Kolumne

Stress, Termindruck, Kundenwünsche – im Arbeitsalltag gibt es viel zu tun, da kommt die Nahrungsaufnahme oft zu kurz. Schnell muss es gehen. Da kann man schon mal vergessen, was so alles in der Futterluke verschwindet. In unserer Kolumne erklärt Patric Heizmann, was gegen Naschdemenz hilft ...

Naschdemenz

Der Alltag hat Chefs und Mitarbeiter gleichermaßen fest im Griff. Gewohnheiten, vor allem Essgewohnheiten, sind automatisierte Prozesse, die keinen bewussten Gedanken, keinen Energieaufwand mehr benötigen. Eine schlechte Essstrategie kostet jedoch Lebensqualität und mittelfristig die Grundlage für alles: die Gesundheit.

Wer den Fokus nur auf seine Termine richtet, Kunden zufriedenstellen will oder den Druck der Kreditgeber im Nacken spürt, der vergisst die wichtigste Ressource: sich selbst! Das Essen wird im Job hinten angestellt. Bis man so unterzuckert ist, dass man kurz davor ist, den Vanille-Duftbaum im Kundendienstauto anzukauen. Wenn sich schließlich ein Zeitfenster zum Essen öffnet, muss es schnell gehen: Der Magen wird einfach an der nächsten Imbissbude mit Kalorien vollgetankt.

 

Der Magen spielt Tetris

Um Currywurst, Pommes und Co. unterzubringen, muss der Magen Tetris spielen. Blöd, wenn der Körper zur Bewältigung der fettigen Massen das Blut aus dem Gehirn in den Verdauungstrakt pumpt. Der Darm macht Überstunden, das Gehirn einen Halbtagsjob! Umgekehrt wäre besser und würde auch der Bilanz gefallen: Denn nachweislich lohnt sich die Investition in die eigene Gesundheit. Oder die in die Gesundheit der Mitarbeiter.

Der Darm macht Überstunden, das Gehirn einen Halbtagsjob.

Was da den ganzen Tag so nebenbei in der Futterluke verschwindet, darüber verlieren viele den Überblick. Gepaart mit wenig Bewegung wandert das Genaschte in den Langzeitspeicher am Bauch oder ins Schenkelsilber. Wer unter einer „Naschdemenz“ leidet, braucht eine Strategie, sich wieder seines Essverhaltens bewusst zu werden.

Es lebe die Technik! Bewährt hat sich das Smartphone beziehungsweise seine Fotofunktion. Fotografieren Sie doch mal alles, bevor es gegessen oder getrunken wird – vier Tage lang. Das schafft Bewusstsein! Wenn sich das Fotoalbum immer weiter füllt, weiß man auch, wo die Naschplauze herkommt. Oder noch besser: Während der Aufnahme gibt es bereits die Chance für ein Klares: „Nein, das muss jetzt nicht sein.“

 

Ein bewusster Ernährungstag

Wem die Fotoaktion zu aufwendig ist, der kann im Kleinen anfangen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter einen Tag in der Woche zum „bewussten Ernährungstag“ erklären? Ein Tag, an dem bestimmte, einfache und praxisorientierte Essensregeln eingehalten werden? Keine Süßigkeiten, nur Wasser statt süßer Getränke …

Wer diesen einen Tag Woche für Woche konsequent umsetzt, spürt bald, dass es ihm an dem Spezialtag besser geht, dass er sich wohler fühlt, konzentrierter arbeitet. Ganz nebenbei (!) werden dann die Handlungen des bewussten Ernährens, die besonders einfach fielen oder einfach gut getan haben, mit in andere Tage übernommen. Mal weniger, mal mehr, aber auf jeden Fall ist es ein erster Schritt. Die Gesundheit ist die Grundlage für die Arbeitskraft.

 

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund, tun Sie aber auch was dafür.

Patric Heizmann

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