Nachhaltige Personalplanung

Wer seinen Mitarbeitern hilft, Job und Familie besser zu vereinbaren, hat gute Chancen im Kampf um Fachkräfte. Der Brillenhersteller Markus Temming GmbH profitiert gleich mehrfach davon, Heimarbeit und flexible Arbeitszeiten anzubieten.

Erfolgsfaktor Familienfreundlichkeit

Es müssen nicht immer große Lösungen sein, um dem Fachkräftemangel ein Konzept entgegenzusetzen. Kleine und mittelständische Betriebe können sich relativ einfach einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen, indem sie auf Familienfreundlichkeit setzen.

Vor allem das Potenzial gut ausgebildeter weiblicher Mitarbeiter geht mit einer familienbewussten Personalpolitik nicht verloren. Und auch für männliche Fachkräfte wird das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben immer wichtiger.

Eine aktuelle Umfrage des Bundesministeriums für Familie bestätigt diesen Trend. Für 92 Prozent aller Beschäftigten mit Kindern ist die Familienfreundlichkeit ihres Arbeitgebers mindestens ebenso entscheidend wie das Gehalt. Bei den Beschäftigten ohne Nachwuchs sind es immerhin noch 65 Prozent – ganz gleich, ob Frauen oder Männer.

PC, spezielles Arbeitslicht und Werkzeuge fürs Homeoffice

Der Gütersloher Brillenhersteller Markus Temming GmbH hat es geschafft, mithilfe von flexiblen Arbeitszeitmodellen die Fluktuation und die Fehlzeiten seiner Mitarbeiter zu senken. Auf Wunsch richtet das Unternehmen einen Arbeitsplatz zu Hause ein – nicht nur für Beschäftigte im Verwaltungsbereich, sondern auch für die Produktion von Brillen.

„Dadurch, dass wir keine getaktete Fließbandarbeit haben, erfolgen die einzelnen Arbeitsschritte unabhängig voneinander und können damit meistens auch teilweise in Heimarbeit erfolgen“, erklärt Bernadett Thomas, stellvertretende Geschäftsführerin. Ein PC, spezielles Arbeitslicht und Werkzeuge werden für das Homeoffice zur Verfügung gestellt.

Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit erfordern keine hohen Investitionskosten.

Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wird durch individuelle Arbeitsverträge mit einem wöchentlichen Arbeitspensum zwischen zehn und 40 Stunden, Arbeitszeitkonten sowie einen schrittweisen Wiedereinstieg nach der Elternzeit ergänzt. Mütter und Väter können beispielsweise bereits während der Elternzeit kleine Aufgaben übernehmen, die sich von zu Hause aus erledigen lassen.

„Wir halten außerdem engen Kontakt und binden die Eltern weiterhin in die betrieblichen Abläufe ein“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin. Dank dieser Vorgehensweise konnte man erreichen, dass viele Mitarbeiter sich nicht eine volle Auszeit von drei Jahren nehmen, sondern bereits nach einem Jahr schrittweise in ihren Job zurückkehren.

Kein starres Programm, sondern individuelle Lösungen

„All diese Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit erfordern keine hohen Investitionskosten. Lediglich ein offenes Miteinander und regelmäßige Gespräche sind notwendig“, betont Thomas.

Denn ein starres Programm sei keine passende Lösung, um einen Betrieb familienfreundlicher zu gestalten. Für jeden Mitarbeiter müsse ein individuelles Modell entworfen werden. So bat eine Mitarbeiterin, eine allein erziehende Mutter von zwei Kindern, darum, in den Schulferien komplett von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Ihr Wunsch wurde mit dem zuständigen Abteilungsleiter besprochen und für praktikabel befunden.

„Bei anderen Kollegen kommt es leider regelmäßig dazu, dass kurzfristig Betreuungstage in der Kindertagesstätte ausfallen. Dann dürfen die Mitarbeiter ihre Kinder einfach mit zur Arbeit nehmen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin.

Bernadett Thomas, Brillenhersteller Temming

Bernadett Thomas, stellvertretende Geschäftsführerin beim Brillenhersteller Markus Temming GmbH.

© Temming

Für diese flexiblen Regelungen bekommt das Unternehmen von seinen Mitarbeitern im Gegenzug auch vieles zurück: Die Fehlzeiten haben sich reduziert und die Zufriedenheit ist gestiegen, was wiederum die Fluktuation gering hält. Eine Fachkraft anzulernen dauert je nach Bereich bis zu einem halben Jahr. Wenn diese das Unternehmen verlässt, ist das ein weitreichender wirtschaftlicher Verlust.

Für Stellenanzeigen, Bewerbungsprozesse und Produktivitätsverluste während der Einarbeitung fallen Kosten an, die nicht selten das 1- bis 1,5-Fache eines Jahresgehalts übersteigen. „Deshalb wollen wir unsere Fachkräfte möglichst lange halten“, sagt Thomas, die selbst der Firma seit mehr als zehn Jahren treu ist.

Bewerber melden sich, aufgrund der flexiblen Arbeitsmodelle

Und auch für die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern geht das familienfreundliche Konzept auf. Mittlerweile melden sich Bewerber initiativ bei dem Brillenhersteller, weil sie von dessen flexiblen Arbeitsmodellen gehört haben.

Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber!“ nutzt die Markus Temming GmbH verschiedene Wege, um auf ihre Familienfreundlichkeit aufmerksam zu machen. Der Betrieb hat unter anderem am Wettbewerb „Familie gewinnt“ der Bertelsmann Stiftung und am Lokalen Bündnis für Familie des Kreises Gütersloh teilgenommen – und den ersten Preis gewonnen.

 

Im Vorstellungsgespräch wird offen über Familie gesprochen

Auch an einem Projekt des Ministeriums für Familie NRW wirkte das Unternehmen mit. Immer wieder präsentieren Mitarbeiter zudem das Konzept bei Arbeitskreisen oder Veranstaltungen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Während andere Betriebe das Thema Familie im Bewerbungsprozess bewusst ausklammern oder Mütter erst gar nicht als potenzielle Mitarbeiter in Betracht ziehen, ist bei Temming von Beginn an Offenheit an der Tagesordnung. „Schon im Vorstellungsgespräch reden wir mit den Kandidaten offen über Möglichkeiten, wie ihr Familienleben am besten mit dem künftigen Job kombinierbar ist“, erklärt die stellvertretende Geschäftsführerin.

Familienfreundlichkeit als roter Faden

Damit sich eine familienbewusste Personalpolitik für den Betrieb auszahlt, müssen Fachkräfte auf diesen Vorteil aufmerksam werden. Unternehmen sollten die Strategie deshalb aktiv für Kommunikation und Marketing einsetzen. Hier drei Tipps für Ihren Betrieb:

Die Betonung bei flexiblen Arbeitsmodellen liegt auf dem Wort „flexibel“. Bei Mitarbeitern mit Familie wechselt der Bedarf regelmäßig. Beispielsweise unterscheiden sich die Betreuungszeiten in Kindergarten und Schule. Oder die Lebenssituation ändert sich. Starre Strukturen bringen deshalb meist nichts, Angebote sollten individuell geregelt werden.

Informieren sich Bewerber über den Betrieb, sollten sie schnell auf die familienfreundliche Atmosphäre aufmerksam werden. Dafür können Unternehmer auf ihrer Internetseite eine Rubrik „Beruf und Familie“ anlegen. Oder sie nehmen an Wettbewerben mit diesem Thema teil und beteiligen sich an Lokalen Bündnissen für Familie.

Interne Mittel wie Intranet, Mitarbeiterzeitungen oder Informationsveranstaltungen sollten genutzt werden, um auch bereits im Unternehmen Beschäftigte über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf dem Laufenden zu halten. Dadurch zeigen Unternehmen, dass sie an dem Thema dranbleiben und offen für Vorschläge sind.

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