Kolumne

In der profil-Kolumne stellt sich Marco von Münchhausen dieses Mal die Frage: Wie geht man damit um, wenn der Kollege unangenehm riecht? Ihn aus der Gruppe ausgrenzen? Einfach den Sommer abwarten? Ihn ansprechen? Tipps für die Nase im Berufsalltag.

„Verzeihung, Kollege, Sie müffeln!“

Schwierige Gesprächssituationen im Unternehmen – und ihre Lösung

So geschwätzig unser innerer Schweinehund meist auch ist – manchmal bekommt er den Mund nicht auf. Schwierige Gesprächsthemen mit den Kollegen oder Mitarbeitern sind so ein Fall. Da lässt er uns in Momenten verstummen, in denen ein klares Statement angebracht wäre. Die kommenden Sommermonate stellen so manchen wieder vor eine ganz besondere Herausforderung: Wer kennt nicht den an sich ganz netten Kollegen oder die immer so hilfsbereite Kollegin, die einen beim Betreten des Büros reflexartig zum Fenster stürzen lässt ob der schweißgetränkten Duftmarken, die in Windeseile das Zimmer durchziehen. „Verzeihung, Kollege, Sie müffeln!“ möchte man ausrufen – aber da ist natürlich der innere Schweinehund schneller: „Sag bloß nichts, Du machst dich unbeliebt!“

 

Minenfeld Kommunikation

Kommunikation kann in vielen Bereichen schiefgehen, und zweifelsohne sind Fragen des Körpergeruchs ein Thema, um das innere Schweinehunde ihr Frauchen oder Herrchen einen großen Bogen machen lassen. Und das hat nachvollziehbare Gründe: Wie so häufig möchte uns der Schweinehund vor unguten Erfahrungen und schlechten Gefühlen bewahren. Im sowieso hochexplosiven „Kommunikationskosmos Büro“ möchte er nicht derjenige sein, der für schlechte Stimmung sorgt – dann lieber: Fenster auf und darauf hoffen, dass der liebe Kollege den Wink mit dem Zaunpfahl versteht. Nur klappt das leider nur in den seltensten Fällen. 

 

Klartext reden – aber immer diplomatisch bleiben

Wie so häufig ist die einfachste Lösung oft auch die beste: Direkt sagen, worum es geht, klar formulieren und unmissverständlich sagen, was nicht passt – dabei aber immer diplomatisch bleiben und den anderen nicht verletzen. Die folgenden Tipps berücksichtigen auch den inneren Schweinehund Ihres Gesprächspartners:

Der Schweinehund rät: Wart noch ein bisschen. Die Erfahrung lehrt: Das bringt nichts. Der Kollege oder die Kollegin ist in eigenen Sachen „geruchsblind“ – den eigenen Körpergeruch nehmen die meisten von uns einfach nicht wahr. Deswegen bringen auch mehr oder minder diskrete Zaunpfähle wie das aufgerissene Fenster nicht viel – der andere versteht den Wink schlicht nicht. Und die Gefahr ist: Je länger Sie warten, desto höher ist die Gefahr, dass unguter Bürotratsch entsteht.

Das ist ganz entscheidend: Machen Sie das Problem nicht zum Thema auf der wöchentlichen Abteilungsbesprechung. Das wäre verletzend und bringt alle Schweinehunde zum Aufheulen – vor allem den des betroffenen Kollegen.

Wichtig ist die Auswahl des richtigen Gesprächspartners. Generell gilt: „Müffeln“ ist eher kein Mann/Frau-Thema. So etwas lässt sich besser unter Kollegen oder Kolleginnen besprechen. Es hilft außerdem, wenn eine möglichst vertraute Person das Gespräch führt – von ihr nimmt der andere einen solchen Hinweis in der Regel besser an.

Der Gesprächseinstieg ist das Wichtigste. Der flapsig gemeinte Hinweis „Die Kollegen sind übrigens der Ansicht, dass du müffelst“ macht mehr kaputt als dass er nützt. Denn damit wird auch gesagt: „Du bist schon länger Teeküchenthema …“. Also besser aus der Ichperspektive starten – zum Beispiel „Mir ist aufgefallen, dass Dein Deo in letzter Zeit öfters mal versagt. Mir ist das vor einiger Zeit auch mal so gegangen, und da war ich ganz froh, dass mich ein Kollege darauf hingewiesen hat.“ Der letzte Teil muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen, aber auf diese Weise schaffen Sie eine gemeinsame Gesprächsgrundlage.

Passende Artikel
Kolumne
Kolumne: Netzwerken für Anfänger

So geht effektives Netzwerken.

Führung
Kolumne
Kolumne

Pflicht ausüben trotz Bindungen

Führung
Kolumne
Kolumne

Kolumnistin Bianca Fuhrmann zu Führungskräften und ihren Macken.

Bildnachweis Headergrafik: © Richard Morrell/ Corbis/Getty Images