Ein Malerbetrieb erobert die sozialen Medien

Der Malerbetrieb Dirk Borsch ist bei Twitter, Facebook und Co. sehr aktiv. Nahezu jeden Tag postet das Familienunternehmen Neuigkeiten. Die Strategie im Netz geht auf: Fast alle Neukunden werden über das Internet auf die Firma aufmerksam.

Ein Malerbetrieb erobert die sozialen Medien

Bis vor vier Jahren wusste Marieluise Borsch mit dem Begriff „Social Media“ nicht viel anzufangen. Sie war nicht auf Facebook vertreten, hatte noch nie etwas von Twitter gehört. Mittlerweile twittert Borsch fast jeden Tag über den Malerbetrieb ihres Mannes. Vor Kurzem wählte die Handwerkskammer zu Köln die Unternehmensseite sogar zur „Homepage des Monats“.

„Auf unsere Online-Präsenz sind wir sehr stolz“, sagt Marieluise Borsch. Es ist letztlich ihr Verdienst, dass das Familienunternehmen mittlerweile in fünf sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter, Google+, Xing und Pinterest) vertreten ist. Sie betreut die Online-Aktivitäten des Malerbetriebs Dirk Borsch aus Alfter (Rhein-Sieg-Kreis) seit einer Schulung vor etwa vier Jahren bei der Handwerkskammer zu Köln. „Ich habe bei anderen Unternehmen gesehen, wie die im Internet aktiv waren. Mir wurde klar, dass wir mitziehen müssen“, sagt sie. Die Homepage wurde damals von einer IT-Firma komplett neu gestaltet. „Nach ganz genauen Wünschen und Vorgaben von uns“, betont Borsch. Wichtig sei ihnen gewesen, dass die Website persönlicher wird. Wer heute die Startseite öffnet, wird deshalb zuerst von einem großen Foto des Ehepaares empfangen – beide lächeln, darunter die Kontaktbox „So erreichen Sie uns“.

Malerbetrieb Borsch erobert die sozialen Netzwerke

Direkt auf der Startseite empfängt das Ehepaar die Besucher mit einem Foto.

© Busch

„Das haben wir in der Schulung gelernt. Die Kunden wollen im Internet persönlicher angesprochen werden. Sie wollen auch einen Einblick hinter die Firma erhalten, wissen, wer wir als Familienunternehmen sind“, erklärt Borsch. Damit könne man sich von anderen Betrieben abheben, die nüchtern lediglich ihre Arbeit und ihre Angebote präsentieren. Natürlich postet auch Borsch regelmäßig Fotos von Tapeten, die ihr Mann bei einem Kunden angebracht hat, aber sie sagt: „Zwischendurch posten wir gerade bei Facebook und Twitter immer etwas, das eine andere Seite zeigt.“

Auch aus den Betriebsferien wird gepostet

So veröffentlicht das Ehepaar aus den Betriebsferien ein Foto mit dem Text: „Zeit für eine kreative Auszeit, denn auch wir und unsere Jungs brauchen zwischenzeitlich ein wenig Erholung.“ Im Hintergrund der Urlaubsort, in der Hand ein Glas Sekt. Immerhin 45 Fans auf Facebook gefällt das, Kunden wünschen unter dem Bild „Gute Erholung“.

Auf unsere Online-Präsenz sind wir sehr stolz.

Neue Trends, Mitarbeiter und Tipps

Alle zwei, spätestens aber alle vier Tage gibt es auf den Social-Media-Kanälen der Firma eine neue Nachricht. Das ist wichtig, um die Nutzer bei der Stange zu halten. Es gibt Hinweise auf neue Trends im Bereich Wohnraumgestaltung, Fotos von den Mitarbeitern bei der Arbeit, Tipps, wie Risse in Wänden vermieden werden können – und auch mal ein Foto von bunten Tulpen mit dem Spruch: „It’s Friday. Allen Lesern wünschen wir ein farbenfrohes, sonniges Wochenende.“ Der Malerbetrieb hat mittlerweile sogar einen Blog (https://malerbetriebborsch.wordpress.com/).

Kritische Stimmen werden fragen: Und was bringt das Ganze dem Betrieb? „Neue Kunden“, sagt Marieluise Borsch. So gut wie alle Neukunden würden neben Empfehlungen über die Social-Media-Kanäle des Unternehmens kommen. Um das nachvollziehen zu können, fragen sie und ihr Mann immer nach, wie der Kunde auf den Betrieb gestoßen sei. „Zudem kontrolliere ich einmal im Monat unsere Zugriffe auf die Homepage über Google My Business. Das Angebot ist kostenlos und wir können schauen, über welche Kanäle die meisten User zu uns kommen“, erklärt sie und schaut gleich mal in die Statistik: 498 Personen haben die Betriebsinternetseite im vergangenen Monat besucht. „Ganz gut“, resümiert die Expertin.

Tipps für Ihre Homepage

Die eigene Homepage kann ein guter Weg sein, um neue Kunden zu gewinnen. Doch dafür sollte sie einige Voraussetzungen erfüllen. Wir zeigen in unserer Bildergalerie fünf Betriebe, die eine Homepage haben, die sich sehen lassen kann. Schauen Sie rein und lassen Sie sich inspirieren:

Drei Fragen an ...

... Andreas Gerdau. Der Diplom-Kaufmann ist auf Kommunikation und Social Media spezialisiert. Er berät und schult Betriebe im Auftrag der Handwerkskammer zu Köln.

 

Warum ist es auch für kleinere Handwerksunternehmen wichtig, Social-Media-Kanäle zu bedienen?

Andreas Gerdau: Social Media ist ein Kommunikationskanal, der in Zukunft weiter existiert und werbetechnisch immer weiter ausgebaut wird. Es gibt schon jetzt Handwerksunternehmen, die vor allem bei dem großen Vorreiter Facebook ganz aktiv dabei sind – sowohl mit Unternehmensseiten als auch mit Werbeschaltungen. In Zukunft werden sicherlich weitere Kanäle neben Facebook ausgebaut. Um mithalten zu können, sollten sich auch kleine Betriebe mit dem Thema beschäftigen.

 

Was bringt das den Betrieben ganz konkret?

Andreas Gerdau: Social Media ist nicht nur als ein reiner Vertriebskanal zu sehen, sondern eben vor allem als Kommunikationsmedium. Eine Präsenz kann natürlich auch einen erhöhten Umsatz mit sich bringen. Der Bereich ist quasi die moderne Form der Weiterempfehlung. Beispielsweise wenn jemand einen Handwerksbetrieb auf Facebook likt, schaut sich das ein Freund näher an und ist ein potenzieller Neukunde.

 

Haben Sie konkrete Tipps, wie ein Betrieb vorgehen kann, der im Social-Media-Bereich aktiv werden möchte?

Andreas Gerdau: Ja, da unterscheide ich ganz klar nach sechs Schritten, die Betriebe zu Beginn verfolgen sollten:

Warum will ich da rein? Will ich neue Mitarbeiter gewinnen oder neue Kunden? Will ich vielleicht Geschäftskontakte knüpfen oder ausbauen? Das sollte man für sich selbst klar festlegen.

 

Offline und online ist dieser Punkt von zentraler Bedeutung. Wen will ich erreichen? Bei Facebook erreicht man eine andere Zielgruppe als bei Twitter.

Je nachdem, welche Ziele man formuliert hat, sollte man sich zum Start auf ein Netzwerk beziehungsweise auf einen Kanal konzentrieren. Facebook beispielsweise wäre besonders geeignet für Betriebe, die kundenorientiert vorgehen wollen, also B2C. Dort kann der Goldschmied seine neue Kettenkollektion oder der Malermeister seine neu eingetroffenen Tapeten posten.

 

User wollen etwas Interessantes lesen, damit sie dabeibleiben. Zum Beispiel was hinter dem Unternehmen steckt. Der Betrieb stellt auf diesem Weg neue Mitarbeiter vor oder gibt Hinweise auf Innovationen.

 

Rechtlich sollte ein Betriebsinhaber auch im Internet auf der sicheren Seite sein. Um nur ein Beispiel zu nennen: Auf der Facebook-Unternehmensseite braucht man ein Impressum. Manche Bereiche sind noch nicht rechtlich komplett klar formuliert, momentan noch in einer Grauzone. Hier vielleicht bei Experten, beispielsweise bei Handwerkskammern, nachfragen.

 

Sie brauchen einen Mehrwert, warum sich Personen auf dieser Seite aufhalten sollen. Es gibt eine neue Lackiertechnik, Ihr Betrieb bietet seit kurzer Zeit Kurse zum Selberschmieden für Kunden an … Neues und Außergewöhnliches weckt das Interesse.

Andreas Gerdau

© privat

Zur Person

Andreas Gerdau bietet regelmäßig im Auftrag der Handwerkskammer zu Köln Seminare zu den neuen Informations- und Kommunikationstechniken im Bereich Social Media an. Die neuen Termine werden zeitnah auf der Homepage der Handwerkskammer veröffentlicht. Bei Fragen zu den Kursen können sich Betriebsinhaber auch direkt an ihn wenden: 0221 2022309, gerdau@hwk-koeln.de.

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