Kunst aus dem 3-D-Drucker

Die Kunstgießerei Gebrüder Ihle aus Dresden verbindet traditionelles Handwerk mit digitalen Neuerungen. Seit einem Jahr druckt der Familienbetrieb Formen mit 3-D-Technik aus. Die beiden 3-D-Drucker laufen mittlerweile fast ununterbrochen.

Digitale Kunst

Vor etwa einem Jahr schaffte Thomas Ihle den ersten 3-D-Drucker an. Bereits nach kurzer Zeit konnte der Inhaber der Kunstgießerei Gebrüder Ihle den Aufträgen mit einem Gerät nicht mehr nachkommen – er kaufte einen zweiten.

Dass er überhaupt den Schritt in die digitale Welt wagte, war für ihn einfach die konsequente Weiterentwicklung seines Handwerks. Er habe den rasanten Fortschritt in anderen Fertigungsverfahren – beispielsweise beim Fräsen – verfolgt. „In den vergangenen zehn Jahren ist die Bedeutung von technologischen Neuerungen hier immer größer geworden. Ich wollte bei der Entwicklung im Kunstguss dabei sein“, erzählt er. Da er sich bis dahin aber nie mit 3-D-Druckern auseinandergesetzt hatte, informierte er sich zunächst – auch auf digitalen Kanälen, nämlich im Internet. „Ich stieß schnell auf einen professionellen Druckanbieter, der allerdings große Maschinen für die Industrie fertigte. Da lag ein Gerät schon gerne bei 250.000 Euro“, erinnert sich der Betriebsinhaber.

Ich wollte bei der Entwicklung im Kunstguss dabei sein.

Bei einem Schweizer Hersteller stieß er dann auf ein Kunststoff-Druckverfahren, das seinen Ansprüchen eher entgegenkam. Diese Drucker fertigen Teile, die etwa einen Meter Durchmesser haben. „Für das Geld könnte man sich immer noch einen Kleinwagen kaufen“, sagt Ihle.

Die Investition hat sich aber gelohnt. Die 3-D-Geräte laufen seit Herbst vergangenen Jahres fast durchgehend. „Bei rund einem Drittel unserer Aufträge setzen wir sie ein.“ Würde er weitere Drucker anschaffen, könnte er die Quote steigern. Das sei allerdings momentan nicht geplant. Seine fünf Mitarbeiter sind voll ausgelastet.

Kunstgießerei Ihle, 3-D-Druck

Moderne Messtechnik: Mitarbeiter der Kunstgießerei vermessen Skulpturen mit einem Handscanner. Die gelben Markierungen im Pferd dienen als Orientierung für das Gerät.

© www.bildguss.de

Aufträge für seine digitalen Werkzeuge erhält der Betrieb von kleinen Firmen, privaten Kunden und über Ausschreibungen – beispielsweise von Städten. Das Verfahren ist immer unterschiedlich. Mal dient eine fertige Großskulptur aus Bronze als Vorbild, wenn zum Beispiel ein kleineres Modell davon gefertigt werden soll. Mitarbeiter der Kunstgießerei vermessen die Skulptur mit einem Handscanner – der einem Produktscanner im Supermarkt ähnelt. Die Daten werden im Computer zusammengetragen, der 3-D-Drucker erstellt daraus ein detailgetreues Modell aus Kunststoff. Bei anderen Aufträgen gibt es keine Vorlage. Dann zeichnen Ihle und seine Mitarbeiter mithilfe eines Grafikprogramms ein Modell der gewünschten Figur am PC. Die digitale Zeichnung dient dann als Orientierung für den 3-D-Drucker.

Änderungswünsche können einfacher umgesetzt werden

Der Vorteil im Vergleich zu Zeichnungen auf Papier und Modellen, die früher erst in Handarbeit mit Hammer und Meißel gefertigt wurden: „Es sind immer mehr Leute an der Entstehung eines Produktes beteiligt. Änderungswünsche können wir jetzt ganz einfach digital mit ein paar Mausklicks einfügen. Früher mussten wir ein neues Modell, eine neue Zeichnung anfertigen. Bis zum Endprodukt konnten das schon mal sieben Versuche werden“, sagt Ihle.

Kunstgießerei Ihle, 3-D-Druck

Mithilfe spezieller Grafikprogramme wird eine Vorlage für den 3-D-Drucker erstellt..

© www.bildguss.de

Trotz modernster Technik kommt bei jedem Produkt, das die Kunstgießerei herstellt, immer auch das traditionelle Handwerk zum Einsatz. So müssen nach dem Druck entstandene Kanten abgeschliffen werden. Zudem arbeiten die Mitarbeiter bestimmte Bereiche mit Wachs aus. „Bei einer Büste, die wir momentan herstellen, bessern wir an dem ausgedruckten Rohling zum Beispiel noch die Augenlider nach. Ansonsten sähe die Figur sehr maskenhaft aus“, erklärt Ihle. Für Details müssen eben immer noch die geübten Hände der Profis ran.

Digitalisierung ist ein ständiger Lernprozess

Der Umgang mit den 3-D-Druckern und den ergänzenden Computerprogrammen war für den Chef und seine Mitarbeiter Neuland. Für die Eingewöhnungszeit stellte Ihle deshalb extra mehrere Praktikanten ein, die sich mit der Technik auskannten und das Team in die Bedienung einführen konnten. „Mein Sohn hat sich in dieser Phase auch sehr engagiert“, sagt der Betriebsinhaber. Die sogenannten „Digital Natives“ – die also mit Computern, Handys und digitaler Technik groß geworden sind – hätten eine schnellere Auffassungsgabe für den Bereich und bessere Voraussetzungen.

Mittlerweile gehört die Nutzung der 3-D-Drucker zum Arbeitsalltag und die Handgriffe sitzen. Auf dem Erlernten könne man sich allerdings nicht ausruhen, sagt der Unternehmer. Ständig gebe es Weiterentwicklungen und neue Programme – da müsse man am Ball bleiben und sich kontinuierlich informieren. „Die Digitalisierung ist immer noch ein Lernprozess für uns“, betont Ihle.

Blick in die Kunstgießerei Ihle

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