Gesundheitsexperten

Unsere Gesundheitsexperten Manuela Nagel und Stephan Lingner geben Tipps zu den Bereichen Sozialversicherung und Gesundheit im Betrieb.

Die IKK-Gesundheitsexperten

Sie haben Fragen zur Sozialversicherung oder zur Gesundheit im Betrieb? Dann können unsere Gesundheitsexperten Ihnen weiterhelfen. Stephan Lingner ist Fachberater für Sozialversicherungsthemen bei der IKK classic und kennt sich mit den Feinheiten der gesetzlichen Sozialversicherung sowie des Aufwendungsausgleichsgesetzes bestens aus. Seine Kollegin Manuela Nagel ist Gesundheitsmanagerin und Sportwissenschaftlerin. Sie verrät nützliche Tipps und Tricks aus ihrem Joballtag, in dem sie Betriebe berät, deren die gesundheitliche Situation analysiert und gemeinsam mit der Betriebsführung Verbesserungen erarbeitet.

Sie haben abgestimmt!

In der letzten Ausgabe der profil konnten Sie sich entscheiden, welche Frage unsere Gesundheitsexperten als nächstes beantworten sollen. Die Entscheidung ist auf folgendes Sozialversicherungsthema gefallen, das Stephan Lingner einmal näher beleuchtet:

Ferienjobs – das müssen Unternehmer beachten

Ferienjobs

Kleine Botengänge dürfen auch junge Ferienjobber erledigen.

© altrendo images/Stockbyte/Getty Images

Ein Ferienjob ist nicht nur für Schüler eine wichtige Erfahrung und gute Vorbereitung aufs Berufsleben. Auch Betriebsinhaber profitieren von der Unterstützung in der Ferienzeit: Es fallen ggf. nur geringe Beiträge zur Sozialversicherung an. Und im besten Fall können sich Unternehmer auf diese Weise den Nachwuchs fürs nächste Ausbildungsjahr sichern.

IKK-Sozialversicherungsexperte Stephan Lingner erklärt die Rahmenbedingungen für Ferienjobs und erläutert die Vorteile dieser Tätigkeit für Unternehmer.

Zunächst einmal: Kinderarbeit ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Aus diesem Grund dürfen Kinder unter 13 Jahren in ihren Ferien nicht jobben. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren dagegen können aufgrund einer Ausnahmeregelung im Jugendschutzgesetz leichte und geeignete Arbeiten verrichten. Die Tätigkeiten sollten sie nicht körperlich überfordern – der Erholungswert in den Ferien muss erhalten bleiben, die Leistungen in der Schule dürfen nicht beeinträchtigt werden.

 

Wie lange dürfen Jugendliche täglich arbeiten?

13- und 14-Jährige: Sie können bis zu zwei Stunden pro Tag kleinere Jobs übernehmen, wie zum Beispiel Zeitungen austragen oder einfache Botengänge. Die Arbeit darf die Gesundheit nicht gefährden und Eltern müssen zuvor ihre Zustimmung geben.

15- bis 17-Jährige: Diese Jugendlichen dürfen in den Ferien bis zu acht Stunden pro Werktag jobben. In der Woche allerdings höchstens 40 Stunden und maximal 20 Arbeitstage im Jahr. Fließband-, Wochenend- oder Nachtarbeit sind in der Regel verboten. Ausnahmen gibt es in seltenen Fällen, beispielsweise in Krankenhäusern oder Gaststätten. Die Schüler dürfen keine schweren Dinge tragen oder gar gefährliche Arbeiten ausführen. Regelmäßige Arbeiten bei Hitze, Nässe, Kälte oder Lärm sind ebenfalls tabu.

 

Welche Pausenzeiten sind vorgegeben?

Wer bis zu 4,5 Stunden arbeitet, muss mindestens 15 Minuten Pause machen. Mindestens 30 Minuten Auszeit sind bei einer täglichen Arbeitszeit von 4,5 bis sechs Stunden und 60 Minuten bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden vorgeschrieben.

 

Welche Versicherungs- und Steuerpflichten kommen auf mich als Arbeitgeber zu?

Unfallversicherung: Schüler müssen auch für einen Ferienjob unfallversichert werden. Bei einem Arbeitsunfall muss der Betriebsinhaber den Schaden über seine gesetzliche Unfallversicherung abwickeln.

Sozialversicherung: Der klassische Fall des Ferienjobs in den Schulferien gilt als kurzfristige Beschäftigung. Zu beachten ist, dass die Dauer von bis zu 3 Monaten bzw. 70 Arbeitstage nicht überschritten wird. Die Höhe des Entgelts spielt keine Rolle. In diesem Fall fallen für den Schüler keine Beiträge zur Sozialversicherung an. Dennoch sind Umlagen zur Minijob-Zentrale zu entrichten.

Wird die vorgenannte Zeitgrenze überschritten, handelt es sich bei einem Arbeitsentgelt bis 450 Euro im Monat um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung bzw. bei einem höheren Entgelt um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Schulabgänger: Bei Schulabgängern kann es eine Ausnahme geben: Wer mit einem Job die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn überbrückt und mehr als 450 Euro im Monat verdient, wird sozialversicherungspflichtig.

Steuer: Vom erzielten Arbeitsentgelt sind Steuern zu entrichten. Diese können entweder pauschal vom Arbeitgeber getragen werden oder normal über den üblichen Lohnsteuerabzug abgeführt werden.

Mehr Informationen bei der Minijob-Zentrale.

Ferienjobs für die eigenen Kinder

Wer in den Ferien die eigenen Kinder beschäftigen will, muss als Betriebsinhaber dieselben strengen Kriterien beachten wie bei Anstellung des Ehepartners.

Es sollte ein schriftlicher Vertrag wie mit fremden Ferienjobbern abgeschlossen werden.

Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden sollte pro Tag schriftlich festgehalten werden, um beweisen zu können, dass das Kind tatsächlich gearbeitet hat – und somit der Arbeitsvertrag nicht nur auf dem Papier besteht, um Steuern zu sparen.

Unternehmer sollten den eigenen Kindern die gleichen Konditionen bieten wie fremden Schülern. Das Gehalt und die ausgeführten Arbeiten müssen also vergleichbar sein.

Ein weiteres Sozialversicherungsthema:

Was müssen Betriebsinhaber beachten, die einen Rentner beschäftigen möchten?

Rentner können für einen Betrieb eine Bereicherung sein. Die älteren Mitarbeiter haben jahrelange Berufserfahrung und zeichnen sich oft durch ihre hohe Sozialkompetenz aus. Für Betriebsinhaber, die – auch aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels in Deutschland – Schwierigkeiten haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sind Rentner eine gute Lösung. Doch was müssen Arbeitgeber beachten, die einen Rentner beschäftigen wollen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen älteren Mitarbeiter im Betrieb aufzunehmen. Häufig werden Rentner in den Grenzen der Geringfügigkeit beschäftigt. Immer mehr arbeiten aber auch im versicherungspflichtigen Umfang weiter. In beiden Fällen müssen Arbeitgeber versicherungs-, beitrags- und melderechtliche Bedingungen beachten.

Hier einmal die wichtigsten Fakten für Sie in Kürze:

Kurzfristige Beschäftigung

Bei dieser Art von Beschäftigung – für maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr – sind Rentner in der Regel sozialversicherungsfrei (Diese Zahlen gelten nur im Rahmen einer Übergangsregelung bis 31. Dezember 2018.). Für die Prüfung der Kurzfristigkeit gibt es eine Besonderheit: Ist die einzustellende Person erst im Jahresverlauf aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden, werden für diese Prüfung nur die Beschäftigungszeiten nach dem Ausscheiden berücksichtigt.

Minijob/geringfügige Beschäftigung

Eine geringfügige Beschäftigung – auch Minijob genannt – besteht, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt maximal die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro im Monat erreicht. Diese Mitarbeiter sind kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei. In der Rentenversicherung besteht grundsätzlich Versicherungspflicht. Es besteht aber eine Möglichkeit der Befreiung. Bezieher einer Altersvollrente sind rentenversicherungsfrei.

Midijob

Der sogenannte „Midijob“ in der Gleitzone von 450,01 Euro bis 850 Euro ist voll sozialversicherungspflichtig. Während der Arbeitnehmer nur einen reduzierten Sozialversicherungsbeitrag zahlen muss (beispielsweise bei 450,01 Euro etwa 15 Prozent des Arbeitsentgelts), trägt der Arbeitgeber den vollen Beitragsanteil.

Mit dem „Gleitzonenrechner“ der IKK classic kann der exakte reduzierte Sozialversicherungsbeitrag berechnet werden.

Hier finden Sie weitere Infos zum Thema geringfügig Beschäftigte …

 

Versicherungspflichtige Beschäftigung

Altersrenten

Krankenversicherung: Vollrentenbezieher haben keinen Krankengeldanspruch. Die Beitragsberechnung erfolgt anhand des ermäßigten Beitragssatzes.

Teilrentenbezieher können im Falle der Arbeitsunfähigkeit ein Krankengeld erhalten. In diesem Fall erfolgt die Beitragsberechnung mit dem allgemeinen Beitragssatz.

Zusatzbeitrag: Der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung ist ebenfalls zu entrichten.

Pflegeversicherung: Der Altersrentenbezug wirkt sich nicht auf das Versicherungsverhältnis beziehungsweise den anzuwendenden Beitragssatz aus. Rentner ohne Kinder zahlen einen Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung. Beschäftigte Rentner, die vor dem 1. Januar 1940 geboren sind, zahlen keinen Beitragszuschlag (0,25 Prozent).

Rentenversicherung: Altersvollrentner, nicht aber Teilrentner, sind versicherungsfrei. Der Arbeitgeber ist dagegen nicht von seiner Beitragspflicht befreit.

Arbeitslosenversicherung: Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sind, unabhängig von der Zahlung einer Altersrente, bis zum Ablauf des Monats zu zahlen, in dem der Beschäftigte die Altersgrenze für die Regelaltersgrenze erreicht hat. Danach entfällt die Beitragspflicht für den Arbeitnehmer. Aber Arbeitgeber müssen in diesen Fällen beachten, dass sie den halben Arbeitslosenversicherungsbeitrag weiterhin zu zahlen haben.

Die aktuellen Beitragssätze der IKK classic gibt es hier.

 

Erwerbsminderungsrenten

Krankenversicherung: Es gelten die Regelungen wie bei der Altersrente.

Pflege- und Rentenversicherung: Hier hat der Bezug einer Erwerbsminderungsrente keine Auswirkungen.

Arbeitslosenversicherung: Der Bezug einer Rente wegen voller Erwerbsminderung führt zu Versicherungsfreiheit in der Beschäftigung. Eine teilweise Erwerbsminderung ändert jedoch nichts am Status.

 

Dies ist allerdings nur ein grober Überblick über die geltende Rechtslage. Ergeben sich noch Fragen, stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrem Fachzentrum Mitgliedschaft und Beiträge gern für Auskünfte und Beratung zur Verfügung.

Passende Artikel
IKK classic
Service
Gesundheitsexperten
Die IKK-Gesundheitsexperten

Katja Keller-Landvogt erklärt ein Gesundheitsthema.

IKK classic
Service
Gesundheitsexperten
Die IKK-Gesundheitsexperten

Stephan Lingner erklärt ein Sozialversicherungsthema.

Service
Gesundheitsexperten
Die IKK-Gesundheitsexperten

Björn Stark gibt Tipps für einen bewegten Büroalltag.

Bildnachweis Headergrafik: © Harald Krieg/bildwerkeins - paul walther