Chef gefunden

„Es war schwer für meinen Vorgänger, sich vom Betrieb zu lösen - obwohl er aktiv nach einem Nachfolger gesucht hat."

Michael Zimmermann, Geschäftsführer der Wärme-Service Dieter Müller GmbH

Chef gefunden

Wenn Betriebsinhaber in den Ruhestand gehen wollen, steht die Zukunft des Unternehmens häufig auf der Kippe. Einen Nachfolger zu finden ist heute schwieriger denn je. Im niedersächsischen Rastede hat es geklappt – wenn auch mit einem längeren Übergang als

Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis. Wenn etwas ist, kann ich meinen Vorgänger immer fragen.

Loslassen muss man lernen. Der Vorgänger von Michael Zimmermann hat dafür mehrere Jahre gebraucht. Schließlich geht es um sein Unternehmen, das er eigenhändig aufgebaut und zum Erfolg geführt hat. Sein Lebenswerk. Das aufzugeben ist vor allem eine emotionale Herausforderung. „Es war schwer für meinen Vorgänger, sich vom Betrieb zu lösen – obwohl er aktiv nach einem Nachfolger gesucht hat“, erinnert sich Michael Zimmermann, der vor gut einem Jahr die Wärme-Service Dieter Müller GmbH im norddeutschen Rastede übernommen hat. Kein Einzelfall.

Unter den Gründen für gescheiterte Firmenübergaben stehen Senioren, die nicht loslassen können, ganz oben. Das ergab eine Studie von TNS Emnid. Fünf Jahre hat es gebraucht, bis Zimmermann das Ruder endlich übernehmen konnte. „Geplant war es anders. Eigentlich wollten wir nur ein Jahr lang zusammenarbeiten, um zu gucken, ob es passt“, sagt er.

Zimmermann, damals 40 Jahre alt und Angestellter, wollte beruflich die nächste Stufe nehmen. „Da kam eigentlich nur die Selbstständigkeit infrage“, sagt er. Doch einen neuen Betrieb zu gründen – ohne Kontakte, ohne gute Mitarbeiter – war ihm zu riskant. Bis er 2009 zufällig erfuhr, dass in der Region eine Nachfolge für die Leitung eines Sanitärbetriebs gesucht wurde.

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© privat Bild: Michael Zimmermann Erfolgsgeschichte

Michael Zimmermann

Geschäftsführer der Wärme-Service Dieter Müller GmbH


Etliche Jobs stehen auf der Kippe

Im Zuge des demografischen Wandels gibt es immer weniger künftige Chefs, die einen Betrieb übernehmen könnten. Allein im Jahr 2016, so Prognosen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, scheiden mehr als 110.000 Inhaber aus ihren Betrieben aus. Etliche Jobs stehen auf der Kippe, wenn die Inhaber keinen Nachfolger finden. Nach ersten Recherchen Zimmermanns kam es zum Treffen mit dem Betriebsinhaber. Die Chemie stimmte. Schon bald wurden die Rahmenbedingungen für die Zukunft des Betriebs unter Zimmermanns Leitung abgesteckt. Ein Glücksgriff: „Ich habe wirklich ein gutes Geschäft gemacht. Es gab bereits super Personal und einen großen Stamm zahlungswilliger Kunden“, sagt Zimmermann. Und es werden immer mehr Aufträge – bis zur Auslastungsgrenze. Ein Luxusproblem.

Fachkräfte zu finden ist für ihn derzeit die größte Herausforderung. „Die Guten sind einfach schon vergeben“, sagt er. Deshalb investiert er in die Zukunft und nimmt das Problem in die eigenen Hände: So lernen mittlerweile drei Auszubildende ihr Handwerk bei ihm im Betrieb. Sogar einen Monteur mit Abitur hat er für das Unternehmen gewinnen können. Um ihn auch halten zu können, investiert der Chef in Weiterbildungsmöglichkeiten. „Azubis sollen keine günstigen Arbeitskräfte sein, in erster Linie möchte ich, dass sie etwas lernen – und dass sie natürlich bei uns im Betrieb bleiben“, erläutert der 46-Jährige.

Coaching vom Vorgänger

Obwohl Zimmermann im Mai 2014 den Sanitärbetrieb übernommen hat, ist sein Vorgänger noch immer präsent. Wenn auch nicht viel öfter als ein, zwei Mal im Monat. So ganz hat er noch immer nicht loslassen können. Doch den neuen Inhaber stört das nicht. „Wir haben ein fast freundschaftliches Verhältnis und er steht mir als Berater zur Seite. Wenn etwas ist, dann kann ich ihn immer fragen“, sagt er. Keine Spur von Vorschriften. Die möchte Michael Zimmermann auch seinem Sohn nicht machen, von dem er hofft, dass er eines Tages den Betrieb übernimmt. Auch er wird dann erfahren, was es heißt, loszulassen.

 


Bildnachweis Headergrafik: © Daniel Balzer by Marsha Heyer Illustratoren