Der digitale Fußabdruck

Christoph Mätzold ist in fünfter Generation Orthopädieschuhtechniker. Er hat eine klassische Ausbildung samt Meisterprüfung absolviert. Doch sein Betrieb unterscheidet sich von den meisten seiner Kollegen - denn bei ihm läuft fast alles digital ab. 

Der digitale Fußabdruck

Auf der Onlineplattform von Orthopädieschuhtechniker Christoph Mätzold können Kunden mit wenigen Klicks, die für sie passende Schuheinlage konfigurieren. Bei der Fertigung der orthopädischen Hilfsmittel kommen 3-D-Maschinen zum Einsatz. Digitalisierung in jedem Arbeitsschritt.

Christoph Mätzold (32) ist in fünfter Generation Orthopädieschuhtechniker. Sein Urgroßvater passte bereits vor 128 Jahren Schuhe dem Menschen an. Sein Urenkel verwendet noch heute einige der traditionellen Handgriffe – allerdings gepaart mit Technik, von der seine Vorfahren wohl noch nicht einmal geträumt haben. Mätzold hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Kunden zu Hause selbst Fußscans durchführen – einen digitalen Fußabdruck sozusagen.

Viele Kunden wollen heutzutage möglichst schnell das gewünschte Produkt im Internet bestellen – auch Schuheinlagen.

Dazu drücken sie ihren Fuß auf einen handelsüblichen Scanner. „Nur nicht draufstellen, sonst bricht er“, sagt Mätzold. Die Prozedur sollte im Sitzen und nur unter leichtem Druck durchgeführt werden. Der Scan wird dann direkt über die Internetseite an Mätzolds Betrieb mit Sitz in Leipzig geschickt. Noch einfacher geht es mit einem Feucht-Fußabdruck, der auf einem Blatt Papier zu Hause abgegeben und per Foto über WhatsApp an die Mitarbeiter geschickt werden kann. Auf der Internetseite seines Unternehmens „myonso – Meine Online Sohlen“ erklären Videos und Zeichnungen die Verfahren.

„Diese Art von Einbindung der technologischen Möglichkeiten war für mich einfach der logische Schritt, mein Handwerk in die Zukunft zu führen. Viele Kunden wollen heutzutage möglichst schnell das gewünschte Produkt im Internet bestellen – auch Schuheinlagen“, erläutert Mätzold seine Idee für die Onlineplattform.

Ihm ist wichtig zu betonen, dass er trotz aller technischer Zusatzausrüstungen eine klassische Ausbildung zum Orthopädietechniker gemacht hat, mit anschließendem Meister. „Mit 24 Jahren habe ich dann bereits meinen eigenen Betrieb in einem Orthopädietechnik-Fachzentrum geleitet“, sagt der heute 32-Jährige. Vor vier Jahren kam ihm die Idee, aus dem klassischen Handwerk eine digitale Version zu machen. „Es hat lange gedauert, bis die nötigen Computerprogramme entwickelt waren“, erklärt er.

Betrieb myonso

Mit 3-D-Fräsmaschinen werden die Sohlen in die richtige Form gebracht.

© myonso

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren läuft das Online-Geschäft. Und zwar gut, sagt der Unternehmer. „Das war eine Neuerung auf dem Markt. Das musste sich erst rumsprechen.“ Für seine Gründung hat er zahlreiche Preise abgeräumt. Erst in diesem Jahr den Innovationspreis der Handwerkskammer Leipzig.

Seine Kunden seien altersmäßig bunt gemischt – und nicht nur in der Generation zu finden, die mit Computern groß geworden ist. „Mein jüngster Kunde bisher war um die 20 Jahre alt, mein ältester um die 70“, erzählt der Betriebsinhaber. Und nicht nur aus Deutschland erhält er seine Online-Bestellungen. Seine orthopädischen Schuheinlagen gehen unter anderem nach Alaska, Schweden und Belgien. 

Mit wenigen Klicks zum Ziel

Gefertigt werden sie in der hauseigenen Werkstatt. Wie bei einem Betrieb, der auf digitalen Beinen steht, zu erwarten, mit 3-D-Fräsmaschinen. Kritikern, die glauben, die moderne Technik könnte nicht mit der reinen Handarbeit mithalten, entgegnet Mätzold: „Unsere Einlagen sind sicherlich individueller und besser angepasst als herkömmliche Trittschaumabdrücke.“

Damit die Einlagen perfekt in den Schuh und zum Fuß passen, sollen Kunden am besten so viele Informationen wie möglich senden. Die Größe des Fußes, das Körpergewicht, wenn vorhanden Arztdiagnosen, welcher Schuhtyp die Sohle später enthalten soll – online müssen die Informationen direkt eingegeben werden, mit wenigen Klicks. „Dieses Verfahren spart Zeit und kann rund um die Uhr erfolgen. Das ist Kunden in der heutigen Zeit wichtig“, sagt der Betriebsinhaber.

 

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