Wertschätzung zahlt sich aus

Die Herausforderung ist klar: In einer Zeit, in der das Durchschnittsalter der Mitarbeiter steigt und qualifizierte Nachwuchskräfte immer schwerer zu finden sind, wird der Faktor Gesundheit mitentscheidend für den betrieblichen Erfolg. Betriebsinhaber haben es in der Hand.

Wertschätzung zahlt sich aus

Zwischen Problemen mit dem Kunden, dem Ärger auf der Baustelle und Ter­mindruck bleibt im Arbeitsalltag oft wenig Zeit, auf die eigene Gesundheit oder die der Mitarbeiter zu achten. Auch das Führungsverhalten wird in solchen Momenten wenig reflektiert.

Wenn’s schnell gehen muss, wird der Ton vom Chef schon mal etwas ruppig. Im Vorbeilaufen wird noch eben eine Arbeitsanweisung vergeben. Das lang geplante Mitarbeitergespräch muss kurzfristig einem Kundentermin weichen. Macht nichts, der Betrieb läuft ja trotzdem weiter. Oder? „Nein“, sagt Christine Busch von der Universität Hamburg. Für sie ist klar: Ob ein Mitarbeiter morgens motiviert und einsatzbereit zur Arbeit kommt oder bereits am Sonntagabend mit Bauchschmerzen an die nächste Woche denkt, hängt stark von den Führungs­qualitäten und auch der Vorbildrolle des Chefs ab.

Auch die zweite Führungsebene der Meister spielt eine entscheidende Rol­le. „Wie wichtig ihr persönliches Ver­halten gegenüber den Mitarbeitern ist, wissen viele Führungskräfte oft nicht. Sie unterschätzen in diesem Hinblick ihre eigene Funktion und die Tragweite ihres Verhaltens“, erklärt Busch.

Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis

Ein wichtiger Schlüssel zu einer gesun­den Führungskultur ist Wertschätzung gegenüber den eigenen Mitarbeitern und Kollegen. „Ein wertschätzendes Miteinander ist ein menschliches Grundbedürfnis, das Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Hin­zu kommt: Wer sich im Job anerkannt fühlt, ist oft produktiver“, weiß IKK-Gesundheitsmanagerin Katja Keller-Landvogt. Wie konkret Wertschätzung auf den Körper wirkt, ist vielen nicht bewusst: „Anerkennung kann eine direkte körperliche Auswirkung ha­ben. Sie bewirkt die Freisetzung ver­schiedenster Hormone und fördert dadurch die Konzentrationsfähigkeit, baut Vertrauen auf und steigert das Wohlbefinden."

Wertschätzung der Mitarbeiter be­deutet jedoch nicht nur Lob. Offene Kommunikation, gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen, eine angenehme Arbeitsatmosphäre, ein transparenter Informationsfluss sowie die Einbin­dung der Mitarbeiter in Veränderun­gen und Entscheidungen sind wich­tige Maßnahmen auf dem Weg zum „gesunden Betrieb“. Auch klare Rege­lungen zu Arbeitszeiten, Überstunden, Urlaub usw. führen dazu, dass sich Mit­arbeiter wohl fühlen.

Wer sich im Job anerkannt fühlt, ist oft produktiver.

Zu einem gesunden Führungsverhal­ten gehört auch, sich mit den Sorgen und Problemen der eigenen Mitarbei­ter auseinanderzusetzen. Dazu benötigt man kein Psychologiestudium – oft hilft hier schon aufmerksames Beobachten. Bemerkt der Vorgesetzte Stress-Symp­tome oder ein untypisches Verhalten, sollte er diese Anzeichen nicht ignorie­ren, sondern das persönliche Gespräch suchen.

Einfluss auf die Gesundheit

So viel ein gesunder Führungsstil bewir­ken kann, so schwerwiegend kann sein Fehlen sein. „Ein negativer Umgangs­ton, wie zum Beispiel Schreien, unange­messene Kritik oder Missbilligung kön­nen in hohem Maße körperliche oder psychische Reaktionen verursachen“, so Busch. Gesundheitsmanagerin Kel­ler-Landvogt ergänzt: „In psychischen Belastungssituationen können Stress­hormone ausgeschüttet werden. Diese können dem Herz-Kreislauf-System schaden, das Immunsystem schwächen und das Depressionsrisiko steigern“.

Bei all der Verantwortung darf auch die eigene Gesundheit nicht in Vergessen­heit geraten. Denn nur ein gesunder Chef kann sich den betrieblichen He­rausforderungen jeden Tag aufs Neue stellen. „Viele Führungskräfte wollen ihren Job besonders gut machen und übernehmen sich mit ihren eigenen Anforderungen an sich selbst. Oft hat so ein Verhalten langfristig jedoch einen negativen Effekt“, stellt Busch heraus. Denn einem von Stress ge­plagten, gereizten Arbeitgeber gelinge es nur schwer, ein harmonisches und gesundheitsförderndes Klima zu etab­lieren. Ein verantwor­tungsvoller Umgang mit sich selbst hat hingegen eine positive Signalwirkung auf die eigenen Mitarbeiter.


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