Die Mischung macht's

Ein Team besteht im besten Fall aus möglichst unterschiedlichen Menschen, das beweisen zahlreiche Studien. Dazu gehören auch Mitarbeiter mit Behinderung. Bauunternehmer Gunther Dech beschäftigt einen gehörlosen Maurer – und lobt den gewachsenen Teamgeist.

Die Mischung macht's

Auf den ersten Blick ist alles wie auf jeder anderen Baustelle. Gerald Hauk setzt einen Stein auf den nächsten, der Rohbau wächst. Nur die Kommunikation läuft für außenstehende Beobachter ungewöhnlich ab. Keine lauten Rufe zur Abstimmung, stattdessen kommt ein Kollege zu Hauk und tippt ihm vorsichtig auf die Schulter. Der Maurer ist von Geburt an gehörlos.

Wer Gerald Hauk etwas mitteilen will, muss zuerst Körper- oder Blickkontakt suchen – und anschließend deutlich sprechen. Er liest von den Lippen ab und antwortet mit einfachen Handzeichen.

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet er für die Gunther Dech Bau GmbH in Ramsen in Rheinland-Pfalz. „Er hat sich einfach initiativ bei uns beworben“, erinnert sich Gunther Dech. Statt vor der in der Bewerbung aufgeführten Behinderung zurückzuschrecken, lud er den Maurer zum Kennenlernen ein. Hauks Frau war beim ersten Termin dabei. Sie beherrscht die Gebärdensprache und übersetzte.

Die Qualifikationen stimmten, der erste Eindruck auch. „Es ist sehr schwierig, gute Fachleute zu bekommen. Da dachte ich mir: Probieren wir es einfach“, sagt Betriebsinhaber Dech.

Arbeitgeber, die Menschen mit Handicap beschäftigen, können Leistungen zur Teilhabe oder begleitende Hilfen beantragen. Dabei handelt es sich um finanzielle Zuschüsse zur beruflichen Integration oder Rehabilitation betroffener Mitarbeiter.

Praktische Hilfe erhalten Arbeitgeber unter anderem bei den Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern. Viele haben eigens geschulte Berater, die gemeinsam mit dem Betriebsinhaber Konzepte zur Beschäftigung und Inklusion behinderter Mitarbeiter ausarbeiten.

Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat beispielsweise die Info-App „Inklusion und Beschäftigung“ für Arbeitgeber entwickelt. Über die Website www.handwerk-nrw.de kann zudem eine Broschüre „Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“ heruntergeladen werden.

Ein Pate auf der Baustelle

Dass sich der Mut lohnt, Menschen mit Handicap ins Team zu integrieren, zeigt  auch eine Studie des Research Institute im Auftrag der „Aktion Mensch“. Mehr als 80 Prozent der Arbeitgeber, die Behinderte beschäftigen, sind mit deren Leistungen zufrieden und sehen keine Leistungsunterschiede zu anderen Mitarbeitern.

Da Gunther Dech vor Gerald Hauk noch nie einen Menschen mit Handicap eingestellt hatte, begann für ihn zunächst allerdings die Suche nach Informationen. „Mit einem Arbeitsforscher und Berater, mit dem ich schon öfter bei der Mitarbeiterschulung zusammengearbeitet habe, konnte ich schließlich ein Konzept erarbeiten“, sagt Dech.

Zum Konzept von Dech gehörte die Anpassung der Gefährdungsbeurteilung, die das Unternehmen für jede Baustelle erstellen muss. Die Liste wurde durch Voraussetzungen für die Beschäftigung des gehörlosen Mitarbeiters ergänzt. Das Team vor Ort teilt beispielsweise immer einen Paten für Gerald Hauk ein. Zudem werden Handzeichen für Gefahren und Situationen, die Vorsicht erfordern, vereinbart.

 

Gewachsener Teamgeist

Gerald Hauk macht die Arbeit Spaß. Er fühle sich nicht anders und sei fester Bestandteil der Belegschaft. Sein Chef Gunther Dech ergänzt: „Für die Zusammenarbeit ist er eine Bereicherung, keinesfalls eine Belastung.“ Die Einweisung auf der Baustelle dauere höchstens ein paar Minuten länger, ansonsten sei im Arbeitsalltag kein Unterschied zu merken. Höchstens ein durchaus positiver. Die Mitarbeiter nehmen mehr Rücksicht aufeinander: „Der Teamgedanke ist gewachsen. Wir sind näher zusammengerückt“, sagt der Chef.

 

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