Bürokratie überwinden

Ellahe Amir-Haeri arbeitet im Büro des Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration und bei der  Initiative „bridge – Berliner Netzwerk für Bleiberecht“. Dort berät sie bundesweit kostenlos Firmen, die Flüchtlinge einstellen wollen. Amir-Haeri kennt die bürokratischen Probleme und unterstützt Unternehmen beim Antragsverfahren.

Betriebe sollten den Prozess aktiv begleiten

Wann darf ein Flüchtling eingestellt werden?

In den ersten drei bis sechs Monaten gilt für Geflüchtete im Asylverfahren ein Arbeitsverbot. Danach ist grundsätzlich der Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet. Der Asylsuchende muss aber zunächst mit einem konkreten Stellenangebot zur Ausländerbehörde gehen. Diese wiederum leitet die Anfrage an die Bundesagentur für Arbeit weiter, die eine sogenannte Vorrangprüfung durchführt. Das heißt, es wird geprüft, ob es am regionalen Arbeitsmarkt Personen mit denselben Qualifikationen, aber besserem Aufenthaltsstatus gibt. Nach 15 Monaten Aufenthalt entfällt die Vorrangprüfung. Personen, die schon eine Aufenthaltserlaubnis haben, also deren Asylverfahren abgeschlossen ist, haben unbeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt.

 

Wie lange dauert die Vorrangprüfung?

Drei bis sechs Wochen. Ein Unternehmer kann seinem Wunschkandidaten helfen, indem er die Stellenbeschreibung möglichst genau formuliert. Je deutlicher es wird, warum gerade diese Person für den Job die richtige ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Erlaubnis zur Beschäftigung zu erlangen. Außerdem ist die Aussicht auf Erfolg größer, wenn Betriebe den Prozess aktiv begleiten – also beispielsweise mit der Ausländerbehörde oder dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Kontakt aufnehmen.

 

Müssen auch Praktikanten und Auszubildende diesen Prozess durchlaufen?

Für die Berufsausbildung ist keine Vorrangprüfung nötig. Hier muss lediglich die Ausländerbehörde ihr Okay geben. Das gilt ebenfalls für ein Praktikum zur Berufsorientierung. Das ist generell ein guter Einstieg, um auszuprobieren, ob Flüchtling und Betrieb zusammenpassen. Für ein sechsmonatiges Praktikum, eine sogenannte Einstiegsqualifikation, bestehen sogar Unterstützungsmöglichkeiten durch die Arbeitsagentur.

 

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