Das neue Erbschaftssteuergesetz

Die Reform der Erbschaftsteuer verunsichert Unternehmer. Laut einer aktuellen Studie der KfW Bank sehen 22 Prozent der Senior-Unternehmer durch die angekündigte höhere Steuerbelastung die Betriebsübergabe gefährdet. Auch kleinere Betriebe sind von der Gesetzesänderung betroffen.

Das neue Erbschaftssteuergesetz und seine Folgen

Nach Plänen der Bundesregierung für das neue Erbschaftssteuergesetz muss jede Firma ab vier Mitarbeitern nachweisen, dass sie bestimmte Lohnsummenregeln einhält. Betriebe mit bis zu 20 Angestellten blieben von dieser Regelung bislang verschont.

Dr. Achim Bollweg leitet am Standort Hannover die Steuerabteilung beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. Er ist Experte für Unternehmensbesteuerung und Ansprechpartner für mittelständische Unternehmen. „Wer zwischen vier und zehn Mitarbeitern beschäftigt, muss nach dem gegenwärtigen Stand des Gesetzesentwurfs über fünf Jahre auf eine Lohnsumme von 250 Prozent der Ausgangslohnsumme zum Zeitpunkt des Erbfalls oder der Schenkung kommen, um zukünftig steuerlich begünstigt zu werden“, erklärt er.

Dr. Achim Bollweg, Experte für Unternehmensbesteuerung bei Deloitte. <p><span class="picinfo">Foto: &copy; Deloitte</span></p>

Dr. Achim Bollweg, Experte für Unternehmensbesteuerung bei Deloitte.

© Deloitte

Unbesetzte Stellen werden teuer

Wer ganz verschont werden wolle, müsse in sieben Jahren eine Lohnsumme von 500 Prozent erreichen. Ausgeklammert werden bei der Berechnung Auszubildende und Mitarbeiter in Elternzeit, so Bollweg.

Allerdings kann selbst eine unbesetzte Stelle nach den Plänen zu einer steuerlichen Mehrbelastung führen. Und zwar dann, wenn ein Mitarbeiter kündigt und die entstandene Vakanz nicht sofort wiederbesetzt wird – beispielsweise, weil der Unternehmer aufgrund des Fachkräftemangels keinen passenden Kandidaten findet.  

Dr. Harald Stang, Anwalt und Steuerberater bei Deloitte. <p><span class="picinfo">Foto: &copy; Deloitte</span></p>

Dr. Harald Stang, Anwalt und Steuerberater bei Deloitte.

© Deloitte

Schenkung als Lösung

Tipps für Betriebsinhaber gibt Bollwegs Kollege Dr. Harald Stang, Anwalt und Steuerberater bei Deloitte. „Jeder Unternehmer sollte jetzt prüfen, ob er noch im aktuellen gesetzlichen Rahmen seinen Betrieb durch Schenkung übertragen will und dies auch steuerfrei durchführen kann.“

Jedoch gibt der Experte auch zu bedenken, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen kann, wie das Gesetz am Ende aussehen wird. „Somit gehen Unternehmer auch ein gewisses Risiko ein, wenn sie ihr Unternehmen übertragen“, sagt Stang. Sein Vorschlag zur Absicherung: eine Widerrufsklausel im Schenkungsvertrag. Danach könne die Betriebsübergabe unter bestimmten Voraussetzungen – auch mit steuerlicher Wirkung – rückgängig gemacht werden.

 

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