Bauchgefühl richtig nutzen

Wer kennt es nicht, das Bauchgefühl, das gerne mal zuschlägt, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen. Geht es darum, zwischen zwei Paar Schuhen zu wählen, ist die Stimme aus dem Bauch oft eine gute Hilfe. Doch wie sieht die Situation im Berufsalltag aus? Sollten auch Chefs auf ihren Bauch hören?

Die Stimme aus dem Bauch

Hans-Rüdiger Pfister ist Professor für psychologische Entscheidungsforschung und Methoden an der Leuphana Universität in Lüneburg. Im Interview erklärt er, wann es sinnvoll ist, intuitiv zu entscheiden, und wann der Kopf das letzte Wort haben sollte.

 

Herr Pfister, was ist eigentlich das „Bauchgefühl“?

Hans-Rüdiger Pfister: Bauchgefühl ist nichts anderes als Intuition. Es ist ein unbewusst getroffenes Urteil, das uns mitteilt, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist – ohne dass wir genau wissen, warum wir in diesem Moment so empfinden. Im Grunde ist die Intuition eine Art Wiedererkennungseffekt. Die Situation oder die Person ist mit einer Erinnerung verknüpft, die sich als Kribbeln im Bauch oder Muskelanspannung äußert – das „Bauchgefühl“.

 

Sollten Betriebsinhaber auch bei beruflichen Entscheidungen auf ihre Intuition hören?

Pfister: In einem Gebiet, in dem sie sich auskennen, also bereits Erfahrungswerte gesammelt haben, kann die Intuition eine gute Entscheidungshilfe sein. Vor allem, wenn schnell eine Lösung gefunden werden muss. Gerade im Handwerk ist Bauchgefühl oft im Spiel, ohne dass sich die Menschen darüber im Klaren sind. Wenn ein Kollege beispielsweise für seinen guten Blick beim Holzzuschnitt bekannt ist oder man nicht genau erklären kann, warum der Chef mit seiner Materialkalkulation immer ins Schwarze trifft, spielt die Intuition mit. Die Wissenschaft spricht in solchen Fällen von „Expertenparadoxon“. Das bedeutet: Ein Experte liegt per Intuition oft richtig, kann aber nicht erklären, warum.

Wer erst den Kopf einschaltet, der kann seinem Bauch später mehr vertrauen.

Kann es nach hinten losgehen, wenn man zu sehr auf seinen Bauch hört?

Pfister: Ja, auf jeden Fall. Vorsicht ist in Bereichen angesagt, die Neuland sind. Wie gesagt spielt das Thema Erfahrung bei der Intuition eine wichtige Rolle. Wer dennoch auf unbekanntem Terrain in einer Entscheidungssituation ein Ziehen im Bauch spürt, sollte einen Schritt zurücktreten und sein Gefühl überprüfen. Gefährlich kann es auch werden, wenn ein Chef in bestimmten Situationen nur seinem Bauch vertraut – beispielsweise im Vorstellungsgespräch. Das Bauchgefühl kann kaum etwas darüber aussagen, wie der Kandidat sich im Job schlägt. Es lässt sich von irrelevanten Merkmalen wie Aussehen oder Sympathie täuschen.

 

Ist es möglich, seine Intuition zu trainieren?

Pfister: Da bin ich skeptisch, es ist eher ein automatischer Prozess. Allerdings haben Menschen, die Experten auf ihrem Gebiet sind, eine bessere Intuition, das beweisen wissenschaftliche Studien. Demnach kann es helfen, wenn jemand in einem bestimmten Bereich intuitiver und schneller handeln möchte, wenn er sich zuvor Wissen aneignet. Es klingt paradox, aber: Wer erst den Kopf einschaltet, der kann seinem Bauch später mehr vertrauen. 

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Illustration Headergrafik: © Helena Pallares