Der Azubi 4.0

Die Digitalisierung macht auch vor der Ausbildung nicht halt. Wer sich in der Lehre nicht mit 3-D-Druckern, neuen Computerprogrammen und Cloud-Lösungen beschäftigt, hat es im Arbeitsleben später schwer. Für Betriebe bedeutet das: Sie müssen ihre Ausbildungsinhalte auf die neue Welt abstimmen.

„Ausbildung 4.0“ verlangt Kreativität

Der Aufbruch in die digitalisierte Arbeitswelt hat längst begonnen. Der massive Umbruch ganzer Betriebsabläufe war unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ ein Schwerpunktthema der diesjährigen Hannover-Messe.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Flexibilität und Individualität aber nicht nur in der industriellen Produktion und Logistik gefragt. Auch um Schlosser und Orthopädiemechaniker werden vernetzte Maschinen und 3-D-Drucker keinen Bogen machen. Das „Handwerk 4.0“ kommt – und damit auch die „Ausbildung 4.0“.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung prüft derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie den Modernisierungsbedarf von vier dualen IT-Berufen. Doch auch Tischler, Dachdecker und Fliesenleger werden ohne IT-Kenntnisse nicht mehr auskommen. So ist es an der Meisterschule Schwäbisch Hall bereits Tradition, dass Auszubildenden im dritten Lehrjahr zur Messe Holz-Handwerk eine Beratung angeboten wird – inklusive einer 3-D-Visualisierung ihres Gesellenstücks mit einem CAD-Programm. Damit kann eine Skizze des geplanten Möbelstücks auf jedem Computer in Echtzeit dreidimensional dargestellt werden.

Zwei Monate feilen sind immer noch ein Muss. Mit den Grundtechniken kann man sich immer weiterhelfen.

Dachdecker setzen zunehmend Videodrohnen ein, um den Zustand eines Daches am PC begutachten zu können, und Fliesenleger führen ihre Kunden mit einer 3-D-Brille durch das fertige Badezimmer, bevor die erste Fliese an der Wand hängt. Den Berufsschulen kommt bei der „Ausbildung 4.0“ eine wichtige Rolle zu. Da kleine und mittelständische Unternehmen selten das komplette Spektrum der erforderlichen Ausbildungsinhalte abdecken können, müssen sie die Lücken füllen.

 

Ausbildungsverbünde für kleinere Betriebe

Ferner steht Betrieben, die nicht alle Ausbildungsinhalte anbieten können, ein weiterer Weg offen: Sie schließen sich zu einem Ausbildungsverbund zusammen. So soll verhindert werden, dass die Schere bei der Ausbildung in großen und kleinen Betrieben auseinanderdriftet. Allein wird kaum ein Handwerksbetrieb den digitalen Weg gehen können, den beispielsweise der Technologieriese Bosch einschlägt: Dort werden bereits die Bedienung von Tablets und Wissen um Netzwerk- und Funktechnologien in die Ausbildung eingebunden.

Ausbildung, digitales Handwerk

Hand in Hand: Gerade bei der Bedienung von technischen Hilfsmitteln - wie einem iPad - können Auszubildende Ihrem Ausbilder vielleicht sogar etwas beibringen.

© Cultura Exclusive/Sofie Delauw/Getty Images

Nachteile sieht Klaus Fechner, Inhaber von Fechner Zerspanungstechnik in Hilden bei Düsseldorf, allerdings auch für die Auszubildenden in großen Lehrwerkstätten. „Dort fehlt oft der Praxisbezug“, begründet er seine Position. Eine Konzentration auf die neuen Technologien könne seiner Ansicht nach dazu führen, dass die Grundlagen vernachlässigt werden. Dadurch würde nach der Ausbildung der Wechsel aus einem Großbetrieb in ein kleines Unternehmen erschwert. Auch bei einem zunehmenden elektronischen Anteil blieben die Grundlagen wichtig: „Zwei Monate feilen sind immer noch ein Muss. Mit den Grundtechniken kann man sich immer weiterhelfen. Feile, Säge und Hammer sind überall zur Hand“, sagt Fechner – trotz der CNC-gesteuerten Maschinen in seinem Unternehmen. Es komme auf die richtige Mischung zwischen Handwerkstraditionen und neuen Technologien an. Sie zu finden sei die wahre Herausforderung.

Kreativ und flexibel reagieren

Dennoch sieht Fechner keine unüberwindbaren Probleme durch die neuen Entwicklungen. Große technische Sprünge habe es auch in der Vergangenheit gegeben. Wurden vor zehn Jahren noch Maschinenbauer und Mechaniker ausgebildet, sind es heute Mechatroniker. Schon damals habe das Handwerk kreativ und flexibel auf die Veränderungen reagiert. Individuelle Lösungen seien auch diesmal gefragt. Damit stimmt er mit Frank Tischner überein. Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf sagte jüngst in einem Interview: „Wer sich diesen Veränderungen stellt, anstatt sie zu bekämpfen, für den eröffnen sich neue Marktchancen. Gleichzeitig macht derjenige das Handwerk für die Jugend und gut ausgebildete Fachkräfte interessant.“

Jetzt noch den richtigen Azubi finden

Die Zeit drängt. In Kürze beginnt das Ausbildungsjahr. Sie suchen noch den passenden Auszubildenden? Hier sind fünf Tipps für die Suche:

Der erste Ansprechpartner bleibt die Agentur für Arbeit – zumal es dort eine Reihe von Förderprogrammen gibt, durch die bestehende Defizite bei ausbildungswilligen Jugendlichen ausgeglichen werden können. Einfach mal danach fragen.

Auf der Azubibörse der IKK classic können Arbeitgeber ihr Ausbildungsgesuch einstellen. Wer sich registriert hat, kann zudem nach bereits registrierten Interessenten suchen. Nach Freigabe durch den Jugendlichen bekommen Sie die Kontaktdaten, die persönlichen Dokumente und die vollständigen Profile der möglichen Azubis zu sehen.

Hier geht’s zur Anmeldung …

www.ikk-classic.de/azubisuche

Auch Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern können bei der Suche helfen. In der Regel verfügen sie über eine eigene Vermittlungsplattform, über die Unternehmen und Auszubildender zusammenfinden können.

Im Internet ist alles zu finden – wenn man weiß, wo man suchen muss. Auf Plattformen wie StepStone kann jeder Arbeitgeber eine freie Stelle anmelden, inklusive Ausbildungsplatz und Praktika. Auch ein Stellenangebot auf der eigenen Homepage wird gefunden, vor allem wenn der Text suchmaschinenoptimiert ist.

Soziale Netzwerke streuen breit. Ein Post bei Facebook („Bitte teilen“) kann ungeahnte Kreise ziehen. Irgendjemand kennt bestimmt jemanden, der einen kennt, der gehört hat, dass ein anderer einen Ausbildungsplatz sucht.

 

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