Sicher gekleidet im Sommer

Im Hochsommer mit luftiger Kleidung im Freien arbeiten: Dieser Impuls kann für Outdoor-Arbeiter ernste gesundheitliche Spätfolgen haben. Mit den richtigen Maßnahmen tragen Arbeitgeber dazu bei, das Risiko sowohl für Haut- wie auch Hitzeschäden in ihrer Belegschaft zu senken.

Sonnenschutz – Sicherheit zu jeder Zeit

Im Vergleich zu Beschäftigten in Innenräumen sind Outdoor-Arbeiter laut deutschem UV-Messnetz einer rund fünfmal so hohen UV-Einstrahlung ausgesetzt. Deshalb müssen Unternehmen diese in ihrer betrieblichen Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen und geeignete Schutzmaßnahmen planen.

Aus technischer Sicht zählen dazu etwa Schattensegel und Sonnenschirme, wie Prof. Dipl.-Ing. Frank Werner, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Prävention der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, schildert. Der Körper sollte mit dicht gewebten, atmungsaktiven Textilien geschützt werden, die UV-Strahlung reflektieren und absorbieren (siehe Kasten "Textiler Sonnenschutz").

Schutzhelme halten Sonne nur bedingt ab, da sie meist Ohren, Nacken und Gesicht aussparen. „Inzwischen gibt es aber Nackentücher auf dem Markt, die an vielen Helmen befestigt werden können“, sagt Werner. So weite sich die Protektion auf Nacken und Ohren aus. Freibleibende Körperstellen seien vor Arbeitsaufnahme großzügig mit Sonnenschutzmittel einzucremen. Lichtschutzfaktor: mindestens 30. „Nach zwei Stunden sollte man die Prozedur wiederholen“, rät Werner – sofern auf der Produktanleitung nicht anders angezeigt. Sonnenbrillen mit geeignetem UV-Filter schützen die Augen (DIN E 836, UV-Standard 400). Arbeiten in die frühen Morgen- und die Nachmittagsstunden zu verlegen, helfe zusätzlich, Schäden durch starke UV-Einflüsse zu vermeiden.

Aufklärungskampagne „Hautkrebs – nein danke!“

Nach § 3 des Arbeitsschutzgesetzes gehört es zu den Grundpflichten jedes Arbeitgebers, erforderliche Arbeitsschutzmaßnahmen zu treffen. Hilfestellung gibt unter anderem die zuständige Gewerkschaft. Besonders engagiert ist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU): „Hautkrebs – nein danke!“ heißt ihre Aufklärungs- und Präventionskampagne, zu deren Partnern die IKK classic gehört. „Wir wollen Outdoor-Worker sensibilisieren und Möglichkeiten aufzeigen, sich im Sommer vor UV-Strahlung und Hitze zu schützen“, schildert Gerhard Citrich, Leiter der IG-BAU-Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz. Aus gutem Grund: Jährlich diagnostizieren Ärzte hierzulande laut Deutscher Krebshilfe bei mehr als 250.000 Menschen Hautkrebs, Tendenz steigend.

Kampagnenlogo Hautkrebs, nein Danke

© IGBAU

Funktionskleidung und Sonnencreme

Seit weißer Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt wurde (siehe Kasten "Berufskrankheit Weißer Hautkrebs"), ist die IG BAU aktiv. Bei bundesweiten Infoveranstaltungen und Betriebsratsseminaren geben die Gewerkschafter Angehörigen aus Baugewerbe, Land, Forst und Fischerei, Gebäudereinigung sowie Malern und Lackierern unter anderem Tipps, wie sie sich bei starker Sonneneinstrahlung richtig verhalten, um rundum gesund zu bleiben. „Dazu gehört, sich vernünftig einzucremen und Funktionskleidung zu tragen“, sagt Gerhard Citrich.

Letztere stellt die Gewerkschaft in Form von nach australischen und amerikanischen UV-Standards zertifizierten Poloshirts zur Verfügung, in denen unter anderem schützendes Zinkoxid verarbeitet ist. Außerdem verteilt sie auf Veranstaltungen und Baustellen Sonnenschutzpakete, unter anderem mit nachhaltig wirksamer Sonnenlotion und einem „Sonno-Meter“. „Das ist eine Karte, mit der man auf seiner Haut die UV-Strahlung messen und feststellen kann, mit welchem Lichtschutzfaktor man sich je nach Hauttyp eincremen muss“, erklärt Citrich.

 

Auf Wunsch mit Hautscreenings

Zudem sind in Westfalen in Kürze Baustellenbesuche mit Gesundheitsexperten der IKK classic und einem Dermatologen geplant, der auf Wunsch Hautscreenings durchführt. Denn auch zur effizienten Vorsorge wollen IKK classic und die IG BAU anregen. Ebenso wie zur Nachsorge. „Wir geben Postkarten aus, mit denen mutmaßlich an weißem Hautkrebs Erkrankte einen Antrag bei ihrer gesetzlichen Unfallversicherung stellen können. Die übernimmt bei Anerkennung der Berufskrankheit die Kosten der bestmöglichen Behandlung.“

Arbeitskleidung und Kosten

Der Begriff Arbeitskleidung hat verschiedene Kategorien. Im engeren Sinn markiert er zunächst den Unterschied zur Privatkleidung. In der Regel wählt der Arbeitnehmer diese selbst und trägt Anschaffungs- und Reinigungskosten. Auch bei Berufskleidung (zum Beispiel Kellner) muss der Arbeitgeber keine Kosten übernehmen. Dienstkleidung kennzeichnet Angehörige bestimmter Branchen wie Polizei oder Post. Macht der Arbeitgeber Vorgaben dazu, trägt er Kosten für Anschaffung und Reinigung. Schutzkleidung wie Sicherheitsbrillen, -schuhe und -helme muss dort getragen werden, wo gesetzliche Vorschriften einzuhalten sind: etwa, um Unfällen vorzubeugen oder Hygienerichtlinien einzuhalten. Dafür trägt der Arbeitgeber die Kosten.

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