Nach Krankheit zurück in den Job

Der Dachdecker-Betrieb Kohlen hat seit Jahren ein erfolgreiches betriebliches Eingliederungsmanagement, um Fachkräfte nicht durch Krankheit zu verlieren.

Gemeinsam zurück in den Job finden

Dank flexibler Prozesse und der Unterstützung seines Arbeitgebers kann Hans-Jürgen Krahnen trotz schwerer Krankheit im Sommer wahrscheinlich wieder voll arbeiten.

Nie hätte Hans-Jürgen Krahnen damit gerechnet, einmal zu krank zu sein, um arbeiten zu können. Doch genau das erlebte der Viersener: Seit mehr als zehn Jahren leidet der 55-Jährige an der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit COPD (englisch: Chronic Obstructive Pulmonary Disease; Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung), seine Atemnot nach körperlicher Anstrengung ist immer schlimmer geworden. „Es war ein schleichender Prozess“, erinnert sich der Dachdecker. Binnen weniger Jahre stieg sein Schwerbehinderten-Status von 20 auf 70 Prozent. An seinem Arbeitsplatz zeigte er dennoch stets vollen Einsatz. „Die Baustellen sollten laufen“, sagt Krahnen, der in direktem Kontakt zu Architekten und Bauleitern die Geschäftsführung vertrat.

So einen wertvollen Mitarbeiter konnten und können wir nicht einfach ersetzen.

Vor einem Jahr musste er dann schließlich doch kapitulieren. Sein Lungenvolumen hatte sich nach einer schweren Grippe von 47 auf rund 30 Prozent verringert. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus versuchte Krahnen, seine Arbeitsfähigkeit zurückzuerlangen – zunächst auf eigene Faust, dann in einer dreiwöchigen, von der Krankenkasse genehmigten Rehabilitationskur. Doch sie zeigte keinen Erfolg. Später unterzog er sich einer Operation und einer zweiten Reha. „Während seiner langen Krankheit standen wir regelmäßig in Kontakt mit Herrn Krahnen. Wir haben immer offen kommuniziert“, sagt Dirk Kohlen, Geschäftsführer des gleichnamigen, 50 Mitarbeiter starken Dachdecker-Betriebs in Viersen am Niederrhein. Krahnen bereichere seine Firma bereits seit mehr als drei Jahrzehnten. „So einen wertvollen Mitarbeiter konnten und können wir nicht einfach ersetzen.“

 

Arbeitszeit wird sukzessive erhöht

Deshalb leitete Kohlen zu Beginn des Jahres, als es Krahnen wieder deutlich besser ging, dessen Wiedereingliederung ein. Unterstützt wurde er dabei von der IKK classic. Die Krankenkasse hilft Arbeitgebern dabei, ihre Mitarbeiter wieder in den Betrieb zu integrieren. Eine sogenannte Reha-Beraterin der IKK classic hat die Wiedereingliederung von Krahnen eng begleitet. Die Krankenkasse hat ein gut abgestimmtes Fallmanagement eingerichtet, das sich um Versicherte kümmert, die längere Zeit arbeitsunfähig sind. Es vernetzt unter anderem Betriebe, Mitarbeiter, Reha-Träger, Rentenversicherung und andere Beteiligte miteinander und versucht in Abstimmung mit den Betroffenen eine ideale Lösung für die jeweilige Situation auszuarbeiten.

Krahnen findet so Schritt für Schritt wieder in den Arbeitsrhythmus. Zunächst arbeitete er nur zwei Stunden am Tag. Eingesetzt wird er möglichst auf Baustellen, die schnell mit dem Auto erreichbar sind. „Er soll viel Zeit für Erholung haben“, sagt Kohlen. Die Stundenanzahl wird in Absprache zwischen Arzt und Arbeitgeber kontinuierlich erhöht. Krahnen hofft, bis zum Sommer wieder voll arbeiten zu können. „Wir versuchen, seine Aufgaben so zu gestalten, dass ihm stark belastende Tätigkeiten erspart bleiben und er sich ganz auf sein Wissen auf der Baustelle konzentrieren kann“, sagt sein Chef. „So schaffen wir eine Win-win-Situation. Hans-Jürgen Krahnen lebt für seinen Job und steht weiter im Berufsleben. Wir ziehen daraus einen wirtschaftlichen Vorteil.“

Beide Seiten müssen kooperieren

Im Betrieb gab es in den vergangenen Jahren mehrere Fälle wie den von Krahnen. Die größte Herausforderung für einen laufenden Betrieb sei, wenn sich gewachsene Strukturen von heute auf morgen ändern. „Aber wenn die Mitarbeiter mitziehen, kann man das bewältigen. Bleibt der Erfolg aus, muss man allerdings einsehen, dass es keinen Sinn hat“, so Kohlen.

Hans-Jürgen Krahnen könnte langfristig eines der erfolgreichen Beispiele sein. Sämtliche Schritte geschehen im Einvernehmen aller Beteiligten, er ist nach wie vor produktiv: „Wir hoffen, dass er langfristig wieder zu 80 bis 100 Prozent einsetzbar ist“, sagt sein Chef. Ob er aber auch wieder Kolonnenführer werden könne, bleibe abzuwarten. „Es ist toll, dass mich mein Arbeitgeber so intensiv unterstützt“, sagt Krahnen. „Die Firma ist sehr sozial eingestellt – so musste ich keine Angst haben, auf der Straße zu landen.“

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