufig Probleme. Eine frühzeitige Möglichkeit ist, dass der Betrieb vom Betriebsinhaber geführt wird, die betriebliche Immobilie – beispielsweise bei einem Neubau – aber durch die Ehefrau investiert wird.

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